Forum EWSA/Cedefop: Dringende und koordinierte Reaktion auf niedriges Qualifikationsniveau in Europa erforderlich

Am 5./6. November veranstalteten der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) und das Europäisches Zentrum für die Förderung der Berufsbildung (Cedefop) das dritte politische Lernforum (PLF) über Weiterbildungspfade, an dem Sozialpartner sowie relevante Vertreter der Regierung und der Zivilgesellschaft teilnahmen. Sie wiesen nachdrücklich darauf hin, dass die derzeitige Pandemie die bereits durch die digitale Revolution ausgelösten Veränderungen in der Arbeitswelt noch beschleunigen könnten, weshalb Weiterbildung und Umschulung immer wichtiger werden.

Die Teilnehmer des PLT betonten daher, dass dringend die Weiterbildungspfade in die Tat umgesetzt werden müssen, die Gegenstand eines 2016 als Empfehlung des Rates verabschiedeten Legislativvorschlags sind. Dies bildet die Grundlage der europäischen Kompetenzagenda, die darauf abzielt, alle Unionsbürgerinnen und -bürger mit den für die Teilhabe am Arbeitsmarkt erforderlichen Kompetenzen auszustatten und ihr volles Potenzial freizusetzen, damit sie sich als Einzelpersonen sowie Mitglieder der Gesellschaft entfalten können.

Einer Studie von Cedefop zufolge werden 128 Millionen Erwachsene in Europa ihre Qualifikationen auf den neuesten Stand bringen oder neue erwerben müssen, um ihren Arbeitsplatz zu behalten bzw. einen neuen zu finden, der ihrem Kompetenz- und Qualifikationsniveau entspricht. Hierbei handelt es sich um die Gesamtzahl für die EU-27, Island, Norwegen und das Vereinigte Königreich. Sie entspricht einem Bevölkerungsanteil von sage und schreibe 46,1 %.

„Wir müssen betonen, dass wir eine Überlebenshilfe anbieten wollen – den Arbeitnehmern wie auch den Arbeitgebern –, denn die Dinge werden nicht einfach so weitergehen können wie bisher. Gute Qualifikationen sind ein Motor für die Wettbewerbsfähigkeit auf EU-Ebene und auch für die persönliche und berufliche Entfaltung des Einzelnen“, so der Vorsitzende der EWSA-Fachgruppe Beschäftigung, Sozialfragen und Bürgerschaft, Laurenţiu Plosceanu.

 

Wir müssen allen Erwachsenen lebenslang Möglichkeiten zum Erwerb aktuellerer und neuer Kompetenzen bieten, die ihnen durch unsichere Zeiten helfen und sie in ihrem Leben und in ihrer Karriere voranbringen“ so Jürgen Siebel, Exekutivdirektor von Cedefop. Die Weiterbildungs- und Umschulungssysteme müssten auch dem Bedarf der Unternehmen Rechnung tragen, die eine wichtigen Beitrag zur Erreichung ehrgeiziger Ziele leisten.

Die Teilnehmer des dritten PLF beschäftigten sich näher mit den Erfahrungen, die in Finnland, Irland und den Niederlanden mit der Gestaltung und Umsetzung der Weiterbildungspfade gesammelt wurden; dort haben die Regierungen ehrgeizige Ziele mit umfassenden Strategien festgelegt sowie Reformen für lebenslanges Lernen und die Erwachsenenbildung auf den Weg gebracht, die auch bereits Früchte tragen.

Des Weiteren haben sich die PLF-Teilnehmer mit dem Programm der portugiesischen Regierung befasst; diese konnte das Angebot der Erwachsenenbildung deutlich ausbauen – in einem Land, wo noch 2016 die Hälfte der Bevölkerung keinen Sekundarschulabschluss hatte. (ll)