European Economic
and Social Committee
Diversität in den Medien: Sind wirklich alle gleichberechtigt vertreten?
Journalistinnen und Journalisten mit Behinderungen sind genauso gut in ihrem Job und können zudem eine andere und neue Sichtweise einbringen – warum sind dann aber so wenige von ihnen im Medienbereich tätig? Lars Bosselmann von der Europäischen Blindenunion berichtet darüber, dass Menschen mit Behinderungen in der Medienbranche unterrepräsentiert sind, und fordert ein Ende ihrer stereotypen Darstellung in den Nachrichten.
Alle Demokratien beruhen auf zentralen Grundsätzen, einer der wichtigsten ist die Pressefreiheit. Sie trägt dazu bei, das Handeln politischer Entscheidungsträger für die Öffentlichkeit transparent zu machen. Zudem ermöglicht sie uns den Zugang zu Informationen ohne Einflussnahme von außen.
In der Medienpraxis besteht jedoch zum Teil noch Verbesserungsbedarf, insbesondere im Hinblick auf die Diversität. Bei der Darstellung in den Medien oder bei der Berichterstattung über Themen im Zusammenhang mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen sind wir noch weit von Gleichberechtigung entfernt.
Aktuelle Zahlen zeigen, dass Menschen mit Behinderungen unter den Beschäftigten bei Zeitungen, Radiosendern und Fernsehanstalten nicht angemessen vertreten sind. Da bis zu 16 % der Weltbevölkerung eine Form von Behinderung haben, ist dies sehr besorgniserregend. Darüber hinaus wird in einem Bericht der UNESCO hervorgehoben, dass Menschen mit Behinderungen häufig auch durch stereotype Darstellungen in den Medien weltweit mit Vorurteilen zu kämpfen haben.
Um die öffentliche Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen zu verändern, müssen wir darauf aufmerksam machen, wie wichtig ihre Präsenz in Nachrichtenredaktionen und bei der Erstellung von Inhalten ist.
Die Gesellschaft muss begreifen, dass die Medienbranche erst dann vollständig inklusiv sein wird, wenn Menschen mit Behinderungen an den Arbeitsabläufen beteiligt sind. Außerdem müssen Themen im Zusammenhang mit Behinderung anders behandelt werden: Medienunternehmen sollten anerkennen, dass Menschen mit Behinderungen ihre Rechte gleichberechtigt mit anderen wahrnehmen können sollten. Da sich die Formate der Inhalte ständig ändern, brauchen wir Experten, um diese Formate barrierefrei und inklusiv zu gestalten.
Obwohl Menschen mit Behinderungen in der Medienbranche unterrepräsentiert sind, gibt es sehr inspirierende Beispiele für die hervorragende Arbeit von Menschen mit Behinderungen als Ersteller von Inhalten.
Kürzlich hat die Europäische Blindenunion in ihrer Podcast-Reihe eine Episode den Paralympischen Spiele 2024 in Paris gewidmet. In dieser Episode haben wir mit Laetitia Bernard gesprochen, einer blinden französischen Journalistin, die für Radio France arbeitet. Neben den diesjährigen Paralympischen Spielen hat Laetitia Bernard bereits über die Paralympics 2012 in London und 2016 in Rio sowie über die Paralympischen Winterspiele 2014 in Sotschi und 2018 in Pyeongchang berichtet.
„Veranstaltungen wie die Paralympischen Spiele haben einen positiven Einfluss auf die Überwindung von Hindernissen und von Stereotypen“, betonte Frau Bernard im Interview. „Ein Journalist oder eine Journalistin kann auch mit einer Behinderung einen guten Job machen und sogar eine andere Sichtweise einbringen“, fügte sie hinzu. Der berufliche Weg von Laetitia Bernard und ihre Überlegungen zu diesem Thema zeigen, dass auch dieser Aspekt beachtet werden muss, um die Gesellschaft inklusiver zu gestalten – Gleichberechtigung muss ein zentrales Anliegen der Medienbranche sein.
Lars Bosselmann ist Geschäftsführender Direktor der Europäischen Blindenunion (EBU).