Durch die Pandemie sind die Grenzen in Europa, manchmal sogar die Grenzen innerhalb ein und desselben Landes, wieder sichtbar geworden. Nun könnte man meinen, dass dadurch der Spielraum für die transnationale Zusammenarbeit zwischen Regionen und Städten kleiner geworden wäre. Tatsächlich ist aber genau das Gegenteil der Fall.

Wie also habe ich den Lockdown in Bulgarien erlebt? Für einen aktiven und sportlichen Draußen-Menschen und Frischluftfanatiker wie mich war es eine schwierige Zeit. Es gab viele Beschränkungen. Wir mussten drinnen bleiben und durften nur während der Öffnungszeiten von Geschäften für die Grundversorgung nach draußen, um Lebensmittel, Medikamente oder Haushaltswaren einzukaufen. In den Läden und auch außerhalb musste stets ein Mindestabstand von anderthalb Metern eingehalten werden. Es war wirklich kompliziert: Jedes Mal, wenn wir Sofia verlassen wollten, mussten wir ein Formular ausfüllen, in dem der Grund und das Ziel der Reise anzugeben waren. Bei Kontrollen musste das Formular der Polizei vorgezeigt werden.

Das Gute war aber, dass sich die Menschen in Bulgarien stärker auf ihre eigenen Kräfte besannen und durch die größere Autarkie auch die Qualität der eigenen Lebensmittel zu schätzen lernten. Sie haben erkannt, wie gut die lokalen Anbieter und kurze Versorgungsketten bei Lebensmitteln sind. Die Nachfrage nach Lebensmitteln aus landwirtschaftlichen Betrieben und direkt vom Erzeuger ist gestiegen. Durch Basisinitiativen sind viele zu Gärtnern geworden und bauen ihr eigenes Gemüse und Kräuter an.

Die Märkte waren die ganze Zeit geöffnet. Hier wird traditionell mit Lebensmitteln, Saatgut, Setzlingen, Obst und Gemüse sowie Blumen gehandelt. Dass die Märkte während des Lockdowns – bei strikter Einhaltung von Sicherheitsmaßnahmen – offen bleiben durften, hilft, ein wenig Normalität und gewohnte Routine beizubehalten.

In den Bergen waren auch einige lokale Aktionsgruppen sehr aktiv. Sie haben nützliche Kontakte erfasst und auf ihren Websites veröffentlicht, um lokale Erzeuger von Lebensmitteln während der Pandemie zusätzlich zu unterstützen.

Aufgrund der diversen Reise- und Kontaktbeschränkungen mussten wir im Verband viele unserer üblichen Sitzungen und Veranstaltungen absagen, die es in der Regel einfacher machen, gemeinsame Initiativen zu entwickeln und die Ergebnisse zu verbreiten. Diese Beschränkungen haben uns jedoch nicht von der Arbeit abgehalten – ganz im Gegenteil. Wir arbeiten weiterhin effizient zusammen daran, die Bergregionen zu stärken und noch widerstandsfähiger zu machen. In einigen Fällen haben wir unsere Arbeitsprogramme angepasst und entwickeln nun gemeinsame Lösungen, um schwächeren EU-Regionen und -Städten zu helfen, besser mit der Pandemie klarzukommen.

Wir haben eine Unterstützungsplattform geschaffen, die die Solidarität im ländlichen Raum fördern soll. Sie dient der zwischenmenschlichen Solidarität und stellt den Kontakt zwischen hilfsbedürftigen Menschen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern her. Ziel der Plattform ist gegenwärtig vor allem die Unterstützung behinderter und älterer Menschen, die zur Risikogruppe gehören, beim Einkaufen oder der häuslichen Pflege (mit Ausnahme der Körperpflege) sowie von Eltern, die arbeiten müssen und daher eine Betreuung für ihre Kinder benötigen.

Im ländlichen Raum und in Bergregionen sind noch viele weitere Initiativen entstanden, die veranschaulichen, wie stark unsere Gemeinschaft und wie groß die Hilfsbereitschaft ist. Ich habe für mich als Lehre aus dieser Zeit gezogen, dass ich das, was ich mir vorgenommen habe, nicht mehr aufschieben darf. Etwas zu tun und zu tun zu haben, kann in schwierigen Zeiten unsere Rettung sein.