Vom 17.–20. März 2025 fand die Woche der Zivilgesellschaft statt. Mehr als 800 Teilnehmende von Organisationen der Zivilgesellschaft und Interessengruppen aus ganz Europa – darunter Jugendorganisationen und NRO – sowie zahlreiche Pressevertreter strömten in den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss. Themen der Eröffnungssitzung waren der Schutz des zivilgesellschaftlichen Raums durch rechtliche Maßnahmen und die Schlüsselrolle der Zivilgesellschaft, wenn es darum geht, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, Brücken zu bauen, die soziale Resilienz zu stärken und denjenigen eine Stimme zu geben, die allzu oft nicht gehört werden.

Dieses Jahr stand die Woche der Zivilgesellschaft unter dem Motto Stärkung des Zusammenhalts und der Beteiligung in polarisierten Gesellschaften. Rund um dieses Motto wurden Podiumsdiskussionen der EWSA-Kontaktgruppe veranstaltet, am 18. März wurde der Tag der Europäischen Bürgerinitiative gefeiert, und es ging um den Preis der Zivilgesellschaft. Gemeinsam wurde daran gearbeitet,

  • der zunehmenden Polarisierung entgegenzuwirken, die in den letzten Jahren durch die Finanzkrise, den Klimawandel und die wachsende Einkommensungleichheit verschärft worden ist,
  • die wichtige Rolle hervorzuheben, die die Zivilgesellschaft in diesem Zusammenhang spielen kann, und
  • Lösungsvorschläge der Zivilgesellschaft und ihre Forderungen an die politischen Entscheidungsträger in der EU zu sammeln, um durch die Stärkung des sozialen Zusammenhalts und der demokratischen Teilhabe in Schlüsselbereichen der Gesellschaft die Polarisierung Europas zu bekämpfen.

In seiner Eröffnungsrede betonte EWSA-Präsident Oliver Röpke: „Die Zivilgesellschaft muss sich der Herausforderung stellen. Beteiligung, Dialog und Solidarität sind nicht nur Ideale – sie sind das Fundament eines widerstandsfähigen und geeinten Europas. Hier im Rahmen der Woche der Zivilgesellschaft wollen wir unser Engagement für Integration und aktive Bürgerschaft bekräftigen. Eine starke Demokratie beruht nicht nur auf ihren Institutionen, sondern auch auf dem Engagement aller Bürgerinnen und Bürger.“

Albena Azmanova, Professorin für Politik- und Sozialwissenschaften an der City Saint George‘s, University of London, sprach in ihrer Keynote über die wachsende wirtschaftliche Unsicherheit, mit der die Mehrheit der Menschen konfrontiert ist – die sogenannte „Epidemie der Prekarität“. In Zeiten massiver Unsicherheiten liege der Schlüssel zu einem Durchbruch in den Händen der Zivilgesellschaft.

„Die meisten Menschen sind aufgrund der enormen wirtschaftlichen Unsicherheit zu erschöpft, um sich zur Wehr zu setzen. Aber die Zivilgesellschaft hat dazu noch die Kraft. Die Aktivistinnen und Aktivisten der Zivilgesellschaft werden davon angetrieben, gegen bestimmte Missstände vorzugehen. Sie sind die sichtbaren Arme und Beine der Demokratie“, sagte sie.

Und Younous Omarjee, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, erklärte: „Die Zivilgesellschaft schafft in Zeiten des zunehmenden Individualismus ein Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Gesellschaft und dient als Bollwerk gegen den sich ausbreitenden Rechtsextremismus.“

Adriana Porowska, Ministerin für die Zivilgesellschaft, sprach als Vertreterin des polnischen EU-Ratsvorsitzes über die entscheidende Rolle der NRO für die soziale Resilienz und über ihre Bedeutung für sozial schwächere Gruppen und Menschen in abgelegenen Gegenden. Sie berichtete, wie die Zivilgesellschaft in Polen die Widerstandsfähigkeit des Landes stärkt.

Brikena Xhomaqi, Ko-Vorsitzende der EWSA-Kontaktgruppe „Europäische Organisationen und Netze der Zivilgesellschaft“, betonte, dass das stolze Motto der EU „In Vielfalt geeint“ nur von den Menschen an der Basis umgesetzt werden kann. Gleichzeitig stehen die Organisationen der Zivilgesellschaft und die NRO aber mehr und mehr unter Beschuss, ihre Finanzierung und ihre Rolle werden in Frage gestellt. „Ohne die entsprechenden Ressourcen können die Organisationen der Zivilgesellschaft ihrer Aufgabe nicht nachkommen. Unsere Institutionen müssen unsere Zivilgesellschaft schützen. Wir brauchen einen rechtlichen Schutz für zivilgesellschaftliche Organisationen, denn sie sind es, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt sicherstellen und uns in Vielfalt einen.“