Am 2. Dezember fand auf der Plenartagung des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses eine Debatte mit Sinéad Burke statt, die sich als Schriftstellerin und Aktivistin für die Rechte von Menschen mit Behinderungen einsetzt. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Stärkung der Stellung behinderter Menschen und ihre Teilhabe an allen Bereichen des wirtschaftlichen, sozialen und politischen Lebens der EU und darüber hinaus.

Am Vortag des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen stand die Debatte ganz im Zeichen der inspirierenden und sehr persönlichen Rede von Frau Burke.

„Arbeiten Sie mit behinderten Menschen zusammen anstatt für sie! Nur so können wir etwas verändern. Ich bin so dankbar, dass ich hier vor Ihnen sprechen darf und dass Sie diese Debatte anstoßen. Dabei dürfen wir es allerdings nicht belassen. Es geht hier um eine Bewegung. Machen Sie mit!“, sagte Frau Burke auf der EWSA-Plenartagung in ihrer ersten Rede vor einer EU-Institution.

Gerade wurde sie mit einem Literaturpreis für ihr erstes Buch Break the Mould („Neue Wege gehen“) ausgezeichnet, in dem Kinder dazu ermutigt werden, Unterschiede zu akzeptieren und stolz darauf zu sein, so zu sein, wie sie sind. Als erste kleinwüchsige Person hat sie es auf die Titelseite der Vogue geschafft und durfte an der Met Gala teilnehmen. Mit ihrem Unternehmen „Tilting the Lens“ setzt sie sich für einen systemischen Wandel in der Wahrnehmung und Behandlung von Menschen mit Behinderungen in den Bereichen Bildung und Design ein.

Frau Burke wurde von EWSA-Präsidentin Christa Schweng begrüßt, die in ihrer Ansprache die Bedeutung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen hervorhob. Dieses bahnbrechende internationale Übereinkommen habe die Art und Weise, wie wir Behinderung wahrnehmen, grundlegend verändert.

„Leider ist die Lage nach wie vor schwierig, und es sind weitere Anstrengungen erforderlich“, sagte Frau Schweng.

Die Redner betonten während der Debatte die Bedeutung inklusiver Bildung und Beschäftigung, barrierefreier Arbeitsplätze und der Verwendung einer Sprache, mit der sich Menschen mit Behinderungen wohl und sicher fühlen. Zudem müssen Menschen mit Behinderungen in alle Entscheidungen eingebunden werden, die sie unmittelbar betreffen.

In der Debatte wurde ferner klar, welch verheerende Auswirkungen die Pandemie auf Menschen mit Behinderungen hat.

„Die EU-Strategie für Menschen mit Behinderungen für das nächste Jahrzehnt kann ihre Wirksamkeit nur dann entfalten, wenn die Folgen der Pandemie berücksichtigt werden und es gelingt, Einfluss auf die Politik und die Ausgaben der Mitgliedstaaten zu nehmen“, mahnte der Vorsitzende der thematischen Studiengruppe Rechte von Menschen mit Behinderungen des EWSA, Pietro Vittorio Barbieri.

Ioannis Vardakastanis, EWSA-Mitglied und Vorsitzender des Europäischen Behindertenforums, fügte hinzu, dass die Entscheidungsträger Menschen mit Behinderungen bisher vernachlässigt hätten, anstatt sie zu schützen und sie vorrangig zu behandeln.

„Auch das Leben von Menschen mit Behinderungen und ihre Gesundheit sind wichtig“, betonte er. (ll)