European Economic
and Social Committee
Existenzsichernde Löhne als Beitrag zur Beseitigung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles
von der Gruppe Arbeitnehmer
Am 10. November war der Equal Pay Day 2021 – eine Gelegenheit, die Menschen für das geschlechtsspezifische Lohngefälle zu sensibilisieren, das europaweit durchschnittlich über 14 % beträgt und in einigen Ländern noch deutlich höher ist. In einigen Fällen verbessert sich die Lage zwar tendenziell, in anderen sind jedoch bei dem aktuellen Tempo erst in einigen Tausend Jahren zufriedenstellende Ergebnisse zu erwarten...
Weiter verstärkt wird das Lohngefälle durch das Problem prekärer Beschäftigungsverhältnisse, von dem Frauen in der Regel stärker betroffen sind als Männer (in Europa sind 58 % aller Mindestlohnbezieher Frauen). Niedriglöhne sind für alle Beschäftigten problematisch, am härtesten treffen sie jedoch die besonders schutzbedürftigen Gesellschaftsgruppen. Eine wesentliche Lösung zur Beseitigung des Lohngefälles besteht darin, die Mindestlöhne in Europa zu erhöhen und existenzsichernde Löhne für alle zu gewährleisten.
Dem EGB zufolge würde durch eine Anhebung der Mindestlöhne auf 60 % der Medianlöhne und 50 % der Durchschnittslöhne das geschlechtsspezifische Lohngefälle in Rumänien um 25 %, in Griechenland um 19 %, in Polen um 12 %, in der Slowakei um 11 % und in Spanien und Luxemburg um 10 % verringert. Dies ist ein weiterer Grund, warum eine Stärkung der EU-Richtlinie über angemessene Mindestlöhne von grundlegender Bedeutung ist.
Wie der EWSA im März dieses Jahres betonte, müssen unbedingt angemessene Mindestlöhne gewährleistet und die Tarifverhandlungen gestärkt werden, um die Gesellschaft stabil und innovativ zu machen und das Wohlergehen zu fördern. Existenzsichernde Löhne sind jedoch auch wichtig, um Menschen aus der Armut zu befreien bzw. sie davor zu schützen sowie um die Arbeits- und Lebensbedingungen besonders schutzbedürftiger Menschen, zu denen leider immer noch die Frauen gehören, zu verbessern. Das Gefälle betrifft nicht nur die Löhne, sondern auch die Renten: Das Rentengefälle beträgt 30 %, was auf die erheblichen Unterschiede bei den im Zuge des Erwerbslebens eingezahlten Sozialversicherungsbeiträgen zurückzuführen ist. In einigen Fällen – wie etwa Malta – beträgt dieses Rentengefälle mehr als 42 %.
Die Zivilgesellschaft und die Sozialpartner müssen gemeinsam mit den europäischen Institutionen und den nationalen Regierungen weiterhin auf die Beseitigung dieses Gefälles drängen. Ihr Engagement ist ein wesentlicher Bestandteil einer umfassenderen Kampagne, um soziale Fairness und Gerechtigkeit zu gewährleisten und eine bessere Zukunft für Europa zu schaffen. (prp)