Wasser ist ein Menschenrecht und für alle Lebensbereiche von elementarer Bedeutung. Der Zugang zu Wasser wird in Europa seit langem als selbstverständlich betrachtet.

Die Welt steckt jedoch in einer Wasserkrise und Europa bildet dabei keine Ausnahme. Jüngste Berichte zeigen, dass die Europäische Union nicht auf dem richtigen Kurs ist, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung im Bereich Wasser erreichen zu können. Etwa 30 % der EU-Bevölkerung sind in der einen oder anderen Weise von Wasserstress betroffen. Im Sommer 2022 erlebte Europa die schwersten Dürren seit 500 Jahren. Der fehlende Zugang zu hochwertigen und erschwinglichen Diensten der Wasser- und Sanitärversorgung – als Wasserarmut bezeichnet – ist für Millionen von Bürgerinnen und Bürgern in der EU ein alltägliches Problem.  

Der EWSA ist der festen Überzeugung, dass der derzeitige Ansatz der EU bei der Wasserpolitik lückenhaft ist und nicht ausreicht, um die bestehenden Herausforderungen zu bewältigen. Es ist höchste Zeit für einen Paradigmenwechsel, wie er vor einigen Jahren bei der Klimapolitik vollzogen wurde. Daher hat der EWSA Wasser in diesem Jahr zu seinem bereichsübergreifenden Thema bestimmt und wird einen europäischen Blauen Deal, das heißt, eine umfassende Strategie fordern, um alle künftigen Herausforderungen im Bereich Wasser anzugehen. Wasser ist lebensnotwendig und kann daher nicht länger als eine der Säulen des europäischen Grünen Deals behandelt werden – hier braucht es eine eigenständige Politik.

Mehrere Fachgruppen des EWSA erarbeiten derzeit Initiativstellungnahmen, in denen die wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und geopolitischen Herausforderungen im Bereich Wasser beleuchtet werden. Der Ausschuss untersucht deren Folgen für die Landwirtschaft, die Industrie, die Infrastruktur und den nachhaltigen Verbrauch, betont, dass in der EU eine Vorausschau im Bereich Wasser sowie verlässliche Daten benötigt werden, und fordert eine angemessene Finanzierung.  

Nach Ansicht des Ausschusses muss Wasser besser in alle Politikbereiche der EU, einschließlich der europäischen Industriepolitik, einbezogen werden. Die EU hat zudem die Chance, sich in diesem Bereich als Vorreiter zu positionieren. Um den Wandel der Gesellschaft zu unterstützen, muss Europa bei wassereffizienten Technologien weltweit führend werden. Diese Technologien sind ein wichtiger Teil der Lösung für die gesamte Gesellschaft, sie sorgen für mehr Wassereffizienz und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und beim öffentlichen und privaten Wasserverbrauch und tragen zur Wettbewerbsfähigkeit der EU und zur Schaffung von Arbeitsplätzen bei.

Ziel des EWSA ist es, dass die Europäische Kommission Wasser in der nächsten Mandatsperiode zu einer ihrer Prioritäten macht. Am 26. Oktober wird der Ausschuss seine Forderung nach einem europäischen Blauen Deal publik machen und konkrete und gehaltvolle Vorschläge für eine neue europäische Wasserstrategie vorlegen.

Doch der Ausschuss kann dies nicht allein erreichen. Mit Blick auf eine ehrgeizige Wasserpolitik Europas arbeitet er eng mit wichtigen Interessenträgern und Einrichtungen zusammen. Er wird die Umsetzung seiner Vorschläge überwachen und dafür sorgen, dass in den kommenden Monaten und Jahren Folgemaßnahmen zu diesem Thema ergriffen werden, das sich unmittelbar auf das Leben aller Bürgerinnen und Bürger auswirkt. Ich lade Sie ein, sich uns anzuschließen und unsere Forderung nach einem europäischen Blauen Deal zu unterstützen.

Pietro Francesco de Lotto, Vorsitzender der Beratenden Kommission für den industriellen Wandel