von Johan Stind, Direktor von The Ocean Race Summits

„Warum will ein Veranstalter von Segelregatten wie The Ocean Race eigentlich bei neuen, verbesserten Maßnahmen gegen einige der drängendsten Probleme unseres blauen Planeten mithelfen?“ Diese Frage wird mir oft gestellt. Ich antworte dann, dass jeder tun muss, was er kann, um unseren Planeten gesund zu erhalten. Und wir kümmern uns eben um unseren Tummelplatz: den Ozean.

Wir haben einen Weltozean, aber die Art, wie er geschützt und geregelt wird, ist fragmentiert. Wenn man da noch die Auswirkungen des Klimawandels hinzunimmt, dann ist die Katastrophe für unsere Meeresumwelt quasi schon vorprogrammiert. Die Segler, die beim Ocean Race mitmachen, haben mehr von den Weltmeeren und der Verschlechterung ihres Zustands gesehen als die meisten Menschen auf der Erde. Wir brauchen dringend ein besseres System, in dessen Mittelpunkt die Zusammenarbeit steht.

Inspiriert von der bahnbrechenden Arbeit des EWSA „Für eine EU-Charta der Grundrechte der Natur“ wollen wir prüfen, ob der Ozean besser geschützt und bewirtschaftet werden kann, wenn er selbst gesetzlich verankerte Rechte erhält.

The Ocean Race ist die wohl härteste Belastungsprobe einer Mannschaft im Sport überhaupt. Wir können uns auf die Entschlossenheit von Weltumseglern stützen, um die Notwendigkeit einer besseren globalen Meerespolitik anzusprechen. Wir sind keine staatliche Stelle, keine NGO, keine akademische Einrichtung und kein kommerzielles Unternehmen. Wir sind ein Sportwettbewerb. Dies macht uns zu einer unabhängigen, weitreichenden Plattform, auf der wir Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft zu einem Dialog über Lösungen für den Ozean zusammenbringen können. Genau deshalb veranstalten wir The Ocean Race Summits.

Bisher gab es elf solcher „Gipfeltreffen“. Das letzte war gerade erst am 16. Juni und nahm Europa in den Fokus. Zu den Teilnehmern gehörten Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EWSA-Vizepräsident Cillian Lohan und Virginijus Sinkevičius, EU-Kommissar für Umwelt, Meere und Fischerei.

Bis September 2023 werden wir weitere acht Summits an herausragenden Orten auf allen Erdteilen abhalten. Sie werden globale Akteure aus Politik, Wissenschaft, Industrie, NGO, Medien und Sport sowie leidenschaftliche Ozean-Aktivisten zusammenbringen, um Lösungen und Bekenntnisse zur Bewältigung der Probleme unserer Meere zu fördern. Wir nutzen innovative Arbeitsmethoden, die den Schwung, die Kompetenz und die Kreativität aller Teilnehmer unserer Action Labs zur Geltung bringen. Diese Reihe hochrangiger Veranstaltungen wird in einen Katalog von Vorschlägen zur Verbesserung der globalen Meerespolitik auf der Grundlage von Ozeanrechten münden.

Neben den Summits betreibt The Ocean Race auch ein preisgekröntes Nachhaltigkeitsprogramm, denn wir sehen es als unsere Pflicht an, die Nachhaltigkeit in das Zentrum unserer Tätigkeiten zu stellen und künftigen Generationen ein gutes Erbe zu hinterlassen. Unser Lernprogramm vermittelt Kindern und Jugendlichen auf anschauliche Weise, was sie für den Ozean tun können. Die wissenschaftlichen Geräte auf teilnehmenden Booten liefern wertvolle Daten. An unseren Etappenzielen ist Wegwerfplastik verboten, achten wir auf nachhaltige Lebensmittel und verfolgen wir eine verantwortungsbewusste Strategie für Treibhausgasemissionen, bei der wir zu 100 % auf erneuerbare Energien setzen.

Wir wollen der ganzen Welt zeigen, dass es nicht nur möglich ist, ein weltumspannendes Sportereignis auf nachhaltige Weise durchzuführen, sondern dass es vielmehr unmöglich ist, nicht nachhaltig zu sein.

Der EWSA ist ein sehr geschätzter Partner für uns. Sie vertreten die organisierte Zivilgesellschaft in Europa und Sie reden mit, wenn die EU Entscheidungen trifft. Ihre Institution ist ziemlich genau das, was wir mit den Ocean Race Summits erreichen wollen: ein Treffpunkt für alle Kräfte, die zu einem gesünderen Ozean beitragen wollen und an dem alle Bereiche der Weltgesellschaft teilhaben. Ich hoffe, dass wir gemeinsam darauf aufbauen können, was wir beim Ocean Race Summit Europe geschafft haben, nämlich zusammenarbeiten, damit Staaten, Unternehmen, NGO und Institutionen Verpflichtungen zugunsten des Ozeans eingehen. Das globale Netzwerk von Unternehmen, Gewerkschaften, Organisationen des EWSA und seiner Mitglieder ist eine sehr wertvolle Hilfe auf dem Weg zu einem gesunden Ozean. Ihre Arbeit an der Charta der Grundrechte der Natur ist ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für unsere weitere gemeinsame Arbeit.

Wir sind dankbar für die Zusammenarbeit mit dem EWSA und freuen uns auf unsere weiteren gemeinsamen Schritte zur Verwirklichung weltweit anerkannter Natur- und Ozeanrechte.