European Economic
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Schutz der psychischen Gesundheit im Alter: was soziale Kontakte bewirken
Über ihr Netzwerk für soziales Engagement AgeWell bekämpft die irische Wohltätigkeitsstiftung Third Age Einsamkeit im Alter. Die selbst über 50jährigen Begleitpersonen von AgeWell, besuchen einmal wöchentlich ältere Menschen zu Hause und leisten ihnen nicht nur Gesellschaft, sondern achten über eine Smartphone-App mit Kontrollfunktionen auch auf deren Gesundheit und Wohlbefinden. Laut Alison Branigan von der Stiftung Third Age wurden bislang mehr als 500 Menschen in der irischen Grafschaft Meath unterstützt, von denen einige den Dienst als „Rettungsanker“ oder sogar als „Licht am Ende eines langen dunklen Tunnels“ bezeichneten.
Was war der Anstoß für Ihr Projekt?
Das Netzwerk AgeWell wurde in der Grafschaft Meath eingeführt, um die dort wachsende ältere Bevölkerung zu unterstützen, die besondere Bedürfnisse für soziale, emotionale, psychische und physische Betreuung hat. Unser Gesundheitswesen steht unter enormem Druck, unsere Bevölkerung wächst und altert, und es gibt lange Wartelisten für Dienstleistungen, einschließlich der häuslichen Betreuung. AgeWell bietet zeitgemäße und praktische Lösungen, die die bestehenden Gesundheitsdienste ergänzt und verbessert. Isolierte, einsame, gebrechliche, ans Haus gefesselte und gefährdete ältere Menschen werden unterstützt, damit sie besser und länger am Ort ihrer Wahl leben können. Dazu erhalten sie sozialen Anschluss, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden werden kontinuierlich überwacht und entstehende Probleme werden erkannt und angegangen, bevor sie akut werden. AgeWell entspricht dem Ethos unserer Organisation Third Age, die ältere Menschen direkt durch innovative Dienstleistungen und Programme unterstützt und einzigartige Möglichkeiten der Freiwilligentätigkeit schafft, in deren Rahmen ältere Menschen ihre Altersgenossinnen und -genossen und andere gesellschaftliche Gruppierungen unterstützen können.
Wie wurde Ihr Projekt aufgenommen? Haben Sie Rückmeldungen von den Menschen erhalten, denen Sie geholfen haben? (Können Sie uns gegebenenfalls ein Beispiel nennen?)
AgeWell hat bisher mehr als 500 ältere Menschen in der Grafschaft Meath unterstützt. Viele schätzen den sozialen Kontakt im Rahmen des Programms: sie haben zu ihren Begleitpersonen von AgeWell ein besonderes Vertrauensverhältnis aufgebaut, wodurch wir ihre Bedürfnisse und Ängste besser verstehen und sie somit besser unterstützen können.
Unsere Klientinnen und Klienten sagten uns beispielsweise: „Der Dienst ist meine Rettung“, „Ich wusste nicht, dass ich die Unterstützung brauche, bis ich sie bekam“, „Ich bin so dankbar für den Dienst und meine Begleitperson, sie ist jede Woche ein Lichtblick“, „Ich war sehr einsam, tagelang habe ich niemanden gesehen, ich freue mich wirklich auf meine Besuche“. Einem Kunden zufolge, der völlig verzweifelt war und schon mehrmals an Selbstmord gedacht hatte, kam „AgeWell genau zur richtigen Zeit – endlich sah ich Licht am Ende eines langen dunklen Tunnels“. Seiner Ansicht nach sollten alle Zugang zu diesem Dienst haben.
Unsere auch schon älteren, ehrenamtlichen Begleitpersonen meinten: „Ich liebe mein Ehrenamt“, „Es ist so schön, etwas zu bewirken“ und „Ich habe bei dieser Tätigkeit viel über die Menschen und mich selbst gelernt“.
Es ist statistisch belegbar, dass AgeWell das Wohlbefinden stärkt, die soziale, emotionale und informationstechnische Unterstützung verbessert, Isolation und Einsamkeit verringert, die Einschätzung der eigenen Gesundheit optimiert und die körperliche Aktivität erhöht.
Davon abgesehen geben Familienangehörige unserer Klientinnen und Klienten an, sich weniger Sorgen zu machen. Unsere Arbeit wird auch von Gesundheitsdienstleistern anerkannt, die ständig Personen direkt an uns verweisen.
Welchen Rat haben Sie für andere Organisationen, damit deren Arbeit und Programme ähnlich erfolgreich werden?
Sie sollten ihre Zielgruppe kennen, die Betroffenen in den Prozess einbeziehen und ein offenes Ohr für ihre Vorschläge und Bedürfnisse haben. Sie sollten ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten vertrauen sowie mutig, kreativ und beharrlich sein: eine gute Idee lässt sich auch umsetzen. Sie sollten offen für die Zusammenarbeit mit anderen sein und wissen, dass die Beteiligung öffentlicher Einrichtungen oder eines Gesundheitsdienstes in Form von Finanzmitteln und/oder Unterstützung/Werbung die Glaubwürdigkeit, die Wirkung und den Erfolg des Programms erheblich steigern kann.
Was ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Auslöser für die Verschlechterung der psychischen Gesundheit im Alter, abgesehen von physiologischen Faktoren? Können wir als Gesellschaft die psychische Gesundheit älterer Menschen verbessern?
Einsamkeit und Isolation haben schon immer zur Verschlechterung der psychischen Gesundheit im Alter beigetragen; das kann zwar im ländlichen Irland ein Problem sein, kommt aber genauso häufig in belebten Städten vor. In den letzten Jahren haben die Auswirkungen der Pandemie, die erzwungene Isolation, Abkapselung und Abschirmung sowie der Verlust sozialer Kontakte, des Zugangs zu Aktivitäten und der Freizügigkeit eine Welle von Besorgnis, Angst, Depressionen und psychischen Problemen ausgelöst. Nationale und weltweite Ereignisse, einschließlich der steigenden Lebenshaltungskosten, Kriegen und Konflikten, haben ebenfalls eine Rolle gespielt. Mit dem Alter schwindet der Freundes- und Bekanntenkreis der Menschen. Krankheiten können sie davon abhalten, auszugehen und zu reisen. Womöglich sind sie ans Haus gefesselt oder verlieren ihre Eigenständigkeit. All das kann die Wertschätzung, das Selbstwertgefühl, die Stimmung und die Zuversicht beeinträchtigen. Es ist wichtig, dass ältere Menschen nicht vergessen werden, nur weil sie vielleicht nicht sichtbar sind: wir müssen uns der Bedeutung von Gemeinschaft und sozialem Handeln bewusst sein. Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, was soziale Kontakte und soziale Medikation bewirken.