European Economic
and Social Committee
Das Haus der organisierten Zivilgesellschaft der EU ist wichtiger denn je
Liebe Leserinnen und Leser,
Mai ist traditionell der Monat, in dem wir die im europäischen Integrationsprozess erreichten Fortschritte bilanzieren und gleichzeitig den Blick auf die Zukunft richten.
Am Sonntag, den 9. Mai, feierten wir wie jedes Jahr den Europatag mit einer Fülle von Aktivitäten. Im zweiten Jahr in Folge veranstalteten wir den Tag der offenen Tür unserer Institution in rein digitaler Form. Dabei stellten wir den wertvollen Beitrag des EWSA zum EU-Beschlussfassungsverfahren heraus und zeigten auf, warum die Organisationen der Zivilgesellschaft gerade in diesen so schwierigen und herausfordernden Zeiten eine entscheidende und einzigartige Rolle in der EU spielen.
Der Europatag wird am Jahrestag der Schuman-Erklärung begangen, mit der vor 71 Jahren der Grundstein für die heutige Europäische Union gelegt wurde. Gefeiert werden an diesem Tag in erster Linie der Frieden und die Einheit in Europa. Außerdem bietet er uns nicht nur die Möglichkeit, uns als Teil einer Gemeinschaft und eines größeren Ganzen zu fühlen, sondern auch die Chance, darüber nachzudenken, was durch Solidarität bereits geschaffen wurde und was wir in Zukunft noch erreichen möchten. Eines dürfen wir nicht vergessen: Die größten Herausforderungen, denen wir als Gesellschaft gegenüberstehen, erfordern, dass wir gemeinsam und solidarisch vorgehen.
Der Europatag ist auch eine Gelegenheit, an die Heldinnen und Helden der Gegenwart zu denken: medizinisches Personal, Lehrkräfte, Sozialarbeiter, Reinigungspersonal und all diejenigen, die an der Bekämpfung der dramatischen Folgen der Pandemie beteiligt sind. Aber auch Verbände, Organisationen und nichtstaatliche Strukturen arbeiten täglich intensiv an vorderster Front, um das Leben der Menschen zu verbessern. Kurzum – wir denken an das ganze Spektrum der organisierten Zivilgesellschaft.
Wenn wir über zivilgesellschaftliche Organisationen sprechen, sprechen wir über uns, den EWSA: das Haus der organisierten Zivilgesellschaft der EU und die Einrichtung der Union, die all diesen Organisationen eine Stimme verleiht und ihnen eine direkte Mitsprache im europäischen Rechtsetzungsverfahren ermöglicht.
Wir schätzen deren Beitrag in besonderem Maße und zeichnen deshalb jedes Jahr herausragende zivilgesellschaftliche Initiativen mit unserem Preis der Zivilgesellschaft aus. Im Jahr 2021 hat der Preis das Schwerpunktthema „Klimaschutz“ und soll effektive, innovative und kreative Initiativen auszeichnen, die darauf abzielen, einen gerechten Übergang zu einer kohlenstoffarmen und klimaresistenten Wirtschaft zu fördern. Ich bitte alle Interessierten, sich mit den Bewerbungsbedingungen vertraut zu machen und die entsprechenden Unterlagen umgehend einzureichen. Anmeldefrist ist der 30. Juni 2021.
Am 9. Mai schauten wir auch nach vorn und trugen zur historisch bedeutsamen Eröffnung der Konferenz zur Zukunft Europas bei, auf der alle für unseren Kontinent wichtigen Ideen und Visionen zusammengetragen werden sollen. Die Konferenz ist von allergrößter Bedeutung, weil sie es den Menschen ermöglicht, durch eine Reihe von Bürgerdialogen ihre Meinung zu äußern und damit unsere gemeinsame europäische Zukunft zu gestalten.
Im Augenblick stehen die demokratischen Institutionen der Union vor einer zweifachen Herausforderung: Einerseits muss die Wirtschafts- und Gesundheitskrise bewältigt werden, andererseits muss die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger gewahrt bleiben. Vor diesem Hintergrund wurde angemahnt, dass die EU ihren Bürgerinnen und Bürgern nicht genügend Gehör schenkt: Dies zeigt, dass es notwendig ist, den Dialog zu verstärken und der Zivilgesellschaft in Europa einen größeren öffentlichen Raum zur Mitsprache zu geben.
Die Rolle unserer Institution war noch nie so ausschlaggebend: Wir alle wissen, dass die Anliegen der Zivilgesellschaft unbedingt artikuliert werden müssen, wenn die Schwierigkeiten, vor denen Europa heute steht, überwunden werden sollen. Die Konferenz zur Zukunft Europas ist deshalb für die Zivilgesellschaft die zentrale Gelegenheit, sich zu engagieren, sich Gehör zu verschaffen und so ihre Teilhabe zu verstärken. Denn genau darum geht es: um partizipative Demokratie. Beides geht Hand in Hand: Es gibt keine Demokratie ohne Partizipation und keine Partizipation ohne aktive Organisationen der Zivilgesellschaft.
Der Ausschuss hat eine Verantwortung und eine grundlegende Rolle bei der Festlegung und Pflege der Basis unserer Demokratien – im Zuge eines zivilen Dialogs, der so umfassend und partizipativ ist wie nur möglich. Durch unsere Strukturen, die praktischen Sach- und Fachkenntnisse unserer Mitglieder und unsere Rolle als Brücke zwischen den EU-Organen einerseits und den Interessenträgern an der Basis andererseits sind wir in der Lage, die besten Antworten auf die aktuellen gesellschaftlichen Fragen zu liefern.
Mehr denn je spielen zivilgesellschaftliche Organisationen eine Schlüsselrolle in Europa – von ihrem Einsatz für die Konjunkturerholung bis zu ihrem wesentlichen Beitrag zur Bewältigung alltäglicher Herausforderungen.
Der EWSA ist wichtig – mehr denn je!
Cillian Lohan
EWSA-Vizepräsident für Kommunikation