Am 9. Dezember vergab der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) Preise an fünf gemeinnützige Organisationen und Vereine, deren kreative und inspirierende Klimaprojekte einen gerechten und grünen Übergang zu einer kohlenstoffarmen und klimaresilienten Wirtschaft fördern.

Das Preisgeld in Höhe von 50 000 EUR wurde unter fünf preisgekrönten Projekten aufgeteilt. Der belgische Verein Grootouders voor het Klimaat konnte den ersten Preis in Höhe von 14 000 EUR in Empfang nehmen. Die vier anderen Vereine erhielten jeweils 9 000 EUR.

Sie wurden in folgender Reihenfolge gewürdigt: Der spanische Verein Associació Catalana Enginyeria Sense Fronteres, der rumänische Verein Ateliere Fără Frontiere, das slowenische Stadtplanungsbüro Prostorož und das Netzwerk der estnischen NGO Eesti Roheline Liikumine, Eestimaa Looduse Fond und Keskkonnaõiguse Keskus.

Bei der Preisverleihung im Internet und in Brüssel gratulierte EWSA-Präsidentin Christa Schweng den fünf Gewinnern und allen anderen Bewerbern: „Die zu einer Vielzahl klimabezogener Bereiche eingegangenen Projekte sind von hohem Wert und zeugen von großer Kreativität. Wir sind der festen Überzeugung, dass solche Projekte dazu beitragen werden, Klimaneutralität und einen gerechten Übergang zu erreichen. Als starker Befürworter des europäischen Grünen Deals ist der EWSA zutiefst davon überzeugt, dass die Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen im Mittelpunkt des ökologischen Wandels stehen müssen und dafür gesorgt werden muss, dass niemand zurückgelassen wird.“

EWSA-Vizepräsident Cillian Lohan fügte hinzu, dass es „zur Bewältigung des Klimawandels neben der aktiven Beteiligung aller Teile der Gesellschaft auch erforderlich ist, Konsultation und Top-down-Einbeziehung durch einen Ansatz des Ko-Designs, der Ko-Kreation und des eigenverantwortlichen Handels zu ersetzen. Positive Beispiele wie die Projekte unserer Preisträger zeigen, wie Ko-Design und Ko-Kreation aussehen. Auch binden sie Menschen und Organisationen ein. Dieser Ideenreichtum vermittelt uns die Hoffnung, dass der Kampf gegen den Klimawandel keinesfalls verloren ist.“

GEWINNER DES EWSA-PREISES DER ZIVILGESELLSCHAFT 2021
Der diesjährige Gewinner ist ein Verein von Großeltern aus der belgischen Region Flandern. Die Grootouders voor het Klimaat (Großeltern für das Klima) wollen ihren Enkeln eine bessere und nachhaltigere Welt hinterlassen. Mit ihrer Kampagne „Unsere Ersparnisse für ihre Zukunft“ ruft der Verein die ca. 2,4 Millionen belgischen Großeltern dazu auf, ihre Ersparnisse – schätzungsweise 910 Mrd. EUR – auf nachhaltigere Projekte umzulenken.

Außerdem werden der Finanzsektor und die Regierung mit der Kampagne zu nachhaltigen Investitionsentscheidungen und einem Übergang zu einem nachhaltigen Finanzwesen aufgerufen. Auch die Finanzkompetenz von Studierenden wird gefördert. Der Verein möchte die herausragende Rolle unterstreichen, die ältere Menschen für den Klimaschutz spielen können.

Bei der Annahme des Preises sagte der Sprecher von Grootouders voor het Klimaat, Guy De Koninck: „Es ist uns eine Ehre, diesen Preis zusammen mit vier weiteren fantastischen Projekten zu erhalten. Wir sind um den Planeten besorgt. Wir haben die Appelle der Jugend gehört und uns ihren Märschen für die Zukunft angeschlossen. Wenn Geld die Welt regiert, dann sind wir derzeit auf dem falschen Kurs. Ziel unserer Kampagne ist es, das Steuer herumzureißen. Das Geld, das wir haben, kann den Ausschlag geben! Das ist unsere Botschaft an die Regierungen, Banken und alle anderen Großeltern. Der Gewinn dieses Preises ist eine wichtige moralische und finanzielle Unterstützung für unsere Kampagne.“

Der zweite Preis ging nach Spanien an die Associació Catalana Enginyeria Sense Fronteres (Ingenieure ohne Grenzen Katalonien). In einer Zeit, in der 11 % der spanischen Haushalte mit Energiearmut zu kämpfen haben, setzt sich dieser katalanische Verein für Klimagerechtigkeit auf der Grundlage der Menschenrechte ein. Er bindet von Energiearmut Betroffene in die laufenden Debatten über den Klimanotstand ein und will benachteiligte Menschen in die Lage versetzen, ihr Grundrecht auf Zugang zu grundlegenden Versorgungsleistungen wahrzunehmen.

Der rumänische Verein Ateliere Fără Frontiere (Werkstatt ohne Grenzen) erhielt den dritten Preis. Mit seinem Projekt „Educlick“ bekämpft er soziale Ungerechtigkeit und schärft das Bewusstsein für die Vorteile der Kreislaufwirtschaft. Der Verein beschäftigt marginalisierte Menschen, die elektronische Altgeräte und Ausrüstung instand setzen. Diese Geräte werden an Schulen in benachteiligten Gebieten und an Organisationen gestiftet, die mit schutzbedürftigen Kindern arbeiten.

Auf den vierten Platz kam das slowenische Stadtplanungsbüro Prostorož, das die Bevölkerung der slowenischen Hauptstadt Ljubljana mobilisiert hat, um gegen die Auswirkungen des Klimawandels in ihrer Stadt – Ljubljana ist eine der sich am schnellsten erwärmenden Städte der Welt – vorzugehen. Für ihr Projekt „Hot Spots“ wurden die Menschen aufgerufen, die am stärksten erhitzten Orte der Stadt auf einer digitalen Karte zu verzeichnen. Dank der vielen Rückmeldungen ist klarer, was gegen Überhitzung getan werden muss.

Der fünfte Preisträger ist ein Netzwerk dreier estnischer NGO – Eesti Roheline Liikumine (Estnische Grüne Bewegung), Eestimaa Looduse Fond (Estnische Naturfonds) und Keskkonnaõiguse Keskus (Umweltrechtszentrum). Diese kämpfen gemeinsam für einen Wandel der Wahrnehmung erneuerbarer Energien in einem Land, das EU-weit einen der größten CO2-Fußabdrücke hat. Sie haben eine Plattform für den Dialog aller Interessenträger über die Energiewende im Nordosten Estlands geschaffen, wo die Ölschieferindustrie schrittweise eingestellt werden muss, was nicht auf große Begeisterung stößt.

ÜBER DEN EWSA-PREIS DER ZIVILGESELLSCHAFT 2021
Das diesjährige Thema „Klimaschutz“ weckte das Interesse von Dutzenden von Bewerbern aus 24 Ländern. Die eingereichten Projekte deckten ein breites Spektrum mit innovativen Ansätzen ab, die zivilgesellschaftliche Organisationen und einzelne Bürgerinnen und Bürger zur Bewältigung des Klimanotstands verfolgen.

Mit dem Preis wurde die zentrale Rolle hervorgehoben, die Initiativen an der Basis für das Erreichen der Klimaneutralität bis 2050 spielen, zu der sich die EU mit dem europäischen Grünen Deal verpflichtet hat. Der EWSA hofft, dass der Preis die Zivilgesellschaft darin bestärken wird, die lokale Wirtschaft umweltfreundlicher zu gestalten und weiterhin daran zu arbeiten, die Normen, Verhaltensweisen und Systeme, die uns an den Rand der Klimakatastrophe gebracht haben, zu verändern.

Der Preis der Zivilgesellschaft wird für "hervorragende Initiativen der Zivilgesellschaft" verliehen. Jedes Jahr steht bei der Auszeichnung ein anderer Aspekt der EWSA-Tätigkeiten im Vordergrund. 2019 wurde das Engagement für die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung der Rolle der Frau gewürdigt. 2020 verlieh der EWSA einmalig einen Sonderpreis der zivilgesellschaftlichen Solidarität, der der Bekämpfung von COVID-19 gewidmet war.

Weitere Einzelheiten zum Preis der Zivilgesellschaft 2021 finden Sie hier. (ll)