Einheitliche Rechte für Menschen mit Behinderungen

Nachstehend können Sie einige der wichtigsten Aussagen der Teilnehmer der Online-Pressekonferenz nachlesen, die das Pressereferat am 2. Dezember anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen 2020 veranstaltet hat.

Welche Erkenntnisse lassen sich für Menschen mit Behinderungen aus der seit fast einem Jahr andauernden Coronaviruskrise ziehen?

Dies ist nur eine von vielen Fragen. Lesen Sie hier, was unsere Gäste darüber denken.

Kurz gefasst

Sinéad Burke – Irische Verfechterin der Rechte von Menschen mit Behinderungen und Direktorin von Tilting the Lens: „Ich bin eine behinderte Frau, ich bin Pädagogin, Schriftstellerin und kämpfe für die Rechte von Menschen mit Behinderungen."

Ioannis Vardakastanis – EWSA-Mitglied und Aktivist für Menschen mit Behinderungen, Vorsitzender des Europäischen Behindertenforums: „Ich habe mein Leben dem unablässigen Kampf für die Rechte von Menschen mit Behinderungen gewidmet – von meinen Dorf bis in die ganze Welt."

Krzysztof Pater – EWSA-Mitglied und Verfasser des Berichts „Die praktische Ausübung des Wahlrechts durch Menschen mit Behinderungen bei der Europawahl“: "Seit 20 Jahren versuche ich Menschen mit Behinderungen zu unterstützen, Lösungen für sie zu finden und einen besseren Rechtsrahmen zu schaffen".

Pietro Vittorio Barbieri – Vorsitzender der Thematischen Studiengruppe des EWSA zum Thema „Rechte von Menschen mit Behinderungen“: „Dies ist keine gewöhnliche Zeit; wir erleben gerade eine Rückwärtsentwicklung von der Inklusion hin zur Ausgrenzung. Das größte Problem während der Pandemie ist die Isolation der Menschen.“

Gut zu wissen...

Wie optimistisch sehen Sie Ihre Bemühungen, Kinder zu ermutigen, Unterschiede zu akzeptieren und sich selbst zu mögen? Wie reagieren sie?

Sinéad Burke: „Ich habe die konkrete Hoffnung, dass die Zukunft besser wird. Wir sagen oft, dass Kinder keine Unterschiede machen, das glaube ich aber nicht. Kinder sehen die Unterschiede sehr wohl, und sie haben ein Bewusstsein für Identität. Kinder unterscheiden sich jedoch insofern von Erwachsenen, als sie mit Neugier reagieren. Ich würde Erwachsene bitten, darauf zu achten, wie Kinder reagieren. Akzeptanz und Neugier sind so wichtig. Erwachsene sollten sich von den Kindern abschauen, wie diese auf Behinderungen reagieren.

Was können wir tun, damit Menschen und insbesondere Telearbeiter mit Behinderungen in Nordirland hinsichtlich Menschenrechten und Arbeitsbedingungen nicht von der Republik Irland abgekoppelt werden?

Ioannis Vardakastanis: „Die Zusammenarbeit mit Behindertenorganisationen wird fortgesetzt und Themen, die Menschen mit Behinderungen betreffen, stehen ganz oben auf der Tagesordnung. Die Botschaft ist eindeutig. Die Einheitlichkeit der Rechte von Menschen mit Behinderungen muss von allen Regierungen geachtet werden. Sie dürfen nicht durch den Brexit oder andere politische Beschlüsse isoliert werden.

Pietro Vittorio Barbieri: „Durch das Brexit-Abkommen bis Ende 2020 wird die politische Agenda festgelegt.“

Sinéad Burke: „Auf dem Weg zum Brexit sollten wir uns nicht länger auf Gewinne und Handel konzentrieren, sondern den Schwerpunkt auf die Menschen verlagern. Insbesondere in der Pandemie kommt es darauf an, eine auf die Menschen ausgerichtete Politik zu entwerfen. Ich hoffe, wir werden auch weiterhin zusammenstehen und ausgegrenzte Menschen – oftmals sind dies Menschen mit Behinderungen – unterstützen“.

Krzysztof Pater: „Das Europäische Behindertenforum ist eine wunderbare Plattform. Bei der Erstellung des Berichts und vor den Wahlen zum Europäischen Parlament rechnete niemand mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU, aber es gibt dort eine Reihe von legislativen Lösungen, die von vielen EU-Organisationen berücksichtigt werden sollten.“

Was war Ihrer Meinung nach die größte Auswirkung der Pandemie auf Menschen mit Behinderungen, und welche Aspekte des täglichen Lebens waren am stärksten betroffen?

Krzysztof Pater: „Hier würde ich den fehlenden Kontakt mit Anderen nennen, der sich nicht nur auf die psychische Gesundheit, sondern auch auf das tägliche Leben der Menschen auswirkt (Unterstützung, Einkaufen, Rehabilitation). In den von den Regierungen während der Pandemie festgelegten Aktionsplänen wurden die Menschen in Langzeitpflegeeinrichtungen vergessen.“

Pietro Vittorio Barbieri: „Am stärksten betroffen waren Menschen in Pflegeheimen, die sich isoliert fühlten. Ältere Menschen wurden im Stich gelassen.“

Sinéad Burke: „In der Pandemie wurde bewertet, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Menschen eine Behandlung überleben würden. Ältere oder behinderte Menschen hatten geringere Chancen, eine Behandlung zu bekommen. Sind manche Leben mehr wert als andere? Ich denke, dass wir die Umgestaltungen, die wir gerade vornehmen, um soziale Distanzierung zu ermöglichen, nutzen sollten, um neue Grundlagen zu schaffen und darüber nachzudenken, wie die Welt aussehen sollte, wobei Menschen mit Behinderungen im Mittelpunkt dieser Entwicklung stehen sollten“.

Ioannis Vardakastanis: „In Anlehnung an den Wahlspruch der #BlackLivesMatter-Bewegung lässt sich sagen, dass auch das Leben von Menschen mit Behinderungen zählt. In der Pandemie kommt es zu Ausgrenzung, finanziellen Problemen in Bezug auf Gesundheitsausgaben, Diskriminierung und Ungleichheiten im Gesundheitssystem. ‚Nichts über uns ohne uns' muss der Leitgedanke für die Änderung der Politik und der Systeme sein, damit das Leben von Menschen mit Behinderungen tatsächlich zählt.“ (at)