EWSA: HIV-Prävention, Versorgungskontinuität und Beseitigung von Diskriminierung nach wie vor unerlässlich, um die anhaltende globale Gesundheitskrise zu bewältigen

Der Europäische Wirtschaft- und Sozialausschuss (EWSA) unterstützt die Bemühungen des spanischen EU-Ratsvorsitzes, das Ziel, die mit HIV verbundene Stigmatisierung und Diskriminierung bis 2030 zu beseitigen, ganz oben auf die Tagesordnung der EU zu setzen.

In einer auf seiner Juni-Plenartagung verabschiedeten Stellungnahme teilt der EWSA die Auffassung, dass die EU-Organe eine hochrangige Erklärung zur Beseitigung der mit HIV verbundenen Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit HIV veröffentlichen und dem Europäischen Parlament am 1. Dezember 2023 vorlegen sollten.

Der EWSA fordert überdies ein ehrgeizigeres neues Ziel für die Prävention und die Eindämmung der Ausbreitung von HIV-Infektionen, nämlich eine Versorgung von 95 % für Testung, Therapie und virologische Suppression in allen Mitgliedstaaten.

„Nachdem über ein Jahrzehnt lang wenig passiert ist, versuchen wir jetzt, die Lage bezüglich HIV zu erfassen. Dieses Thema wurde zu lange vernachlässigt“, erklärte der Berichterstatter der Stellungnahme Pietro Barbieri. „Wir brauchen das größtmögliche Engagement, wir müssen mit den Gemeinschaften, Ärzten, Schulen und am Arbeitsplatz zusammenarbeiten.“

Am Arbeitsplatz müssen Menschen mit HIV gleiche Chancen haben, etwa durch flexible Arbeitszeiten und Anspruch auf längere Freistellungen für Arztbesuche. Zur Bekämpfung von Stigmatisierung und Diskriminierung brauchen wir Maßnahmen zur Sensibilisierung, Schulung und Information in Schulen, Organisationen der Zivilgesellschaft und Jugendorganisationen.

„Auch wenn die Zahl der HIV-Diagnosen rückläufig ist, müssen wir weiterhin Vorsicht walten lassen. Eine frühzeitige Diagnose der HIV-Infektion, der rasche Beginn der Therapie und eine durchgehende Versorgung sind wesentliche Elemente, um die Ausbreitung der Infektion eindämmen zu können“, so Ko-Berichterstatterin Nicoletta Merlo.

HIV ist nach wie vor und auf der ganzen Welt eine große Gefahr für die öffentliche Gesundheit, von der über 36 Millionen Menschen weltweit betroffen sind. 2,3 Millionen Betroffene leben in der WHO-Region Europa. Der östliche Teil Europas ist besonders betroffen: Die Ukraine ist das Land mit der zweitgrößten AIDS-Epidemie in der Region Osteuropa/Zentralasien.

HIV-gefährdet sind in erster Linie Randgruppen der Gesellschaft, etwa Drogenabhängige, Männer, die Sex mit anderen Männern haben, Transgender, Migrantinnen und Migranten sowie Inhaftierte. Aufgrund von Stigmatisierung und Angst scheuen sich diese Menschen davor, Dienste wie HIV-Tests in Anspruch zu nehmen, wodurch sich die Diagnose verzögert – über 50 % der Betroffenen befinden sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium, wenn die Infektion festgestellt wird. Die Folge sind ein höheres Übertragungsrisiko und mehr – durchaus vermeidbare – Todesfälle, insbesondere dort, wo es an passenden AIDS-Therapien mangelt.

Umfassende Strategien, die Behandlung und Prävention sowie innovative Testmethoden wie Schnell- und Selbsttests umfassen, sind für die Bekämpfung der Epidemie von entscheidender Bedeutung. (ll)