Ein Jahr nach Beginn der neuen Mandatsperiode des EWSA: Zeit für eine erste Bilanz

Wir erinnern uns alle an den ersten Tag der neuen Mandatsperiode: es war der 28. Oktober 2020 mitten in der Pandemie, und die Plenartagung musste online stattfinden. Alles war so unwirklich... die Zukunft schien ungewiss... niemand wusste, wann und in welcher Form es einen Impfstoff geben würde. Und dennoch kamen wir mit unserer Arbeit in Gang.

Die Pandemie führte zu einer globalen Gesundheitskrise, die Millionen von Menschen das Leben kostete, und zu einer weltweiten Wirtschaftskrise, die wir zu überwinden suchen. In dieser dramatischen Zeit brachte die Europäische Union die Kraft und Entschlossenheit auf, äußerst schnell beispiellose Maßnahmen zu ergreifen. Unsere nationalen Gesundheitsdienste erhielten durch die Bereitstellung von medizinischer und Schutzausrüstung sowie die im Hinblick auf Impfstoffe ergriffenen Maßnahmen Unterstützung. Die EU hat wirtschaftliche und finanzielle Sofortmaßnahmen ergriffen und Finanzmittel in Rekordhöhe bereitgestellt, darunter das Instrument zur Minderung von Arbeitslosigkeitsrisiken SURE und der Aufbauplan für Europa NextGenerationEU.

Darüber hinaus sind die durch den Klimawandel geprägten Phänomene im letzten Jahr merklich angestiegen: Brände in Frankreich, Italien und Griechenland, Überschwemmungen in Belgien, den Niederlanden und Deutschland sowie die Gletscherschmelze in Grönland. Die Umwelt ist wie der menschliche Körper: Sie sendet eindeutige Signale zu ihrem Gesundheitszustand. Inzwischen ist die Gesellschaft wesentlich problembewusster, und junge Menschen sind wichtige Akteure in diesem Kampf. Mit der Bewegung „Fridays for Future“ fordern sie von der Politik konkretes und rechtzeitiges Handeln, um die Zukunft der Erde zu sichern. Die Europäische Kommission hat ihrer Umweltpolitik mit dem Grünen Deal neuen Schwung verliehen: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Die letzten Monate waren durch den Beginn der Konferenz zur Zukunft Europas geprägt: Dies ist eine außerordentliche Gelegenheit für die Bürgerinnen und Bürger, sich zur Gestaltung der Europäischen Union zu äußern.

Der EWSA hat sich intensiv mit diesen Themen befasst. Er hat Stellungnahmen und Erklärungen zur Gesundheitsunion, zu NextGenerationEU, zum Grünen Deal und zur europäischen Säule sozialer Rechte erarbeitet und den Organen übermittelt. Bürgerinnen und Bürger, Arbeitnehmer, Unternehmer und die organisierte Zivilgesellschaft als Ganzes haben eine Stimme, und diese Stimme muss gehört werden.

Im September lud Präsidentin von der Leyen anlässlich ihrer Rede zur Lage der Union die italienische Paralympics-Goldmedaillen-Gewinnerin Bebe Vio ein: eine junge Frau, die seit ihrer Kindheit gegen alle möglichen Widrigkeiten gekämpft und diese überwunden hat. Ihre Worte sollten uns allen, insbesondere den jüngeren Generationen, ein Ansporn zum Aufbau einer Europäischen Union der Solidarität und Vielfalt sein: „Selbst wenn etwas unmöglich scheint, ist es zu schaffen.“

Giulia Barbucci, Vizepräsidentin des EWSA