Am 20. März veranstaltete der EWSA in Verbindung mit seiner Jugendplenartagung „Your Europe, Your Say!“ (YEYS) eine virtuelle Nebenveranstaltung zur Gestaltung des systemischen Wandels („Designing Systemic Change“), bei der verschiedene Experten, Aktivisten und Influencer zu Wort kamen und ihr Wissen und ihren Sachverstand zum Klimaschutz unter dem Gesichtspunkt des systemischen Wandels einbrachten.

Cillian Lohan, EWSA-Vizepräsident für Kommunikation und Moderator der Veranstaltung, erklärte bei der Einführung: „Der Klimawandel ist ein immer akuteres Problem, gegen das wir uns als Einzelne ziemlich machtlos fühlen; was wir brauchen, ist ein grundlegender Wandel unserer Kultur, unseres Verhaltens und unserer Werte.“

Die Veranstaltung bestand aus vier Diskussionsrunden, bei denen jeweils der zur Bewältigung des Klimawandels notwendige systemische Wandel im Mittelpunkt stand.

Die erste Diskussionsrunde wurde mit einer Videobotschaft von Virginijus Sinkevičius, EU-Kommissar für Umwelt, Meere und Fischerei, eröffnet, in der er deutlich machte, dass ein übergreifender Ansatz erforderlich ist: „Klimawandel, Verlust an Artenvielfalt, Ressourcenverknappung und Umweltverschmutzung sind miteinander zusammenhängende Probleme, die wir gemeinsam angehen müssen. Die Antwort der Europäischen Kommission ist der Grüne Deal, aber auch die Bürgerinnen und Bürger sind gefragt, denn wir brauchen neue Ideen, die am System ansetzen müssen.“

Klimaaktivistin Josephine Becker sprach das Konzept der Klimagerechtigkeit an: „Europa ist mit an der Klimakrise schuld, deswegen stehen wir in der Pflicht, zu handeln.“

In der zweiten Diskussionsrunde beschrieb Corina Angheloiu, Senior Design Strategist bei der internationalen gemeinnützigen Organisation „Forum for the Future“, wie ein systemischer Wandel ihrer Meinung nach am besten angestoßen werden kann: „Der wichtigste Ansatzpunkt für die Einleitung eines systemischen Wandels sind Werte; bei den derzeitigen Wirtschaftssystemen steht die Effizienz im Vordergrund; wenn wir aber Gerechtigkeit zum Dreh- und Angelpunkt des Systems machen würden, hätte das spürbare Folgen.“

Nisreen Elsaim, Vorsitzende der Jugendberatergruppe der Vereinten Nationen zum Klimawandel, betonte in ihrer Botschaft: „Die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Systeme tragen nicht zu unseren Zielen bei und schädigen die Umwelt. Ergebnisorientiertes Management funktioniert nicht.“

Lewis Akenji, Geschäftsführer des Hot or Cool Institute, erläuterte in der dritten Diskussionsrunde, wie die Lebensgewohnheiten der Menschen und ihre Entscheidungen in puncto Verkehrsmittel, Arbeit, Lebensmittel usw. durch die derzeitigen Systeme beeinflusst werden: „Wir tragen zur Verschärfung der Ungleichheiten bei und konsumieren zu viel; die aktuellen Wirtschafts- und Politiksysteme machen uns nicht glücklich.“

Die Klimaaktivistin Saoi O'Connor ging auf die Rolle der Entscheidungsträger ein: „Führungsspitzen und Politiker sprechen über Zahlen und Strategien, aber die Lebensrealität der Menschen scheinen sie außer Acht zu lassen.“

In der letzten Diskussionsrunde wurden konkrete Beispiele für Initiativen zugunsten eines systemischen Wandels aufgezeigt. Christian Kroll, Geschäftsführer und Gründer der Internet-Suchmaschine Ecosia, erläuterte, dass alle Gewinne des Unternehmens in verschiedene Baumpflanzprojekte fließen, die lokalen Gemeinschaften weltweit zugutekommen.

Die Slow-Fashion-Aktivistin und Influencerin Juliet Bonhomme verwies auf die Macht, die die Verbraucher durch ihre Kaufentscheidungen ausüben können: „Unser Geld ist unsere Macht.“

Die Veranstaltung wurde auf Facebook von über 100 Menschen aus ganz Europa verfolgt, die außerdem die Möglichkeit hatten, den systemischen Wandel durch Kunst zu erleben: Die beiden Künstler Sophie Ong und Tibor Miklos präsentierten direkt im Anschluss an die Veranstaltung ihre durch die Debatten inspirierten Werke. (dgf)