Liebe Leserinnen und Leser!

In diesem Monat feiern wir wie jedes Jahr den Internationalen Frauentag. Doch auch dieses Jahr ruft uns der 8. März leider wieder einmal ins Gedächtnis, wie viel noch zu tun ist, damit Frauen uneingeschränkt an der Gesellschaft teilhaben können.

Der Frauenanteil in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsgremien ist immer noch viel zu gering, die Erwerbsquote von Frauen ist niedriger und Frauen verdienen weniger als Männer.

Zudem zeigt sich in der derzeitigen Pandemie wie schon in der weltweiten Wirtschaftskrise, dass Frauen und junge Menschen den höchsten Preis zu zahlen haben und viele der in den vergangenen Jahrzehnten oftmals hart erkämpften Errungenschaften zunichtegemacht werden könnten. Schließlich tragen Frauen auch noch die Hauptlast der unbezahlten Haus- und Betreuungsarbeit, und das erzwungene Zusammenleben in Zeiten des Lockdowns führt häufig zu einer Zunahme geschlechtsspezifischer Gewalt.

Daher muss die immer noch bestehende Ungleichheit und Diskriminierung dringend und entschieden angegangen werden. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren und müssen dafür sorgen, dass die geschlechtsspezifische Dimension durch spezifische Maßnahmen in allen Politikbereichen berücksichtigt wird.

Die Europäische Kommission – bzw. ihre erste Präsidentin Ursula von der Leyen – hat versprochen, die Gleichstellung von Frauen und Männern unverzüglich anzugehen und Maßnahmen zur Beseitigung des geschlechtsspezifischen Gefälles auf dem Arbeitsmarkt, beim Verdienst, in Führungspositionen in Unternehmen und in der Politik zu ergreifen. Der am 4. März vorgelegte Vorschlag für eine Richtlinie über Lohntransparenz ist somit ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Vor allem brauchen wir einen Kulturwandel, um Geschlechterstereotype zu durchbrechen und vollständige Gleichberechtigung zu erreichen. Der EWSA wird sich in diesem Sinne engagieren und durch seine Stellungnahmen zur Verbesserung der Lage beitragen, um sowohl bei den EU-Organen als auch bei den Organisationen seiner Mitglieder einen entsprechenden Wandel anzustoßen. Wir alle müssen uns engagieren. Männer und Frauen müssen gemeinsam für eine wirklich gleichberechtigte Gesellschaft kämpfen, so dass wir unseren Kindern eine bessere Welt hinterlassen können.


Giulia Barbucci

EWSA-Vizepräsidentin, zuständig für den Haushalt