António Costa, der neue Präsident des Europäischen Rates, erläuterte bei seinem ersten Besuch im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) seine wichtigsten Prioritäten für die EU. In seinen Augen ist Wettbewerbsfähigkeit die Grundlage für den Wohlstand Europas. Sie müsse aber mit sozialen Rechten einhergehen, damit eine nachhaltige Zukunft gestaltet werden kann. EWSA-Präsident Oliver Röpke bekräftigte dies und betonte: „Von der Wettbewerbsfähigkeit müssen viele Menschen und nicht nur einige wenige profitieren.“

António Costa, der neue Präsident des Europäischen Rates, erläuterte bei seinem ersten Besuch im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) seine wichtigsten Prioritäten für die EU. In seinen Augen ist Wettbewerbsfähigkeit die Grundlage für den Wohlstand Europas. Sie müsse aber mit sozialen Rechten einhergehen, damit eine nachhaltige Zukunft gestaltet werden kann. EWSA-Präsident Oliver Röpke bekräftigte dies und betonte: „Von der Wettbewerbsfähigkeit müssen viele Menschen und nicht nur einige wenige profitieren.“

Auf der EWSA-Plenartagung, nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt am 1. Dezember, sprach sich António Costa dafür aus, umgehend gemeinsam tätig zu werden. „Wir sind auf einem guten Weg. Wir haben eine Diagnose gestellt und ehrgeizige Vorschläge vorgelegt, jetzt aber müssen wir politischen Willen zeigen. Richten wir unser Augenmerk auf Wachstum, Arbeitsplätze und ein soziales Europa, damit die heutige junge Generation im Rückblick sagen kann: Dies war der Augenblick, in dem wir unseren Wohlstand gesichert haben.“

Wettbewerbsfähigkeit und zielgerichtete Reformen stehen im Mittelpunkt der Agenda von António Costa. Er schlug vor, den Binnenmarkt zu erneuern, unnötige Vorschriften abzubauen und in Kompetenzen und Innovation zu investieren, um die europäische Wirtschaft zu stärken. „Wir brauchen starke Unternehmen – nicht weil sie billiger sind, sondern weil sie mit Ideen und qualifizierten Arbeitskräften Innovationen schaffen.“ Zudem forderte António Costa leistungsorientierte Reformen nach dem Vorbild von NextGenerationEU: „Dies ist die logische Konsequenz für die Zukunft.“ Er rief die Mitgliedstaaten dazu auf, beim nächsten Haushalt der EU Offenheit zu zeigen.

„Bei der Wettbewerbsfähigkeit geht es nicht nur um wirtschaftliche Ziele, sondern auch darum, Chancen für alle Europäerinnen und Europäer zu schaffen und die Resilienz zu stärken“, erklärte Oliver Röpke. „Wirtschaftswachstum muss Hand in Hand mit sozialem Fortschritt gehen, damit niemand zurückgelassen wird.“

António Costa würdigte die Rolle des EWSA bei der Förderung des sozialen Dialogs und bezeichnete ihn als „europäisches Modell“ für die Kommunikation mit der Öffentlichkeit. „Der soziale Dialog hilft uns dabei, durch steten Austausch zwischen den verschiedenen Vertretern in unseren Gesellschaften nachhaltige Lösungen zu finden. Dies hat insbesondere jetzt entscheidende Bedeutung.“

In der Plenardebatte wurden zentrale Anliegen wie Wohnraum, Migration und Energiekosten angesprochen, die sich mit den Prioritäten von António Costa decken. Oliver Röpke betonte, dass praktische Lösungen gebraucht werden, und hob dabei Investitionen in Bildung, Umschulung, erschwinglichen Wohnraum und den ökologischen Wandel hervor. „Der EWSA setzt sich entschlossen dafür ein, der Stimme der Zivilgesellschaft bei der Gestaltung eines inklusiven und widerstandsfähigen Europas, das auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet ist, Gehör zu verschaffen.“ (gb)

In dieser Ausgabe

  • Unterstützung sozialwirtschaftlicher Unternehmen im Einklang mit den Vorschriften über staatliche Beihilfen, von Guiseppe Guerini
  • Vorführung des belarussischen Films „Unter dem Grey Sky“ im EWSA – Interview mit der Regisseurin Mara Tamkowitsch
  • Das neue Migrations- und Asylpaket – eine mögliche Bewährungsprobe für Europa, von Camille le Coz, MPI Europe
  • Anonyme Gräber an den Außengrenzen Europas, von Barbara Matejčić
  • Syrische Flüchtlinge:

    – Ansatz der EU für Rückführungen nach Syrien – eine Zäsur in der EU-Migrationspolitik, von Alberto-Horst Neidhardt, European Policy Centre

    – EU-Mitgliedstaaten dürfen syrische Flüchtlinge angesichts der instabilen Lage in ihrer Heimat nicht zur Rückkehr zwingen, von Jean-Nicolas Beuze, UNHCR

Beschluss über die Auslegung und Anwendung des Vertrags über die Energiecharta

Document Type
AC

Demokratie in Afrika aktuelle Lage und Aussichten für die Zukunft

Document Type
AC

Geänderter Vorschlag Forstliches Vermehrungsgut

Document Type
AC
verabschiedet on 04/12/2024 - Bureau decision date: 15/02/2024
Referenz
TEN/841-EESC-2024
Workers - GR II
Austria
Civil Society Organisations - GR III
Austria
Plenary session number
592
-
  • TEN/841 _Record of proceedings
  • Follow-up from the Commission TEN/841

In dieser Ausgabe

  • Andrej Gniot: Staatsfeind – Verfolgung von Journalisten in Belarus
  • EWSA-Delegation auf der COP 16 und der COP 29: Wir zerstören unsere eigene Lebensgrundlage
  • Adélaïde Charlier: Um Milliarden betrogen: COP 29 ist ein Misserfolg für die Klimagerechtigkeit
  • Luz Haro Guanga: Beim Kampf um einen gesunden Planeten geht es um Leben und Tod
  • Mariya Mincheva: Die Kosten der Nichtanwendung des Schengen-Besitzstands für den Binnenmarkt sind nicht nur Bulgarien und Rumänien hoch, auch der EU-Binnenmarkt zahlt einen hohen Preis
     

 

In dieser Ausgabe

  • Andrej Gniot: Staatsfeind – Verfolgung von Journalisten in Belarus
  • EWSA-Delegation auf der COP 16 und der COP 29: Wir zerstören unsere eigene Lebensgrundlage
  • Adélaïde Charlier: Um Milliarden betrogen: COP 29 ist ein Misserfolg für die Klimagerechtigkeit
  • Luz Haro Guanga: Beim Kampf um einen gesunden Planeten geht es um Leben und Tod
  • Mariya Mincheva: Die Kosten der Nichtanwendung des Schengen-Besitzstands für den Binnenmarkt sind nicht nur Bulgarien und Rumänien hoch, auch der EU-Binnenmarkt zahlt einen hohen Preis
     

Im Jahr 2021 gewann der belgische Verein Grootouders voor het klimaat („Großeltern für das Klima“) mit seiner Kampagne „Unsere Ersparnisse für ihre Zukunft“ den EWSA-Preis der Zivilgesellschaft im Bereich der Klimapolitik. Im Rahmen dieser Kampagne wurden rund 2,4 Millionen belgische Großeltern dazu aufgerufen, ihre Ersparnisse – die auf rund 910 Mrd. EUR geschätzt wurden – in nachhaltigere Projekte zu investieren. EWSA info sprach mit Grootouders voor het klimaat über den heutigen Stand in Sachen Klima und nachhaltige Geldanlagen sowie über die Erwartungen und Pläne für die Zukunft.

Im Jahr 2021 gewann der belgische Verein Grootouders voor het klimaat („Großeltern für das Klima“) mit seiner Kampagne „Unsere Ersparnisse für ihre Zukunft“ den EWSA-Preis der Zivilgesellschaft im Bereich der Klimapolitik. Im Rahmen dieser Kampagne wurden rund 2,4 Millionen belgische Großeltern dazu aufgerufen, ihre Ersparnisse – die auf rund 910 Mrd. EUR geschätzt wurden – in nachhaltigere Projekte zu investieren. EWSA info sprach mit Grootouders voor het klimaat über den heutigen Stand in Sachen Klima und nachhaltige Geldanlagen sowie über die Erwartungen und Pläne für die Zukunft.

Gibt es nach drei Jahren konkrete Ergebnisse Ihrer Kampagne? Wie beurteilen Sie insgesamt den Stand der Klima- und Nachhaltigkeitsfinanzierung in Belgien – gibt es Fortschritte und wächst das Bewusstsein der Menschen für ihre Bedeutung?

Der EWSA-Preis war für uns sehr wichtig, als Anerkennung und auch als Unterstützung. Bei unseren Kontakten mit der Regierung, anderen Organisationen und unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern haben wir oft auf diese Auszeichnung verwiesen. Er hat uns dabei geholfen, uns stärker zu vernetzen und unsere Kampagne sowohl für die Großeltern als auch für die jüngeren Generationen weiterzuentwickeln, mit Präsentationen, Workshops und einer Reihe von Vorträgen über nachhaltige Geldanlagen.

Wir haben festgestellt, dass dies kein einfaches Thema ist. Anderseits hat die EU große gesetzgeberische Anstrengungen unternommen (Taxonomie, Grüner Deal, Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen, Sorgfaltspflicht von Unternehmen im Hinblick auf Nachhaltigkeit usw.), wodurch nun auch Unternehmen und diverse Branchen zunehmend Initiativen ergreifen, auf die wir verweisen können. Das gibt nicht nur Hoffnung, sondern ist auch notwendig, wie die – fehlenden – Ergebnisse der COP in Baku leider wieder einmal gezeigt haben.

Aus einer aktuellen Studie geht hervor, dass unsere Sensibilisierungsarbeit nach wie vor dringend erforderlich ist. Nur 5-15 % der Anleger machen von ihrem Recht Gebrauch, ihre Finanzinstitute aufzufordern, ihre Präferenz für Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. Hier müssen wir also dranbleiben.

Was erwarten Sie von der COP 29? Nehmen Sie an der Konferenz teil, wenn nicht direkt, so doch dadurch, dass Sie den 12-jährigen Ferre und seine Großeltern unterstützen? Denken Sie, dass die Klimafinanzierung ein entscheidender Faktor für einen gerechten Übergang ist?

Während wir dies schreiben, ist die COP 29 schon wieder vorbei. Von Beginn an haben wir die Reise des 12-jährigen Ferre und seiner Großeltern, die bei Grootouders voor het klimaat mitmachen, nach Baku umfassend finanziell und kommunikationstechnisch unterstützt, um auch den Kindern eine Stimme zu geben. Wir danken auch allen anderen Großeltern und den Behörden, die dies ermöglicht haben.

Die COP 29 sollte die COP der Klimafinanzierung sein, da es für den gerechten Übergang in der Tat auf die Finanzierung ankommt. In Baku wurde leider deutlich, wie unzureichend diese Finanzierung noch ist. Unsere Botschaft ist nach wie vor, dass das Geld vorhanden ist, und wir rufen diejenigen auf, die über Geld verfügen, Verantwortung zu übernehmen und es nachhaltig für die Zukunft unserer Enkelkinder einzusetzen.

Was sind die aktuellen Projekte von Grootouders voor het klimaat? Planen Sie bereits neue Projekte?

Wir blicken auch weiterhin hoffnungsvoll in die Zukunft. Zehn Jahre nach dem Übereinkommen von Paris wird 2025 für Grootouders voor het klimaat das Jahr, in dem wir verstärkt auf die Großeltern im Land zugehen werden, die Mitglieder in den großen Seniorenorganisationen in Flandern sind. Wir stecken gerade mitten in den Vorbereitungen, und mehrere Dutzend „Großeltern für das Klima“ werden darin geschult, sich in Gesprächen vertrauensvoll, mit ausgestreckter Hand und mit einem offenen Ohr für das Klima einzusetzen.

Wir haben mehrere Workshops entwickelt, darunter einen zu der Frage, wie nachhaltiges Sparen und Investieren aussehen kann. Diese Workshops bieten wir allen lokalen Abteilungen der Seniorenorganisationen kostenlos an. Wir stellen fest, dass die Begeisterung hierfür groß ist. Ende November 2025 organisieren wir eine große Abschlussveranstaltung, die – so hoffen wir – nicht der Abschluss, sondern vielmehr der Beginn eines wachsenden Einsatzes für die Zukunft sein wird.

Hugo Van Dienderen ist Mitbegründer und Ko-Vorsitzender von Grootouders voor het klimaat. Diese 2019 gegründete Organisation ist eine unabhängige Bewegung von Senioren, insbesondere Großmütter und Großväter, die künftigen Generationen eine lebenswerte Welt hinterlassen wollen.

Im Bild: Ferre mit seinen Großeltern für das Klima auf der COP 29 in Baku. Ferre hatte die Gelegenheit, vielen wichtigen Teilnehmern gegenüber seine Besorgnis über die Klimakrise zum Ausdruck zu bringen.

Sind nachhaltige Investitionen ein Beitrag zu einer besseren Welt? Das Finanzwesen durchläuft angesichts der ökologischen und sozialen Herausforderungen einen bemerkenswerten Wandel. Dr. Brigitte Bernard-Rau von der Universität Hamburg untersucht die neue und starke Investitionsstrategie des Impact Investment. Die Strategie steht für einen grundlegenden Wandel im Umgang mit der Frage, welche Rolle Kapital und Finanzen in der Gesellschaft zukommen soll. Sie stellt die traditionelle Vorstellung infrage, dass Investoren sich zwischen Rendite und gesellschaftlicher Wirkung entscheiden müssen. 

Sind nachhaltige Investitionen ein Beitrag zu einer besseren Welt? Das Finanzwesen durchläuft angesichts der ökologischen und sozialen Herausforderungen einen bemerkenswerten Wandel. Dr. Brigitte Bernard-Rau von der Universität Hamburg untersucht die neue und starke Investitionsstrategie des Impact Investment. Die Strategie steht für einen grundlegenden Wandel im Umgang mit der Frage, welche Rolle Kapital und Finanzen in der Gesellschaft zukommen soll. Sie stellt die traditionelle Vorstellung infrage, dass Investoren sich zwischen Rendite und gesellschaftlicher Wirkung entscheiden müssen.

von Brigitte Bernard-Rau

In einer Welt, die durch beispiellose ökologische und soziale Herausforderungen geprägt ist (Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Ernährungssicherheit, Ungleichheit, Sicherung des Wohlergehens und Gesundheitsversorgung) durchläuft der Finanzsektor einen bemerkenswerten Wandel. Impact-Investitionen haben sich zu einem aussichtsreichen Ansatz entwickelt, der die traditionelle Sichtweise in Frage stellt, wonach sich Investoren entscheiden müssen, ob sie Renditen erzielen oder gesellschaftlich etwas bewirken wollen. Was genau sind Impact-Investitionen? Wie unterscheiden sie sich von anderen Formen des nachhaltigen Investierens?

Zum Verständnis des Begriffs

Im Kern stellen Impact-Investitionen einen grundlegenden Paradigmenwechsel in unserer Sicht der Rolle von Kapital und Finanzen in der Gesellschaft dar. Das Global Impact Investing Network (GIIN) definiert Impact-Investitionen als eine Investitionsstrategie, bei der Investitionen mit der Absicht getätigt werden, neben der finanziellen Rendite auch positive, messbare soziale und ökologische Wirkungen zu erzielen. Diese trügerisch einfache Definition täuscht jedoch darüber hinweg, wie komplex das transformative Potenzial von Impact-Investitionen ist.

Um die besondere Rolle von Impact-Investitionen im modernen Finanzwesen und den dahinterstehenden materialistischen Ansatz zu verstehen, muss man sehen, wo sie innerhalb des breiten Spektrums der Investitionsansätze anzusiedeln sind. Am einen Ende des Spektrums befinden sich die traditionellen Investitionsformen, bei denen die finanzielle Rendite und die Gewinnmaximierung an oberster Stelle stehen und soziale oder ökologische Erwägungen bei der Entscheidungsfindung vernachlässigt werden. Dem Kontinuum folgend findet man dann zunehmend ausgefeiltere Ansätze zur Einbeziehung sozialer und ökologischer Leistungskriterien und eine immer größere Vielfalt nachhaltiger Finanzinvestitionen. Impact-Investitionen sind die ultimative Investitionsstrategie für den positiven und transformativen Wandel, kombinieren sie doch finanzielle Erträge mit sozialen und ökologischen Zielen.

Kurz gefasst können folgende Investitionsansätze unterschieden werden:

  • Herkömmliche Investitionen zielen ausschließlich auf die finanzielle Rendite ab; soziale und ökologische Erwägungen werden außer Acht gelassen. Diese Investitionsform dominiert seit jeher die Kapitalmärkte.
  • Bei der Integration der ESG-Kriterien („ESG“ steht für Umwelt, Soziales und Governance) werden die ESG-Faktoren als Risikoindikatoren in Anlageentscheidungen berücksichtigt, geben jedoch nicht den primären Ausschlag.
  • Im nachhaltigen Finanzwesen werden ESG-Aspekte in die Investitionsentscheidung integriert. Nachhaltigkeit wird als ein Faktor der Wertschöpfung betrachtet. Dabei werden Investitionen gefördert, mit denen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit angegangen und positive soziale und ökologische Veränderungen herbeigeführt werden. Dazu gehören auch Investitionen in den Übergang, die Finanzierung von aktuell bereits umweltfreundlichen Investitionen (grünes Finanzwesen) und der Übergang zu einem umweltfreundlichen Leistungsniveau im weiteren Verlauf (Finanzierung des Übergangs).
  • Impact-Investitionen markieren eine Trendwende auf den Finanzmärkten durch grundlegende Neuausrichtung auf die Wirkung. Es geht um die Frage, ob Investitionen in Nachhaltigkeit zu einer besseren Welt beitragen. Daher sind Impact-Investitionen der Ansatz, hinter dem die größte Intention steht, aktiv finanzielle Erträge zu erwirtschaften und mit dem gleichen Engagement auch messbare positive soziale oder ökologische Wirkungen anzustreben.

Die beiden Formen der Impact-Investitionen: Impact-aligned- vs. Impact-generating-Investitionen

Bei Impact-Investitionen wird grundsätzlich zwischen Impact-aligned- und Impact-generating-Investitionen unterschieden. Diese Differenzierung hilft den Anlegern, zu verstehen, wohin ihr Geld fließt und wie es zu einem positiven Wandel beiträgt.

  • Impact-aligned-Investitionen unterstützen Unternehmen, die bereits nachgewiesen haben, dass sie positive ökologische oder soziale Verfahren anwenden, und die ihr Engagement für positive Wirkungen durch ihre Geschäftstätigkeit und ihre Ergebnisse unter Beweis gestellt haben.
  • Impact-generating-Investitionen schaffen aktiv neue Lösungen für soziale oder ökologische Herausforderungen, wobei der Schwerpunkt häufig auf der Transformation und dem Systemwandel liegt.

Diese theoretische Unterscheidung drückt sich in konkreten Anwendungen in verschiedenen Bereichen aus.

Saubere Energie

Impact-aligned-Investitionen im Rahmen der Energiewende wären etwa der Kauf von Anteilen an etablierten Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien oder Investitionen in Elektrofahrzeughersteller. Diese Unternehmen tragen bereits durch ihr Kerngeschäft zur ökologischen Nachhaltigkeit bei. Impact-generating-Investitionen in diesem Bereich können hingegen in die Finanzierung von Start-up-Unternehmen für Batterietechnologien in der Frühphase oder innovative gemeinschaftliche Solarprojekte in unterversorgten Gebieten fließen, wodurch völlig neue Lösungen für die Herausforderungen im Energiebereich geschaffen werden.

Nachhaltige Landwirtschaft

Die nachhaltige Landwirtschaft ist ein weiteres anschauliches Beispiel. Impact-aligned-Investoren könnten etablierte Erzeuger ökologischer/biologischer Lebensmittel oder nachhaltige landwirtschaftliche Betriebe unterstützen. Impact-generating-Investoren würden sich darauf konzentrieren, neue regenerative Landwirtschaftstechniken oder revolutionäre Lösungen für die urbane Landwirtschaft zu entwickeln, die die Art und Weise, wie wir Lebensmittel erzeugen, verändern könnten.

Soziale Auswirkungen

Was die sozialen Auswirkungen angeht, so unterstützen Impact-aligned-Investitionen häufig Unternehmen, die sich für eine starke Diversität und faire Beschäftigungsbedingungen einsetzen. Im Gegensatz dazu könnten mithilfe Impact-generating-Investitionen neuer, erschwinglicher Wohnraum oder wegweisende Bildungstechnologien für unterversorgte Gemeinschaften finanziert werden, wodurch aktiv neue Wege zur sozialen Gerechtigkeit erschlossen würden.

Der Investitionsvorgang: von der Absicht zur Wirkung

Der Erfolg der Impact-Investitionen erfordert einen rigorosen Prozess, der mit der Festlegung klarer Wirkungsziele beginnt, um positive soziale und ökologische Veränderungen herbeizuführen. Investoren müssen spezifische ökologische oder soziale Ergebnisse definieren, die sie erreichen wollen. Sie müssen messbare Ziele festlegen und diese Ziele häufig auf den bestehenden Rahmen wie den Rahmen globaler Indikatoren der Vereinten Nationen für die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung und die 169 Ziele der Agenda 2030 abstimmen.

Diese Intentionalität unterscheidet Impact-Investitionen von anderen Formen des nachhaltigen Finanzwesen. Sie erfordert zudem, dass an Impact-Investitionen interessierte Anleger sowohl die finanzielle Leistungsfähigkeit als auch das Potenzial für relevante soziale oder ökologische Ergebnisse sorgfältig abschätzen.

Die finanzielle Bewertung von Investitionsvorhaben ist eine gängige Praxis, die durch standardisierte Messgrößen und solide Methoden gestützt wird. Allerdings ist die nichtfinanzielle Bewertung, z. B. die Bewertung der sozialen und ökologischen Auswirkungen, nach wie vor vergleichsweise unterentwickelt, und es fehlt ein universeller Rahmen dafür. Anleger müssen daher mehr Aufwand treiben als bei der herkömmlichen Finanzanalyse und herausfinden, wie ernsthaft es einem Unternehmen tatsächlich um Wirkung geht. Sie müssen sich auch ein Bild darüber machen, inwieweit die Geschäftsführung Wirkungsziele anstrebt und in der Lage ist, die Wirkung effektiv zu messen, die Ergebnisse auf transparente Weise offenzulegen und darüber Bericht zu erstatten. Die Bewertung umfasst häufig die Prüfung spezifischer Wirkungsparameter, die auf die Ziele der Investition zugeschnitten sind, um die Konformität mit anerkannten Rahmen wie IRIS+ oder dem Impact Management Project (IMP, 2024) sicherzustellen.

Darüber hinaus ist es für bessere detaillierte Unternehmensprüfungen wesentlich, zwischen der „Wirkung der Unternehmen“ und der „Wirkung der Investoren“ unterscheiden zu können. Die Wirkung des Unternehmens umfasst die direkten sozialen oder ökologischen Auswirkungen seiner Tätigkeit und seiner Produkte. Die Wirkung des Investors dagegen betrifft den Einfluss, den Anleger durch ihre Investitionsentscheidungen und ihr strategisches Engagement auf das Geschäftsgebaren und die Ergebnisse eines Unternehmens ausüben. Diese Unterscheidung ist ganz wesentlich, um die Gesamtwirkung von Investitionen genau bewerten und wirksame Verfahren zu deren Messung entwickeln zu können.

Herausforderungen, Komplexität und Erwägungen

Impact-Investitionen sind viel versprechend, aber mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden:

  1. Wirkungsmessung: Es fehlen standardisierte Messgrößen, weshalb sich soziale und ökologische Ergebnisse nur schwer messen und vergleichen lassen. Transparenz, rigorose Nachverfolgung und Berichterstattung in Bezug auf Wirkungsparameter sind für die Kohärenz und die Rechenschaftspflicht entscheidend. Mit ihrer Hilfe können Aussagen über die Wirkung durch Nachweise nachgeprüft werden.
  2. Zuordnungsprobleme: Vor dem Hintergrund umfassenderer systemischer Veränderungen kann kaum eine Aussage darüber getroffen werden, welche genaue Wirkung eine konkrete Investition entfaltet hat. Welcher Anteil der beobachteten Veränderung direkt auf eine bestimmte Investition zurückzuführen ist, bleibt eine der größten Herausforderungen bei Impact-Investitionen. Beispielsweise könnten Verbesserungen des Nachhaltigkeitsziels 3 (Gesundheit und Wohlergehen) das Ergebnis einer Kombination von Investitionen in Gesundheitseinrichtungen, Bildung und Infrastruktur sein und nicht nur die Wirkung einer einzigen gezielten Investition. Die Entwicklung von Methoden wie der kontrafaktischen Analyse und des Kontrollgruppenvergleichs ist notwendig, jedoch ggf. ressourcenintensiv und insbesondere bei kleineren Projekten oder bei der Entwicklung von Märkten nicht immer durchführbar.
  3. Impact-Washing: Mit übertriebenen oder falschen Behauptungen über ihre soziale oder ökologische Wirkung untergraben Unternehmen oder Fonds das Vertrauen in den Sektor. Um das Vertrauen und die Integrität in Bezug auf Impact-Investitionen aller Art zu festigen, sind transparente Berichterstattung und geprüfte Wirkungsaussagen unerlässlich (ITF). Diesbezüglich sorgen klare Standards für die Wirkungsmessung, robuste Überprüfungsmethoden, Audits durch Dritte und eine unabhängige Zertifizierung für Glaubwürdigkeit.

Erschließung des transformativen Potenzials von Impact-Investitionen

Impact-Investitionen nehmen im tiefgreifenden Wandel des Weltfinanzwesens eine Spitzenstellung ein und sind weit mehr als nur eine neue Anlagestrategie. Sie stehen für eine grundlegende Neuinterpretation der gesellschaftlichen Rolle des Finanzwesens. Sie stellen zudem die traditionelle Überzeugung in Frage, wonach finanzielle Erträge und positive soziale und ökologische Wirkung nicht auf einen Nenner zu bringen sind.

Das Aufkommen der Impact-Investitionen zeigt, dass Anleger gute Renditen erzielen, gleichzeitig aber auch zu einem sinnvollen sozialen und ökologischen Wandel beitragen können. Impact-Investitionen führen sinnvolle Anliegen und Gewinnstreben zusammen und bilden damit einen überzeugenden Ansatz für ein Finanzsystem, das den Menschen und dem Planeten dient.

Brigitte Bernard-Rau ist Postdoktorandin und Fellow an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg. Ihr Forschungsschwerpunkt sind ESG-Ratings und Ratingagenturen, nachhaltiges Finanzwesen, sozial verantwortliche Investitionen, Impact-Investitionen und soziale Unternehmensverantwortung. Unlängst veröffentlichte sie das Buch Sustainability Stories: The Power of Narratives to Understand Global Challenges (Springer Nature, 2024). Das Buch enthält über 30 inspirierende Geschichten verschiedener Autoren aus der ganzen Welt, die über verschiedene Möglichkeiten berichten, sich für das Gemeinwohl zu engagieren und etwas in den Gemeinschaft, in der Berufswelt oder im Leben der Menschen zu bewirken.

 

Photo by Lucie Morauw

Adélaïde Charlier, eine junge Klima- und Menschenrechtsaktivistin und Mitbegründerin von „Youth for Climate Belgium“, zeigt die zahlreichen Unzulänglichkeiten des unlängst auf der COP 29 in Aserbaidschans Hauptstadt Baku vereinbarten Klimaübereinkommens auf. Die COP 29, die von vielen als Symbol für Vertrauensbruch und Klimaungleichheit angesehen wird, hat sich für gefährdete Länder und die Zivilgesellschaft als bittere Enttäuschung erwiesen.

Adélaïde Charlier, eine junge Klima- und Menschenrechtsaktivistin und Mitbegründerin von „Youth for Climate Belgium“, zeigt die zahlreichen Unzulänglichkeiten des unlängst auf der COP 29 in Aserbaidschans Hauptstadt Baku vereinbarten Klimaübereinkommens auf. Die COP 29, die von vielen als Symbol für Vertrauensbruch und Klimaungleichheit angesehen wird, hat sich für gefährdete Länder und die Zivilgesellschaft als bittere Enttäuschung erwiesen.

Die jüngste Klimakonferenz in Baku, die COP 29, hat die Welt gespalten. Gefährdete Länder und die Zivilgesellschaft sind zutiefst desillusioniert angesichts dieses von ihnen so empfundenen Vertrauensbruchs. Zwar wurde eine Einigung erzielt – über einen Betrag von 300 Mrd. USD pro Jahr, um die Entwicklungsländer bei ihrer Anpassung an den Klimawandel bis 2035 zu unterstützen –, doch bleibt diese Einigung deutlich hinter dem dringenden Bedarf derjenigen zurück, die direkt von der Klimakrise betroffen sind.

„Besser gar kein Ergebnis als ein schlechtes.“

Harjeet Singh, Direktor für globales Engagement der Initiative zum Vertrag über die Nichtverbreitung fossiler Brennstoffe, gab 24 Stunden vor der endgültigen Einigung die Richtung vor: „Besser gar kein Ergebnis als ein schlechtes.“ Aus seinen Worten gingen die wachsenden Spannungen zwischen den betroffenen Ländern, der Zivilgesellschaft und wohlhabenderen Staaten hervor. Am Sonntag endete die Konferenz mit einem ernüchternden Ergebnis und nur einem einzigen Finanzierungsziel: der Zusage von „300 Mrd. USD pro Jahr bis 2035“. Dieses Ziel ist lachhaft, da es weit unter dem gemeinsam von den gefährdeten Ländern geforderten Betrag (1,3 Billionen USD zur Deckung ihres Bedarfs an Mitteln für Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen sowie zum Ausgleich von Verlusten und Schäden) liegt.

Dieses Übereinkommen ist an das neue gemeinsame quantifizierte Ziel geknüpft, mit dem die Klimawende in den Entwicklungsländern finanziert werden soll. Zwar ist es dreimal so hoch wie das 2009 beschlossene Ziel von 100 Mrd. USD, das erst 2022 mit zwei Jahren Verspätung erreicht wurde, doch reicht es immer noch bei Weitem nicht aus. Die 2009 zugesagten 100 Mrd. USD würden 2035 inflationsbereinigt einem Betrag von 258 Mrd. USD entsprechen. Der reale Anstieg der tatsächlichen Anstrengungen käme somit lediglich 42 Mrd. USD gleich. Der Appell der gefährdeten Länder war deutlich: „Wir brauchen Billionen, keine Milliarden“.

Das vorgeschlagene Finanzierungsziel ist ebenso schwach strukturiert wie der Betrag selbst enttäuschend ist. Es gibt keine spezifische Verpflichtung zu öffentlichen Finanzierungsmechanismen wie Zuschüsse oder Subventionen, die die Länder des Globalen Südens dringend benötigen.

Darüber hinaus fehlen Teilziele zur angemessenen Finanzierung von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen sowie zur Deckung von Verlusten und Schäden. Zu der übermäßigen Gewichtung des Klimaschutzes – der vorrangig durch multilaterale Entwicklungsbanken und den Privatsektor finanziert wird – kam die fehlende klare Ausrichtung auf die Klimaanpassung hinzu, was zeigt, dass immer noch keine Lehren aus dem Jahr 2009 gezogen wurden. Die damalige deutliche Unterfinanzierung der Anpassung wurde nämlich noch dadurch verschärft, dass keine Rechenschaftspflicht und keine spezifischen Mittel zur Entschädigung für Verluste und Schäden vorgesehen wurden.

Außerdem wird in dem Übereinkommen zwar auf Verluste und Schäden verwiesen, doch werden sie nur vage und oberflächlich erwähnt, anstatt sie auf sinnvolle Weise zu berücksichtigen. Zudem öffnet der Rahmen Tür und Tor für eine starke Abhängigkeit von privater Finanzierung, einschließlich öffentlich-privater Partnerschaften, von öffentlich geförderten, risikominimierten privaten Investitionen sowie von vollständig privaten Investitionen, die aktiv gefördert werden.

Historische Verantwortung wird ausgeblendet

Über die unzureichende Finanzierung hinaus offenbart das Übereinkommen tiefe Risse in der Klimadiplomatie. Unter Missachtung des Grundsatzes der differenzierten Verantwortung wälzen die wohlhabenderen Nationen einen Teil der finanziellen Last auf die bereits am stärksten unter den Folgen des Klimawandels leidenden gefährdeten Länder ab. Nationen wie Indien, Kuba, Bolivien und Nigeria haben die reichen Länder erbost beschuldigt, sich vor den Kosten für ihre historischen Treibhausgasemissionen drücken zu wollen.

Dadurch wurde das Vertrauen zerstört und es kam zu Spannungen, wie es sie in diesem Ausmaß in der Geschichte der COP-Verhandlungen noch nicht gab. Die derzeit zugesagten 300 Mrd. USD bleiben weit hinter den 1 Billion USD zurück, die laut Schätzungen von UN-Experten bis 2035 für die Entwicklungsländer (ausgenommen China) als Mindestinvestition erforderlich sind.

Ein unter Druck erzieltes schlechtes Ergebnis

Die ärmsten und am stärksten gefährdeten Länder der Welt, darunter die 45 am wenigsten entwickelten Länder (LDC) und 40 kleine Inselstaaten, haben dem Übereinkommen schließlich unter enormem politischen Druck zugestimmt. Die Angst, überhaupt keine Einigung zu erzielen, vor allem angesichts der möglichen Gefährdung künftiger Klimafortschritte durch eine Trump-Regierung, ließ ihnen letztlich keine andere Wahl. Für viele war es ein schmerzhafter Kompromiss: Sie mussten eine unzureichende Finanzierung akzeptieren, um Soforthilfe zu erhalten.

Der Preis des Verzugs

Dieser „schlechte Deal“ ist nicht nur ein Schlag für die diplomatischen Beziehungen, sondern wird auch für Millionen von Menschen verheerende Folgen haben. Die gefährdeten Länder werden bereits durch extreme Wetterereignisse, steigende Meeresspiegel und Ressourcenknappheit an ihre Grenzen gebracht. Die Regierungen wohlhabenderer Nationen müssen begreifen, dass die Kosten für Klimaschutzmaßnahmen jetzt deutlich geringer ausfallen werden als die spätere „Rechnung“, die uns die Natur für künftige Katastrophen präsentieren wird.

Das Ergebnis der COP 29 ist eine deutliche Mahnung: Die Klimakrise erfordert entschlossenes und dringendes Handeln und Gerechtigkeit für die am stärksten Betroffenen. Wenn wir uns nicht zu einem wirklichen Wandel verpflichten, wird sich die Kluft zwischen dem globalen Norden und dem Süden Jahr für Jahr weiter vertiefen und so die internationale Klimaschutzzusammenarbeit in ihrem Kern untergraben.

Mit Blick auf die COP 30 steht fest, dass der Kampf für Klimagerechtigkeit noch lange nicht vorbei ist.

Adélaïde Charlier ist eine 23-jährige europäische Klimaaktivistin, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzt, vor allem bekannt als Mitbegründerin von „Youth for Climate Belgium“ und nun auch als Gründerin der Organisation „The Bridge“ (die eine Brücke zwischen jungen Menschen und der Klimapolitik schlägt). Außerdem steht sie auf der Forbes-Liste „30 under 30“ 2024.