European Economic
and Social Committee
Bürgerjournalismus unterstützt traditionelle Medien
Die neu gegründete litauische Klimanachrichtenagentur „Klimareporter“ will dem zunehmenden Überdruss an der Berichterstattung über Klimathemen entgegenwirken und dem Klimawandel wieder einen prominenten Platz in den Medien verschaffen. Dabei vereinen „Klimareporter“ Kommunikations- und Klimaaktivismus, um die Menschen über den Klimawandel aufzuklären und sich in der aktuellen Umweltkrise für unseren Planeten stark zu machen. Sie sind damit ein ausgezeichnetes Beispiel für Bürgerjournalismus.
von Rūta Trainytė
In Litauen hat in diesem Jahr die Klimanachrichtenagentur „Klimareporter“ ihre Tätigkeit aufgenommen. Sie ist eine Initiative von Nichtregierungsorganisationen und ein Beispiel für Bürgerjournalismus. Ziel der Nachrichtenagentur ist es, Journalisten bei der Berichterstattung über die verschiedenen Aspekte der ökologischen Krise zu unterstützen. Dazu bereitet das Team der Agentur Texte vor und leitet sie an Redaktionen weiter.
Die Arbeit der Agentur wird gemeinschaftlich von einer Reihe von Aktivistinnen und Aktivisten getragen. Die Texte werden von Journalisten, Fachleuten für Öffentlichkeitsarbeit, Vertretern von Nichtregierungsorganisationen, Aktivisten und Wissenschaftlern verfasst – kurzum, von Menschen, die die aktuelle Lage nicht gleichgültig lässt und die einen gesellschaftlichen Wandel wünschen. Sie bilden auch den Rat der „Klimareporter“, der dafür sorgt, dass sich die neue Initiative als verlässlich erweist.
Wir „Klimareporter“ sind keine Neulinge in Sachen Kommunikation, sondern haben in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit, Redaktion und Erstellen und Unterhalten von Internetportalen bereits umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Auch in Bezug auf Klimathemen sind wir keine Anfänger. So ist die Idee entstanden. Wir tun das, was wir am besten können, und kombinieren es mit Klimaaktivismus. Wir geben der unter der Umweltkrise leidenden Mutter Erde eine Stimme.
Natürlich unterhalten wir Kontakte zu Journalisten. In Redaktionen herrscht meist die Auffassung, dass Klimanachrichten für die Öffentlichkeit nicht von Interesse sind und sich damit keine Klicks generieren lassen. Überschriften mit Ausdrücken wie „Klimawandel“ oder „Klimakrise“ werden vermieden. Aber warum wird die Klimakrise ignoriert? Ist das ein reflexartiger Versuch, der Gesellschaft schlechte Nachrichten und Ängste zu ersparen?
So schlimm ist es vielleicht nicht. Es ist schon schwierig, die Menge an Nachrichten, die täglich in die Redaktionen strömt, einfach nur physisch zu bewältigen, ganz zu schweigen davon, auch noch selbst Meldungen zur Klimathematik zu erstellen. Außerdem muss man mit dem Thema vertraut sein. Und das sehen wir als unsere Aufgabe. In einem nächsten Schritt wollen die „Klimareporter“ andere Journalisten schulen. Wir sehen, dass Journalisten Wissen benötigen, um die Verbreitung von Greenwashing zu vermeiden.
Eine weitere Idee besteht darin, bestimmte Gruppen auf attraktive Weise mit Wissen über den Klimawandel vertraut zu machen. Vor allem wollen wir junge Menschen ansprechen, und wir haben erkannt, dass man diese Zielgruppe gut mit Humor erreichen kann. Wie dies in Zukunft genau aussehen wird, wissen wir noch nicht, aber wir denken bereits in diese Richtung.
Die Nachrichtenagentur besteht seit gut sechs Monaten. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass Geduld erforderlich ist. Mit Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit bringen wir unsere Nachrichten in den Redaktionen an den Mann. Und inzwischen werden unsere Texte bereits auf großen litauischen Nachrichtenportalen veröffentlicht, und wir werden zu Radiosendungen eingeladen.
Für die Qualität unserer redaktionellen Arbeit ist es sehr wichtig, dass wir erheblich von litauischen Umweltschutzorganisationen unterstützt werden, dass unsere Organisationen Mitglieder internationaler NRO-Netze sind, dass unsere Mitglieder an Arbeitsgruppen auf EU-Ebene teilnehmen und dass sie Litauen im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss vertreten. So können wir unser Themenspektrum erweitern und am Puls der Zeit bleiben.
Mit dem EWSA verbindet uns nicht nur die Tatsache, dass einer der Initiatoren des Projekts, Kęstutis Kupšys, Mitglied des EWSA ist. Auch die wertvollen Eindrücke, die die EWSA-Mitglieder in den verschiedenen Ländern sammeln, sind eine Bereicherung der von den „Klimareportern“ veröffentlichten Klimanachrichten. So haben wir kürzlich am Rande des Weltbiodiversitätsgipfels COP 16 mit dem französischen EWSA-Mitglied Arnaud Schwartz gesprochen. Die Erkenntnisse, die er uns direkt aus Cali mitteilte, wurden in einem Artikel der „Klimareporter“ verarbeitet, und schon bald fanden seine Gedanken auch in den litauischen Medien Gehör. Dieses Modell, bei dem das Fachwissen der EWSA-Mitglieder dazu genutzt wird, globale Nachrichten einem lokalen Publikum effektiv zu vermitteln, hat sich bewährt, weshalb wir es auch in Zukunft anwenden werden.
Rūta Trainytė ist Redakteurin der Klimanachrichtenagentur „Klimareporter“. Die Agentur ist Teil des staatlich finanzierten Projekts ŽALINK. Das Projekt, das von der Verbraucherallianz, der Plattform für Entwicklungszusammenarbeit und der NRO „Kreislaufwirtschaft“ durchgeführt wird, wird durch das Klimawandelprogramm der Agentur für Umweltprojektmanagement des Umweltministeriums der Republik Litauen finanziert.