European Economic
and Social Committee
Lateinamerika braucht neuen Sozialvertrag für wirtschaftliche Erholung
Lateinamerika braucht einen neuen Sozialvertrag, um politische Rechenschaftspflicht, Inklusion, Sozialschutz und hochwertige Arbeitsplätze zu gewährleisten – so der EWSA in einer im Dezember 2022 verabschiedeten Initiativstellungnahme zur sozioökonomischen Lage in Lateinamerika nach der COVID-19-Krise. Freie und demokratisch organisierte Zivilgesellschaften sind das beste Mittel, um diese Ziele zu erreichen.
Die COVID-19-Pandemie hat Lateinamerika besonders schwer getroffen und die schlechte Politik der letzten Jahrzehnte offenbart, die kaum Wirkung bei der Bewältigung der gegenwärtigen Herausforderungen gezeigt hat. Durch Russlands Invasion in die Ukraine ist es zu weiteren wirtschaftlichen Verwerfungen in Form gestörter globaler Lieferketten und erhöhter Inflation gekommen.
In der Stellungnahme „Die sozioökonomische Lage in Lateinamerika nach der COVID-19-Krise – die Rolle der Zivilgesellschaft bei der wirtschaftlichen Erholung“ wird betont, dass die Region einen neuen Sozialvertrag benötigt, der durch bereichsübergreifende Vereinbarungen zwischen den sozioökonomischen Gruppen, zwischen den Gebieten und zwischen den Generationen erreicht werden kann.
In Bezug auf die Rolle der Zivilgesellschaft erklärte Josep Puxeu Rocamora, EWSA-Mitglied und Berichterstatter für die Stellungnahme: „Europa und Lateinamerika sind der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit verpflichtet. Dementsprechend muss die Zivilgesellschaft aktiv beteiligt werden, in den Bereichen Entwicklung und Krisenmanagement eine maßgebliche Rolle spielen und den für einen neuen Sozialvertrag notwendigen Dialog fördern.“
Europa muss seine Beziehungen zu Lateinamerika ausbauen und dabei dem sozialen, ökologischen und digitalen Wandel besondere Aufmerksamkeit widmen. „Wir müssen uns dringend stärker um Bündnisse mit gleichgesinnten Partnern in Lateinamerika bemühen“, sagte Herr Puxeu Rocamora. „Wir haben diese Beziehungen zu lange für selbstverständlich gehalten. Wir müssen uns gerade jetzt anstrengen, um zu anderen starken Konkurrenten aufzuschließen.“
Nach Auffassung des EWSA erfordern solche Bündnisse u. a. die uneingeschränkte Anerkennung und Beteiligung der betreffenden zivilgesellschaftlichen, Menschenrechts-, Gewerkschafts-, Unternehmens- und Umweltorganisationen. (at)