European Economic
and Social Committee
EESC info: Am 8. Juni feiert die CCMI ihr 20-jähriges Bestehen. Welche Rolle hat sie bisher gespielt? Wie hat sie zur EU-Agenda beigetragen, und wie hat sie den Interessen der europäischen Zivilgesellschaft gedient? Wird sie künftig noch eine wichtige Rolle in Europa spielen?
Jacques Glorieux, Mitglied der Beratenden Kommission für den industriellen Wandel (CCMI): Die Beratende Kommission für den industriellen Wandel wurde 2002 im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss als eigenständiges Arbeitsorgan eingerichtet. Sie sie ging hervor aus dem Beratenden Ausschuss der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), die 1952 durch den Vertrag von Paris für einen Zeitraum von fünfzig Jahren gegründet worden war. Somit ist die CCMI die älteste Einrichtung der EU zur Antizipierung und Unterstützung des industriellen Wandels.
Ich habe diesen Wandel persönlich miterlebt, da ich der Gruppe III – Kohle, Importeure und Verbraucher – des Beratenden Ausschusses der EGKS in Luxemburg von 1998 bis Juli 2002 als Vertreter Belgiens angehörte. Anschließend kam ich zum EWSA in der neu eingerichteten CCMI, deren Vorstand ich mittlerweile als Koordinator der Kategorie III – Delegierte angehöre.
Die CCMI hat in diesen zwanzig Jahren für die Zivilgesellschaft besonders relevante Fragen beleuchtet und diesbezügliche Empfehlungen ausgesprochen. So hat sie im Jahr 2013 die EU-Organe auf die geplante Obsoleszenz aufmerksam gemacht. Sie hat ein breites Spektrum an Stellungnahmen erarbeitet und dabei den branchenspezifischen Sachverstand nicht nur ihrer Mitglieder, sondern insbesondere ihrer Delegierten optimal eingebracht. Diese duale Zusammensetzung ist ein Alleinstellungsmerkmal und eine weitere Trumpfkarte der CCMI.
Die zentrale Aufgabe der CCMI erwächst aus ihrem historischen Auftrag, den industriellen Wandel in der Kohle- und Stahlindustrie und dabei insbesondere Standort- und Rückverlagerungen sowie Umstrukturierungen von Industriebranchen zu analysieren. Gleichwohl möchte ich mit Stolz betonen, dass die CCMI ihren Zuständigkeitsbereich erfolgreich auf alle industriellen Ökosysteme ausgeweitet hat – auch auf ressourcen- und energieintensive Industrien, kritische Rohstoffe, das Gesundheitswesen, die Automobilindustrie, den Schiffbau sowie die Luft- und Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie.
Ich blicke voller Zuversicht in die Zukunft der CCMI, da ihr Auftrag heute relevanter denn je ist. Die Industriepolitik – von Beginn an mit der EGKS im Mittelpunkt der europäischen Integration – steht nach wie vor ganz oben auf der europäischen Agenda. Dies gilt insbesondere für die Erholung von der COVID-19-Pandemie, die kritische Abhängigkeiten deutlich gemacht und den Binnenmarkt stark beeinträchtigt hat. Ebenso hat die jüngste Überfall auf die Ukraine Schwachstellen offengelegt, die zu Engpässen bei bestimmten kritischen Materialien und Komponenten in Europa und zu steigenden Energiepreisen geführt haben. In diesem instabilen Kontext ist ein erfolgreicher grüner und digitaler Wandel unserer Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Er ist auch dringend erforderlich, um die Resilienz und strategische Autonomie Europas zu stärken.
Diese Transformationen haben – bereits heute und in Zukunft – beispiellose Auswirkungen auf unseren Lebensalltag. Der EWSA und insbesondere die CCMI müssen eine Schlüsselrolle bei einem gerechten Übergang in eine Zukunft spielen, in der die Industrie mit der Ökologie vereinbar ist, die Wirtschaft floriert und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geschützt werden. Noch vor dem Sommer 2022 wird die CCMI Stellungnahmen zum Chip-Gesetz aus branchenspezifischer Sicht der Verteidigung sowie der Luft- und Raumfahrt, zu den kritischen Technologien im Verteidigungs- und Sicherheitsbereich – einem zentralen Thema für die offene strategische Autonomie – und zu Technologien für eine Dekarbonisierung verabschieden.
Am 8. Juni begehen wir den 20. Jahrestag des Bestehens der CCMI, aber wir werden uns dann auch mit der Zukunft und mit all den oben genannten Fragen befassen. Wir werden auch darüber beraten, wie der EWSA am besten zu der Antwort auf die Herausforderungen beitragen kann, die alle Industriebranchen in Europa meistern müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Konferenz bietet die Gelegenheit, der organisierten Zivilgesellschaft Gehör zu verschaffen – ein zentraler Akteur, der für einen gerechten und fairen Wandel sorgt, bei dem niemand zurückgelassen wird.
Sie können der Veranstaltung über die entsprechende Website der CCMI folgen: https://www.eesc.europa.eu/de/agenda/our-events/events/ccmi-20th-anniversary