Der EWSA debattierte auf seiner Dezember-Plenartagung über die Rolle der Finanzen und der öffentlichen Strategien für den Wiederaufschwung bei der Förderung der Geschlechtergleichstellung und der Stärkung der wirtschaftlichen Stellung der Frau in der EU. Die Aussprache stand in Zusammenhang mit der Verabschiedung zweier Stellungnahmen zur Berücksichtigung des Gleichstellungsaspekts bei der Haushaltsplanung und bei Investitionen sowie zur Frage, wie die Mitgliedstaaten die Geschlechtergleichstellung durch die in ihren nationalen Aufbau- und Resilienzplänen vorgeschlagenen direkten und indirekten Maßnahmen stärken können.

Die Geschlechtergleichstellung ist in Europa noch lange nicht erreicht, insbesondere was die Stärkung der wirtschaftlichen Stellung und den Zugang von Frauen zu Risikokapital und Finanzmitteln angeht. „Wir können es uns nicht leisten, das Potenzial der Frauen bei der Erholung nach der Pandemie ungenutzt zu lassen. Der Gleichstellungsaspekt muss in den nationalen Aufbauplänen sowie in der makroökonomischen Strategie und der globalen Entwicklung auch tatsächlich berücksichtigt werden“, erklärte EWSA-Präsidentin Christa Schweng bei der Eröffnung der Debatte.

Maria Nikolopoulou, Berichterstatterin für die EWSA-Stellungnahme zu gleichstellungsorientierten Investitionen in den nationalen Aufbau- und Resilienzplänen, fügte hinzu: „Die Geschlechtergleichstellung ist nicht nur Frauensache, denn sie kommt allen zugute. Die Teilhabe beider Geschlechter sowie der Organisationen der Zivilgesellschaft ist von entscheidender Bedeutung für die Ermittlung der Bereiche, die über den Haushalt angegangen werden müssen.“

Ody Neisingh, Berichterstatterin für die EWSA-Stellungnahme zu Investitionen mit Geschlechterperspektive, betonte: „Der finanzielle Aspekt der Geschlechtergleichstellung bleibt ein blinder Fleck der EU-Politik. Zwar rücken Investitionen mit Geschlechterperspektive und die Berücksichtigung des Gleichstellungsaspekts in der Haushaltsplanung zunehmend in den Fokus der politischen Entscheidungsträger, doch fehlt weiterhin ein systemischer Schwerpunkt“.

Cinzia Del Rio, Mitberichterstatterin für die Stellungnahme zu Investitionen mit Geschlechterperspektive, betonte hinsichtlich geschlechtsspezifischer Maßnahmen in den Aufbau- und Resilienzplänen: „Bei der Umsetzung der Aufbau- und Resilienzpläne sollte der Ausbau der direkten und indirekten Maßnahmen zur Stärkung der Geschlechtergleichstellung Vorrang haben. Dies erfordert gezielte öffentliche Strategien sowie klare und nachhaltige Investitionskanäle mit mittel- und langfristiger Ressourcenplanung.“ (tk)