Bei der Entwicklung der KI steht die EU an einem Scheideweg. Während derzeit US-amerikanische Unternehmen mit 80 % der weltweiten privaten Investitionen den Markt für generative KI (GenKI) dominieren, macht nun auch China in diesem Bereich rasante Fortschritte. In einer neuen Studie, die der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) in Zusammenarbeit mit dem Centre for European Policy Studies (CEPS) veröffentlicht hat, wurde untersucht, was Europa braucht, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Studie wurde unter Federführung der EWSA-Fachgruppe Binnenmarkt, Produktion, Verbrauch (INT) erarbeitet und regelmäßig in der EWSA-Beobachtungsstelle für den digitalen Binnenmarkt erörtert. Beleuchtet werden darin die wichtigsten Chancen und Herausforderungen sowie auch die politischen Maßnahmen, die zur Verbesserung der europäischen KI-Landschaft ergriffen werden müssen.

Die wichtigsten Empfehlungen an die EU lauten:

  • Mehr Investitionen in KI und Rechenleistung – Europa muss mehr in die KI-Infrastruktur investieren, um Innovationen zu fördern.
  • Schwerpunkt auf drei Sektoren mit hohem Potenzial – KI kann das Wachstum in der Automobilindustrie, bei sauberen Energien und im Bildungswesen fördern.
  • Förderung quelloffener KI – Die Unterstützung offener KI-Modelle wird die Zugänglichkeit und den Wettbewerb verbessern.
  • Bessere Integration der Arbeiten im Bereich der FuE in der gesamten EU.

Stärkung der Zivilgesellschaft bei der KI-Governance
– In der Studie wird die Bedeutung zivilgesellschaftlicher Organisationen für die Gestaltung und die Governance der KI-Strategie unterstrichen. Für eine bessere Inklusivität und einen ethischen Einsatz von KI wird in dem Bericht Folgendes empfohlen:

  • KI-Kompetenzprogramme – Initiativen für Schulungen und den sozialen Dialog zur Stärkung der Kompetenzen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und der Öffentlichkeit.
  • „Social by Design“-Ansatz – Sicherstellung, dass bei der KI-Entwicklung der Mensch im Mittelpunkt steht und den Bedürfnissen der Gesellschaft Rechnung getragen wird.
  • Aufstockung der Mittel für zivilgesellschaftliche Organisationen – Unterstützung gemeinnütziger Organisationen, die zur Überwindung der Kluft zwischen KI-Technologie und Verständnis der Öffentlichkeit beitragen.
  • Ethischer KI-Einsatz – Vorrang für vertrauenswürdige KI-Systeme, die mit den europäischen Werten vereinbar sind.

Nutzung des Potenzials des EWSA in der KI-Politik
– Der EWSA kann in seiner Funktion eine strukturierte Beteiligung der zivilgesellschaftlichen Organisationen an der KI-Politik erleichtern. In der Studie wird der Einsatz quelloffener KI und die Förderung ethischer Innovation im Rahmen der öffentlichen Auftragsvergabe und der Finanzierungsprogramme empfohlen. Dabei soll der EWSA als zentrale Drehscheibe für die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Open-Source-Gemeinschaften dienen und das Bewusstsein für die Auswirkungen der KI auf die Gesellschaft schärfen.

Mit der Studie wird auch ein einheitliches KI-Glossar eingeführt, um eine gemeinsame Nomenklatur zu schaffen und eine wirksame Kommunikation zwischen politischen Entscheidungsträgern, Entwicklern und Nutzern sicherzustellen, was für eine verantwortungsvolle Entwicklung, Governance und Einführung von KI in allen Sektoren ausschlaggebend ist.

Die Studie wird den wichtigsten EU-Institutionen zur Verfügung gestellt und soll in die künftigen KI-Strategien einfließen. Die vollständige Studie finden Sie hier. (vk)