European Economic
and Social Committee
von der Gruppe Arbeitgeber
Ein Jahr nach Russlands ungerechtfertigter Invasion der Ukraine ist die Gruppe Arbeitgeber mit führenden Vertretern ukrainischer Unternehmensverbände zusammengetroffen, um die aktuelle Konjunkturlage in der Ukraine zu erörtern und sich aus erster Hand darüber zu informieren, was ukrainische Unternehmen jetzt für ihr Überleben und mit Blick auf den Wiederaufbau brauchen.
Im vergangenen Jahr ist das BIP der Ukraine um 30 bis 35 % gefallen. Die Gesamtkosten der direkten Verluste werden auf knapp 130 Mrd. USD beziffert. Verschiedenen Schätzungen zufolge haben 2,5 bis 5 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verloren, die Inflation liegt bei 26,6 %.
„Da viele Arbeitnehmer, Kunden und Partner ins Ausland gehen, ihre Unternehmen durch Beschuss und Bombardierungen verlieren oder an der Front kämpfen, ist es – vor allem für KMU – kaum möglich, ein hohes Ertragsniveau zu halten“, sagte Kateryna Hlaskowa, Exekutivdirektorin des ukrainischen Unternehmerverbands.
Die Unternehmen stehen vor mehreren Herausforderungen: sie können die Kunden, die sie durch Unterbrechungen der Lieferketten, Standortverlagerungen oder sonstige Probleme verloren haben, nicht zurückgewinnen, und es fehlen finanzielle Ressourcen. Die meisten Geschäftsführer sehen mit Sorge, dass ein allgemeines Gefühl der Unsicherheit herrscht und sie ihre Waren und Dienstleistungen nicht exportieren können.
Etwa die Hälfte der Mitgliedsunternehmen des Europäischen Wirtschaftsverbands äußert sich zuversichtlich über ihre Geschäftsentwicklung im Jahr 2023. Zu diesen Schlussfolgerungen kommt die Studie Business Forecast 2023, die vom Europäischen Wirtschaftsverband und der Raiffeisen Bank durchgeführt und von Gradus Research analytisch begleitet wurde. Die diesjährigen Ergebnisse zeigen, dass sich die Stimmung und die Prognosen von Topmanagern verschlechtern dürften. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr gaben 83 % der Geschäftsführer optimistische Prognosen ab.
Um die Lage zu verbessern, müssen die Unternehmen wieder exportieren, betonte Hennadij Tschyschykow, Präsident der ukrainischen Industrie- und Handelskammer. „Dies ist eine Frage des Überlebens“, stellte er fest.
„Der Export muss angeregt werden, um die unterbrochenen Lieferketten wiederherzustellen, europäische Partner zu gewinnen und aus europäischen Erfahrungen zu lernen. Dazu müssen grüne Korridore aufrechterhalten und ausgebaut werden“, meinte auch Anna Derewjanko, Exekutivdirektorin des Europäischen Wirtschaftsverbands in der Ukraine.
„Die Einbindung in das Binnenmarktprogramm hat den ukrainischen Unternehmen den Zugang zum EU-Markt erleichtert und potenzielle neue Chancen eröffnet, doch das B2B-Matching muss verbessert werden, damit Unternehmen die nötige Unterstützung und Beratung erhalten und die Kontakte knüpfen, um Geschäfte tätigen zu können“, führte Anna Derevyanko aus und ergänzte: „Dies ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“
Die Gruppe Arbeitgeber unterstützt uneingeschränkt die Maßnahmen der EU, die darauf abzielen, die notleidende Ukraine zu unterstützen und noch vor Kriegsende mit dem Wiederaufbau des Landes zu beginnen. Wir haben uns mit unseren Arbeitgeberkollegen in der Ukraine zusammengetan und die politischen Entscheidungsträger in der EU nachdrücklich dazu aufgefordert, alles zu tun, um der Ukraine dabei zu helfen, zunächst zu überleben und dann Russlands Angriffskrieg zu stoppen. Der Vorsitzende Stefano Mallia erklärte: „Die Unterstützung ukrainischer Unternehmen, beispielsweise durch die Erleichterung des Marktzugangs, ist für Europa von grundlegendem Interesse. Die letzten Monate haben gezeigt, dass die Ukraine und die EU logische Partner sind. Auf dieser Grundlage muss nun aufgebaut werden.“