Die Erweiterung ist ein logischer nächster Schritt für Europa 

Vor 20 Jahren fand die größte Erweiterung der EU statt. Im Mai 2004 wurden die Bürgerinnen und Bürger Zyperns, Tschechiens, Estlands, Ungarns, Lettlands, Litauens, Maltas, Polens, der Slowakei und Sloweniens Bürgerinnen und Bürger der EU. Leicht war dies nicht, da der Beitritt zur EU bekanntermaßen mühsam und langwierig ist. Zwanzig Jahre später können wir jedoch bei der Erweiterung von 2004 durchaus von einem Erfolg sprechen. 

Die Erweiterung ist ein logischer nächster Schritt für Europa 

Vor 20 Jahren fand die größte Erweiterung der EU statt. Im Mai 2004 wurden die Bürgerinnen und Bürger Zyperns, Tschechiens, Estlands, Ungarns, Lettlands, Litauens, Maltas, Polens, der Slowakei und Sloweniens Bürgerinnen und Bürger der EU. Leicht war dies nicht, da der Beitritt zur EU bekanntermaßen mühsam und langwierig ist. Zwanzig Jahre später können wir jedoch bei der Erweiterung von 2004 durchaus von einem Erfolg sprechen. 

Durch die Erweiterung ist die EU nicht nur zu einem der größten Binnenmärkte weltweit geworden, sondern es sind auch 26 Millionen neue Arbeitsplätze entstanden. Erfolg darf allerdings nicht nur als Zugewinn wirtschaftlicher Vorteile gemessen werden. Die Erweiterung führte letztlich zur Öffnung von Grenzen, Millionen von Menschen können seither überall in der EU frei reisen, arbeiten und leben. Was früher ein Privileg einiger weniger war, ist ein Recht für alle geworden. Bislang haben mehr als 2,7 Millionen Studierende aus den zehn neuen Ländern an einem Austauschprogramm von Erasmus+ teilgenommen. Die erweiterte EU hat mehr Chancengleichheit für alle gebracht. 

Doch Erfolg heißt nicht, dass nicht doch noch etwas dazugelernt werden kann. Dies war die erste Erweiterung dieser Art und Größenordnung, und es gibt sicherlich viele Bereiche, in denen die EU mehr erreichen könnte und sollte. Erstens muss die EU baldmöglichst damit beginnen, die Kandidatenländer in ihre Arbeit einbeziehen. Eine schrittweise Integration ist zwar kein Ersatz für einen tatsächlichen Beitritt, aber sie bietet beiden Seiten die Möglichkeit, eine solide Grundlage zu schaffen, indem sie voneinander lernen und Erfahrungen und Meinungen austauschen. Sie trägt dazu bei, persönliche Beziehungen aufzubauen und einen echten europäischen Geist zu fördern. 

Zweitens sind die Grundprinzipien der EU – Demokratie, Rechtsstaatlichkeit sowie Grundrechte und Grundfreiheiten – nicht verhandelbar und dürfen nicht ausgeblendet werden. Die Auflagen für den Beitritt zur EU sehen zwar klare Kriterien für die „wesentlichen Elemente“ vor, bestimmte Aspekte gehen jedoch über diesen Rahmen hinaus. Als Haus der Zivilgesellschaft ist der EWSA der Auffassung, dass eine lebendige Zivilgesellschaft und ein starker sozialer Dialog Grundvoraussetzungen für gut funktionierende Demokratien sind. Durch eine schrittweise Einbeziehung der Zivilgesellschaft aus den Kandidatenländern in die EU geben wir diesen Ländern die Möglichkeit, zu der für den Beitritt erforderlichen Stärke zu gelangen. Aus diesem Grund hat der EWSA seine Initiative zur Beteiligung der EU-Kandidatenländer ins Leben gerufen. Die „Erweiterungskandidatenmitglieder“ arbeiten nun mit unseren Mitgliedern gemeinsam an Stellungnahmen zu Themen, die für künftige Erweiterungsrunden besonders relevant sind. 

Und deshalb werden die EWSA-Mitglieder auf der Plenartagung im Mai auch über den 20. Jahrestag der EU-Erweiterung diskutieren und dabei eine Bilanz ziehen und einen Blick auf eine gemeinsame Zukunft einer widerstandsfähigeren, demokratischeren und stärker geeinten EU werfen.

Oliver Röpke 

Präsident des EWSA

 

Wir wollten von dem Berichterstatter für die EWSA-Stellungnahme „Engagement junger Menschen EU/Vereinigtes Königreich“, Cillian Lohan, wissen, welche Vorteile ein von der Europäischen Kommission vorgeschlagenes und vom EWSA unterstütztes Mobilitätsprogramm für junge Menschen hätte. Mit diesem Programm könnten junge Bürgerinnen und Bürger des Vereinigten Königreichs und der EU leichter in dem jeweils anderen Teil Europas leben, studieren und arbeiten. Gibt es jetzt andere mögliche Ansätze zur Wiederherstellung der durch den Brexit abgebrochenen Beziehungen, nachdem das Vereinigte Königreich den Vorschlag für ein EU-weites Abkommen über die Freizügigkeit junger Menschen abgelehnt hat?

Wir wollten von dem Berichterstatter für die EWSA-Stellungnahme „Engagement junger Menschen EU/Vereinigtes Königreich“, Cillian Lohan, wissen, welche Vorteile ein von der Europäischen Kommission vorgeschlagenes und vom EWSA unterstütztes Mobilitätsprogramm für junge Menschen hätte. Mit diesem Programm könnten junge Bürgerinnen und Bürger des Vereinigten Königreichs und der EU leichter in dem jeweils anderen Teil Europas leben, studieren und arbeiten. Gibt es jetzt andere mögliche Ansätze zur Wiederherstellung der durch den Brexit abgebrochenen Beziehungen, nachdem das Vereinigte Königreich den Vorschlag für ein EU-weites Abkommen über die Freizügigkeit junger Menschen abgelehnt hat?

Am 24. April wurde im EWSA der ukrainische Dokumentarfilm „20 Tage in Mariupol“ gezeigt, der in diesem Jahr in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.

Am 24. April wurde im EWSA der ukrainische Dokumentarfilm „20 Tage in Mariupol“ gezeigt, der in diesem Jahr in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.

In ihrer Dokumentation zeigen der Journalist Mstyslaw Tschernow, gleichzeitig Regisseur des Filmes, und sein Team, was sich im Februar und März 2022 in Mariupol, einer bedeutenden ukrainischen Hafenstadt am Asowschen Meer, während 20 dramatischer Tage der brutalen Belagerung durch Russland abgespielt hat. Tschernow und seine Mitarbeiter, die im Auftrag von Associated Press in Mariupol arbeiteten, waren die letzten ausländischen Journalisten, die sich in der Stadt vor ihrer Einnahme durch die russische Armee aufhielten. Ihre erschütternden Aufnahmen und Fotos, unter anderem von der massiven Bombardierung einer Geburtsklinik und des Stadttheaters, das als Schutzraum für Kinder diente, gingen um die Welt und zeigten die Gräueltaten, die die einmarschierende russische Armee an der ukrainischen Zivilbevölkerung beging.

Neben dem Oscar wurde „20 Tage in Mariupol“ mit vielen weiteren renommierten Preisen ausgezeichnet, u. a. dem „British Academy Film Awards“ für den besten Dokumentarfilm und dem Publikumspreis als bester ausländischer Dokumentarfilm auf dem Sundance Film Festival. 

An der Vorführung im EWSA nahmen EWSA-Präsident Oliver Röpke sowie hochrangige Gäste teil, darunter S.E. Wsewolod Tschenzow, Leiter der Mission der Ukraine bei der EU, und Jewhén Tuzov, eine der zentralen Personen der Dokumentation.

„Wir müssen uns immer unserer Pflicht bewusst sein, davon Zeugnis abzulegen, was geschehen ist. Dieser Film hat eine klare Botschaft: Wir müssen der Welt zeigen, was Hass anrichten kann. Wir dürfen weder die Opfer des ukrainischen Volkes noch seine Widerstandsfähigkeit angesichts des Grauens vergessen. Die Perspektive einer Mitgliedschaft der Ukraine in der EU ist nicht nur ein Beweis für unsere gemeinsamen Werte, sondern auch ein Hoffnungsschimmer für eine bessere Zukunft“, so EWSA-Präsident Oliver Röpke

„‘20 Tage in Mariupol‘ vermittelt einen schwer zu ertragenden, aber notwendigen Blick auf das durch die Aggression Russlands verursachte Leid. Ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass unser Ausschuss in dieser schrecklichen Zeit unbeirrt an der Seite der Ukraine und ihrer dynamischen Zivilgesellschaft gestanden hat. Ihre Anwesenheit heute Abend bedeutet uns sehr viel", erklärte EWSA-Vizepräsident für Kommunikation Laurențiu Plosceanu. Der EWSA steht der Ukraine und ihrer Zivilgesellschaft vom ersten Tag des russischen Angriffskrieges an fest zur Seite und hat im Rahmen der Plattform der Zivilgesellschaft „EU-Ukraine“ seine Zusammenarbeit mit ukrainischen Organisationen der Zivilgesellschaft noch verstärkt. Er hat den Ukraine-Hub eingerichtet, der ukrainischen zivilgesellschaftlichen Organisationen in Belgien Räumlichkeiten zum Arbeiten bietet. Er hat die Initiative „Erweiterungskandidatenmitglieder“ ins Leben gerufen, damit der EWSA sein Fachwissen mit ukrainischen zivilgesellschaftlichen Organisationen teilen kann. Eine hochrangige EWSA-Delegation unter Leitung von Oliver Röpke besuchte im November die Ukraine und traf mit der Wirtschaftsministerin Julija Swyrydenko, Vertretern des ukrainischen Parlaments, der Werchowna Rada, und der Zivilgesellschaft zusammen. An Gedenkstätten gedachten die EWSA-Mitglieder der ukrainischen Opfer des Krieges. 

Die auf Initiative des lettischen EWSA-Mitglieds Andris Gobiņš organisierte Vorführung ist ein weiterer Beleg für die Solidarität der europäischen Zivilgesellschaft mit der Ukraine und ihrer Bevölkerung. Darüber hinaus hatten die Besucher die Gelegenheit, eine Fotoausstellung über das belagerte Mariupol zu sehen, die in Zusammenarbeit mit der ukrainisch-belgischen Vereinigung Ukra-Bel organisiert wurde und parallel zur Hauptveranstaltung gezeigt wurde.

Willkommen beim Podcast des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses „Die lokale Sicht“. Die Europawahl 2024 naht. Bei der Gelegenheit wollen wir die Hoffnungen und Anliegen von drei Gruppen beleuchten, deren Stimmen von politischen Entscheidungsträgern oft ignoriert werden: Menschen mit Behinderungen, Seniorinnen und Senioren sowie junge Menschen.

Willkommen beim Podcast des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses „Die lokale Sicht“. Die Europawahl 2024 naht. Bei der Gelegenheit wollen wir die Hoffnungen und Anliegen von drei Gruppen beleuchten, deren Stimmen von politischen Entscheidungsträgern oft ignoriert werden: Menschen mit Behinderungen, Seniorinnen und Senioren sowie junge Menschen. 

Unsere Gäste: Milan Šveřepa, Vorsitzender von Inclusion Europe, äußert sich zur Zugänglichkeit der Europawahl 2024. Die Jugendaktivistin und Influencerin Nina Skočak erzählt uns, was für junge Menschen auf dem Spiel steht. Von Dr. Heidrun Mollenkopf, der Vorsitzenden der AGE-Plattform, die sich für Seniorinnen und Senioren einsetzt, erfahren wir, ob sich ältere Menschen in Wahldebatten einbezogen fühlen oder ob sie das Gefühl haben, nicht ernst genommen zu werden und von der Politik bereits abgeschrieben zu sein. Der für Kommunikation zuständige Vizepräsident des EWSA, Laurențiu Plosceanu, spricht darüber, was der EWSA tut, um der Stimme der Zivilgesellschaft besser Gehör zu verschaffen und dafür zu sorgen, dass die Schwächsten nicht ausgegrenzt werden. 

Hören Sie sich unseren Podcast an, nutzen Sie Ihre Stimme und bringen Sie ihre Meinung zum Ausdruck. Gestalten Sie das Europa, das Sie wollen!

von Cillian Lohan 

Der freie Personenverkehr in der EU hat für alle Beteiligten zahlreiche Vorteile mit sich gebracht. Für junge Menschen ist Mobilität stets besonders wichtig gewesen, denn so konnten sie in verschiedene europäische Kulturen eintauchen und die Lebensweise anderer Länder in Europa kennenlernen. Dabei haben sie auch erkannt, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben. Arbeit oder Studium in einem anderen Land helfen uns dabei, unsere Gemeinsamkeiten als Menschen besser zu verstehen. Unabhängig von unserer Sprache, unserer Ernährung oder unserem Wetter haben wir so viele Dinge gemein – Beziehungen zu Familie und Freunden, Hoffnungen und Kämpfe, Herausforderungen und Chancen.

von Cillian Lohan 

Der freie Personenverkehr in der EU hat für alle Beteiligten zahlreiche Vorteile mit sich gebracht. Für junge Menschen ist Mobilität stets besonders wichtig gewesen, denn so konnten sie in verschiedene europäische Kulturen eintauchen und die Lebensweise anderer Länder in Europa kennenlernen. Dabei haben sie auch erkannt, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben. Arbeit oder Studium in einem anderen Land helfen uns dabei, unsere Gemeinsamkeiten als Menschen besser zu verstehen. Unabhängig von unserer Sprache, unserer Ernährung oder unserem Wetter haben wir so viele Dinge gemein – Beziehungen zu Familie und Freunden, Hoffnungen und Kämpfe, Herausforderungen und Chancen. 

Durch diesen Austausch zwischen Ländern entsteht eine Gesellschaft erwachsener Menschen, die anderen gegenüber Offenheit und Verständnis zeigen. Dann sehen wir in den Bürgerinnen und Bürgern unserer europäischen Nachbarländer keine Fremden mehr, sondern Freunde. 

Dies spielt für die Wahrung von Frieden und Stabilität auf unserem Kontinent eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Mobilität junger Menschen bildet den Eckpfeiler der derzeitigen Kooperation und Zusammenarbeit.

Vor diesem Hintergrund habe ich eine Initiativstellungnahme zur Mobilität junger Menschen und zu den Beziehungen zwischen ihnen in der EU nach dem Brexit vorgeschlagen. Mit meinen Kolleginnen und Kollegen, den Bediensteten und den Mitgliedern haben wir die betroffenen Gruppen umfassend konsultiert. Dazu gehörten Vertreter der EU und des Vereinigten Königreichs; wir haben uns in Videokonferenzen oder persönlich getroffen und auch per E-Mail ausgetauscht. Unsere Arbeit wurde auf der EWSA-Plenartagung von einer überwältigenden Mehrheit unterstützt. 

Die europäischen Institutionen reagierten darauf mit einem umfassenden Angebot an verbesserten Mobilitätsprogrammen für junge Menschen im Vereinigten Königreich. Dies wurde zunächst vom Vereinigten Königreich abgelehnt, doch werden wir weiterhin die Vorteile für alle Seiten aufzeigen.

Im Übrigen profitieren nicht nur in Vollzeitausbildung befindliche Personen wie Hochschulstudierende von Programmen wie Erasmus+ oder dem Fonds „Kreatives Europa“: Mit derartigen EU-Initiativen können junge Menschen aus allen Gesellschaftsbereichen an Austauschprogrammen teilnehmen und einmalige Erfahrungen sammeln.

Oft werden nur die damit verbundenen Kosten und der finanzielle Ertrag berücksichtigt. Dies spiegelt jedoch nur einen Aspekt des Wertes wider: Der tatsächliche Wert von Mobilität und Austausch liegt in gemeinsamen Erfahrungen und gegenseitigem Verständnis. Ein lebendiger, multikultureller Kontinent benötigt Interaktion und Freizügigkeit. Im EWSA werden wir uns weiterhin dafür einsetzen. Konkret gehen wir mit gutem Beispiel voran und arbeiten weiterhin mit der Zivilgesellschaft im Vereinigten Königreich zusammen. 

Wir haben eine Vereinbarung mit der Civil Society Alliance des Vereinigten Königreichs und eine spezifische Vereinbarung mit SAFE in Schottland (in Zusammenarbeit mit unserem ehemaligen EWSA-Mitglied Irene Oldfather) unterzeichnet. Diese Kooperation werden wir fortsetzen und ausbauen. Der Jugendsektor ist in schwierigen Zeiten und insbesondere beim Klimaschutz vorangegangen. Lassen Sie uns auf institutioneller Ebene zusammenarbeiten, um junge Menschen mit allen für den Ausbau ihrer Tätigkeit notwendigen Instrumente auszustatten und um die Energie der Jugend zugunsten einer helleren Zukunft für uns alle zu nutzen.

Europas Plan gegen den Krebs und die Sicherheit der Versorgung mit medizinischen Radioisotopen

Document Type
AS

Strategie für die europäische Verteidigungsindustrie

Document Type
AS

Industrielles CO2-Management

Document Type
AS

von Stefano Mallia, Vorsitzender der Gruppe Arbeitgeber des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses

Aufgrund der Erfahrungen der letzten zwei Jahrzehnte und der insgesamt sieben Erweiterungsrunden seit Beginn des Projekts Europa sollten anlässlich des Jahrestags der großen Erweiterung von 2004 auch Fakten und Zahlen angeführt werden, um die in der emotionalen Debatte im Vorfeld der Europawahl im Juni aufgebrachten Zweifel zu zerstreuen.

von Stefano Mallia, Vorsitzender der Gruppe Arbeitgeber des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses

Aufgrund der Erfahrungen der letzten zwei Jahrzehnte und der insgesamt sieben Erweiterungsrunden seit Beginn des Projekts Europa sollten anlässlich des Jahrestags der großen Erweiterung von 2004 auch Fakten und Zahlen angeführt werden, um die in der emotionalen Debatte im Vorfeld der Europawahl im Juni aufgebrachten Zweifel zu zerstreuen.

Der seit drei Jahren andauernde Krieg in der Ukraine hat das Thema Erweiterung wieder ins Zentrum der geopolitischen Agenda Europas gerückt. Mit der raschen Verleihung des Bewerberlandstatus an die Ukraine, Moldau, Bosnien und Herzegowina und Georgien sowie der lang erwarteten Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien und Albanien wurde in der Erweiterungspolitik nach Jahren der Stagnation ein wichtiger Durchbruch erzielt.

Um diese neue Dynamik aufrechtzuerhalten, sollten wir auch die wirtschaftlichen Argumente für die Erweiterung ins Feld führen.

Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit sind zweifellos wichtige unantastbare Grundsätze, ebenso der leistungsorientierte Ansatz im Erweiterungsprozess, bei dem es keine Abstriche geben darf. Letztlich müssen die Menschen aber von den potenziellen wirtschaftlichen Vorteilen und dem für die nächste Generation in Europa in Aussicht gestellten Wohlstand überzeugt werden.

Wenn aus der Vergangenheit Schlüsse für die Zukunft gezogen werden können, dann sind es unbestreitbar die wirtschaftlichen Argumente für die Erweiterung. So hat sich z. B. der Handel zwischen den alten und den neuen Mitgliedstaaten während des formellen Heranführungsprozesses 1994 bis 2004 fast verdreifacht und zwischen den neuen Mitgliedstaaten verfünffacht. Die Wirtschaft der EU-15 verzeichnete vom Beginn des Beitrittsprozesses bis 2008 jährlich ein durchschnittliches Wachstum um 4 %, wozu der Beitritt fast die Hälfte beitrug, und im Zeitraum 2002-2008 wurden drei Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen.

Die COVID-19-Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben deutlich gemacht, dass die EU ihre wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit hinterfragen muss, insbesondere vor dem Hintergrund des grünen Wandels und der Digitalisierung. REPowerEU sieht eine Steigerung der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen in Europa vor. Gemäß der Netto-Null-Industrie-Verordnung und der Verordnung zu kritischen Rohstoffen sollen 40 % der grünen Wertschöpfungs- und Rohstoffketten in die EU verlagert werden. Die EU-Beitrittskandidaten, insbesondere die Ukraine, können dabei eine wichtige Rolle spielen und für mehr wirtschaftliche Sicherheit sorgen.

Was die natürlichen Ressourcen betrifft, verfügt die Ukraine nach Norwegen über die größten Erdgasvorkommen in Europa. Das Land liegt auch bei der Stromerzeugung aus Wasserkraft in Europa mit an der Spitze und könnte diese Energieerzeugung zusammen mit anderen grünen Energiequellen wie Windenergie, Solarenergie und Biomasse noch ausbauen. Die Ukraine ist zudem ein wichtiger Exporteur von Metallen und hat Vorkommen an Lithium und seltenen Erden, die für die grünen und digitalen Branchen von entscheidender Bedeutung sind.

Darüber hinaus ist die ukrainische Landwirtschaft einer der größten Agrarsektoren der Welt. Ihre Integration in den Binnenmarkt würde die Ernährungssicherheit der EU erheblich erhöhen.

Auch für die Länder des westlichen Balkans liegen die Vorteile einer stärkeren Beteiligung am Binnenmarkt klar auf der Hand. Kroatiens BIP ist z. B. seit dem EU-Beitritt des Landes im Jahr 2013 stetig gestiegen, damit auch die Einkommen seiner Bürgerinnen und Bürger. So wuchs das Pro-Kopf-BIP durchschnittlich um 67 % (von 10 440 EUR im Jahr 2013 auf über 17 240 EUR).

Der Weg in die EU wird für die bis zu neun Beitrittsländer schwierig werden, ist aber alternativlos: wenn die EU eine globale Machtposition anstrebt, muss sie zunächst eine regionale Macht werden. 

Von Pat Cox

Unser heutiger Gast ist der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Pat Cox, der auf die große Erweiterung vor 20 Jahren als eine Zeit der großen Hoffnung zurückblickt: Endlich konnten Ost und West, die beiden Hälften des Kontinents, wieder zueinander finden. Während Putin von der slawischen Brüderschaft fabuliert, seine angeblichen Brüder aber mit Marschflugkörpern terrorisiert, bleibt die EU ein freiwilliger, auf den Grundwerten der Achtung der Menschenrechte, der Gleichheit und der Rechtsstaatlichkeit beruhender Zusammenschluss freier und souveräner Völker.

Von Pat Cox

Unser heutiger Gast ist der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Pat Cox, der auf die große Erweiterung vor 20 Jahren als eine Zeit der großen Hoffnung zurückblickt: Endlich konnten Ost und West, die beiden Hälften des Kontinents, wieder zueinander finden. Während Putin von der slawischen Brüderschaft fabuliert, seine angeblichen Brüder aber mit Marschflugkörpern terrorisiert, bleibt die EU ein freiwilliger, auf den Grundwerten der Achtung der Menschenrechte, der Gleichheit und der Rechtsstaatlichkeit beruhender Zusammenschluss freier und souveräner Völker.

Der am 1. Mai 2004 vom irischen EU-Ratsvorsitz in Dublin ausgerichtete Begrüßungstag und die Begrüßungszeremonie im Europäischen Parlament in Straßburg am 3. Mai 2004 waren für mich politisch und emotional Tage von beispiellosem Optimismus und Hoffnung, ein symbolischer Akt der Heimkehr und der Wiedervereinigung des Kontinents, dessen beide Hälften – Ost und West – wieder zueinander fanden. In Dublin rezitierte Seamus Heaney sein Gedicht Beacons in Bealtaine, in dem er den grundlegenden Optimismus in Bezug auf die historische Erweiterung mit den Worten zum Ausdruck brachte: „Move lips, move minds and make new meanings flare.“. In Straßburg wurden die zehn Flaggen der neuen Mitgliedstaaten an riesigen Flaggenmasten gehisst, die als Geschenk Polens in den Werften von Danzig gefertigt worden waren. Ihre Reise nach Straßburg war eine symbolische Erinnerung an die Reise vom Kommunismus in Freiheit, die durch die Anwesenheit von Lech Wałęsa personalisiert wurde.

Natürlich war die Veranstaltung für alle der Höhepunkt einer jahrelangen komplexen Vorbereitung auf beiden Seiten. Es herrschte Freude und zugleich Erleichterung bei allen Beteiligten über den Abschluss eines politischen und administrativen Langstreckenlaufs.

Ich sehe in der Erweiterung das vielleicht mächtigste, transformativste und zugleich erfolgreichste politische Instrument der EU der vergangenen fünf Jahrzehnte. Mein eigenes Land, Irland, trat bei der ersten Erweiterungsrunde am 1. Januar 1973 bei. Irland war damals der ärmste Staat mit den ärmsten Regionen in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Die Zugehörigkeit zu einem großen Markt, die europäische Solidarität im Form des Regional- und später des Kohäsionsfonds in den ersten Jahrzehnten der Mitgliedschaft, höhere Standards in der Gleichstellungs- und Umweltpolitik, die Unterstützung des Friedensprozesses in Nordirland und die Anerkennung der spezifischen Folgen des Brexits für Irland, das als einziger EU-Staat eine Landgrenze mit dem Vereinigten Königreich hat– all das führte im Ergebniss zu besonders positiven Erfahrungen und entsprechenden Ergebnissen. Und auch wenn nicht alles immer so glatt lief, vor allem nicht während der Eurokrise, so ist die Gesamtbilanz doch sehr positiv.

Obwohl ich die Entscheidung des Vereinigten Königreichs, die EU zu verlassen, respektiere und bedauere, zeigt sie doch eines eindeutig: Die EU ist ein freiwilliger Zusammenschluss freier und souveräner Völker, dem man sich aus freien Stücken anschließen kann, und den man ebenso frei wieder verlassen kann. Das steht im starken Kontrast zum neoimperialistischen Krieg Putins in der Ukraine. Putin erzählt täglich seine Mär von der slawischen Brüderschaft – mit Gewehrläufen, detonierenden Raketen und todbringenden Drohnen.

Der Beitritt Griechenlands, Portugals und Spaniens half seinerzeit diesen Ländern, die Diktatur hinter sich zu lassen und erfolgreiche Demokratien aufzubauen, in denen es mit dem Lebensstandard und der Lebensqualität bergauf geht.

Die große Erweiterung von vor 20 Jahren bescherte den neuen Mitgliedstaaten insbesondere in Mittel- und Osteuropa ein spektakuläres Wachstum, das durch steigende Investitionen, den zunehmenden Handel und die Solidarität der EU angetrieben wurde. Im Durchschnitt stieg das Pro-Kopf-BIP dieser Länder in den beiden Jahrzehnten inflations- und währungsbereinigt von weniger als der Hälfte des EU-Durchschnitts auf drei Viertel des seinerseits angestiegen EU-Durchschnitts. Litauens Pro-Kopf-BIP hat sich in diesem Zeitraum verdreifacht. Das Gesundheitswesen und das Bildungswesen haben sich verbessert, was Fortschritte bei der Lebensqualität und dem Lebensstandard mit sich brachte. Die landwirtschaftliche Produktion in der gesamten Region hat sich verdoppelt. Alles in allem hat die große Erweiterung wie auch alle früheren Erweiterungsrunden sowohl den beitretenden Staaten als auch der EU genutzt. Dies stimmt mich in Sachen Erweiterung optimistisch, wenngleich ich keinesfalls blauäugig bin.

Die Ereignisse der letzten Jahre in Polen und immer wieder auch in Ungarn lassen erahnen, was hinter der abweichenden Haltung in Bezug auf die EU-Standards für Rechtsstaatlichkeit, Medienfreiheit oder Minderheitenrechte steckt: Der Beitritt zur EU wird als Mittel zum Wohlstand angestrebt, aber die EU als Wertegemeinschaft wir abgelehnt. Der ungarische Ministerpräsident prahlt mit der illiberalen Demokratie in seinem Land. Und wie auch immer man Artikel 2 EUV auslegen mag, so ist er sicherlich keine Charta für eine illiberale Demokratie. („Die Werte, auf die sich die Europäische Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität und die Gleichheit von Frauen und Männern auszeichnet.“)

Dieser Artikel gehörte zu den Beitrittsbedingungen und ist in allen Beitrittsverträgen verankert; ihm haben alle beigetretenen Staaten zugestimmt. Die Formel „Behaltet eure Werte und schickt uns nur euer Geld“ bildet keine tragfähige Grundlage für gegenseitigen Respekt. Das sollte auch auf die derzeitigen Beitrittskandidaten, die nach besten Kräften versuchen, sich auf den EU-Beitritt vorzubereiten, seine Wirkung nicht verfehlen. Ich gehe davon aus, dass die Kopenhagener Kriterien in künftigen Verhandlungen stärker im Vordergrund stehen werden; möglicherweise wird es Beitrittsklauseln geben, die der EU eine robustere Handhabe zur Verteidigung von Rechten und Werten bieten. Die EU ist mehr als ein Markt, und der materielle Fortschritt, so wünschenswert er auch ist, ist nicht ihre einzige und nicht einmal ihre wichtigste Daseinsberechtigung.

Die bisherige Erweiterungsbilanz war für alle Beteiligten im Wesentlichen positiv, was einen positiven Ausblick rechtfertigt. Die beitrittswilligen Länder werden in ihrem eigenen Tempo tiefgreifende Veränderungen durchlaufen müssen. Auch die EU wird bei der Aufnahme neuer Mitgliedstaaten sowie im Rahmen der Heranführungshilfe ihre Hausaufgaben in Bezug auf ihren Beschlussfassungsprozess und ihre Haushaltskapazität machen müssen. Nach der Verleihung des Status als Kandidatenland und der anschließenden Prüfung erfordern die Verhandlungsrahmen, die Eröffnung und die Schließung der Verhandlungskapitel sowie schlussendlich die Beitrittsverträge allesamt die Einstimmigkeit im Rat. Keine dieser Etappen ist unkompliziert oder einfach. Die Hoffnung ist, dass alle Mitgliedstaaten die Verpflichtung zur „loyalen Zusammenarbeit“ einhalten und helfen, die sich aus dem Vertrag ergebenden Aufgaben zu erfüllen (Artikel 4 Absatz 3 EUV).

Die Ukraine ist Sonderfall. Dies hängt mit ihrer Größe, ihrem im Vergleich zum EU-Durchschnitt relativen hohen Anteil der Landwirtschaft und ihrer relativen Armut gemessen am Pro-Kopf-BIP und natürlich mit dem Krieg und seinen verheerenden Folgen zusammen. Dennoch können die Verhandlungen aufgenommen werden. Die Ukraine ist mit ihrem Assoziierungsabkommen und ihrem vertieften und umfassenden Freihandelsabkommen mit der EU bereits auf dem Weg zur Integration. Diese Abkommen könnten im Laufe der Zeit schrittweise ausgeweitet werden, doch letztlich werden geordnete territoriale Verhältnisse und ein stabiler Frieden – in dem die Aussicht auf EU-Mitgliedschaft eine Rolle spielen kann – eine wesentliche Voraussetzung für den Beitritt sein. Die EU braucht Stabilität und nicht Chaos an ihrer östlichen Flanke. Deshalb ist die Aufnahme der Ukraine letztlich genauso im gemeinsamen Interesse wie auch im Interesse der Ukraine.

Pat Cox, Präsident des Europäischen Parlaments von 2002 bis 2004

Pat Cox ist ein irischer Politiker und Journalist. Von 2002 bis 2004 war er Präsident des Europäischen Parlaments und von 2005 bis 2011 Präsident der Europäischen Bewegung International. Seit 2015 leitet er die Jean-Monnet-Stiftung.  Er ist außerdem europäischer Koordinator für den TEN-V-Kernnetzkorridor Skandinavien-Mittelmeer (Verkehr) der EU und Leiter der Bedarfsermittlungs- und Umsetzungsmission des Europäischen Parlaments zur parlamentarischen Reform der Werchowna Rada in der Ukraine. In seiner frühen Laufbahn berichtete er als Fernsehjournalist für den Sender RTE in Dublin über aktuelle Angelegenheiten. Im Jahr 2004 wurde Pat Cox für sein parlamentarisches Engagement für die Erweiterung der EU mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen geehrt.