Ob es nun um den Zustand der Demokratie im Allgemeinen oder die Europäische Bürgerinitiative (EBI) im Besonderen geht – es sieht nicht gut aus.

Ob es nun um den Zustand der Demokratie im Allgemeinen oder die Europäische Bürgerinitiative (EBI) im Besonderen geht – es sieht nicht gut aus.

Am 7. März hat „Varieties of Democracy“ seinen aktuellen Bericht über den Zustand der Demokratie in der Welt vorgelegt. Demnach ist der Anteil der Menschen, die in einer Demokratie leben, inzwischen auf den Stand von vor fast 40 Jahren zurückgegangen. Zwar sind dieses Jahr weltweit mehr Wahlberechtigte als je zuvor aufgefordert, an Wahlen teilzunehmen, doch finden diese Wahlen oftmals in Ländern statt, die sich zunehmend zu Autokratien entwickeln.

Ähnliche Bedenken wurden auch während der ersten Woche der Zivilgesellschaft geäußert, die Anfang März vom Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss ausgerichtet wurde. Hier galten die Bedenken der Europäischen Bürgerinitiative (EBI). Die EBI ist das weltweit erste transnationale Instrument der direkten Demokratie. Vertretern der Zivilgesellschaft, der Medien, der Wissenschaft und der EBI-Verwaltung zufolge ist die Initiative „zu kompliziert“, „zu unattraktiv“, „ineffizient“ sowie „kaum bekannt“ und findet „kaum Vertrauen“ – um nur einige der wenig schmeichelhaften Reaktionen zu zitieren.

Aus meiner Sicht sind diese äußerst kritischen Bewertungen nicht nur erschreckend zutreffend, die Kritik fällt eigentlich auch zu zurückhaltend und sparsam aus. Die weltweit vorherrschende Staats- und Regierungsform sollte schließlich die Demokratie sein! Doch dazu müssten Bürger und Wahlberechtigte weltweit bei weitem mehr erstreiten, als ihnen derzeit zugestanden wird. 

Es gilt nicht nur, sich gegen die Angst, die heutigen Diktatoren und deren feige Gefolgschaft zur Wehr zu setzen. Der Vorstoß muss viel stärker sein. Eine Möglichkeit wäre es, die Europäische Bürgerinitiative weiterzuentwickeln.

Denn was hat die EBI zu bieten? Drei Dinge: Ein Recht, ein Instrument und eine Handhabe, die es so in der Geschichte oder in der Welt noch nie gab. Die EBI ist komplex und umfassend angelegt, digital, direktdemokratisch, transnational, mit einer entsprechenden Infrastruktur ausgestattet und wird intensiv genutzt. 

Seit der EBI-Mechanismus 2012 ins Leben gerufen wurde, werden immer neue Europäische Bürgerinitiativen initiiert und umgesetzt und nachgebessert. Das beweist, dass der demokratische Handlungsspielraum selbst unter widrigsten Umständen ausgeweitet und konsolidiert werden kann.

Es steht zu hoffen, dass aus dem „verwöhnten Kind“ im nächsten Jahr, also im zarten Alter von 13 Jahren, ein „rebellischer Teenager“ wird, der Europa und der Welt endlich zeigt, wozu er fähig ist. Wir brauchen diese neue, ungebändigte Kraft, um die verkrusteten Denkmuster der Nationalstaaten und bürokratisierten Strukturen der Europäischen Union aufzubrechen und ihnen neues Leben einzuhauchen. 

Um es ganz offen zu sagen: Es bringt nichts, die demokratischen Formen des Miteinanders immer wieder neu zu erfinden und das für innovativ zu halten. Stattdessen sollten wir uns der EBI zuwenden, damit sie schließlich, mit 16 Jahren oder zumindest am Ende dieses Jahrzehnts mit 18 Jahren „erwachsen“ wird.  

Was das bedeutet? Bis 2028 oder 2030 müssen zwei wichtige Dinge geschehen: Zum Ersten muss die EBI dieselben Befugnisse zur Festlegung der Agenda wie das Europäische Parlament erhalten. Mit anderen Worten: EU-Bürger sollten genau wie gewählte Mitglieder des Europäischen Parlaments Rechtsvorschriften und andere Regierungsmaßnahmen vorschlagen können.

Zum Zweiten sollten EU-Bürger bis zum Ende dieses Jahrzehnts zu grundsätzlichen Fragen nicht nur Rechtsvorschriften auf den Weg bringen, sondern auch europaweite Volksabstimmungen (Referenden) erwirken können. Die Idee eines europaweiten Referendums ist nicht neu, doch dank der Einrichtung der EBI und ihrer ersten Jahre ist die Zeit nun reif dafür.

Wenn es ausgehend von der EBI gelingt, eine solche Zukunft aufzubauen, dann werden die Menschen einmal rückblickend erkennen, dass sie der Europäischen Bürgerinitiative eine der bemerkenswertesten demokratischen Errungenschaften seit der Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts im 20. Jahrhundert zu verdanken haben.

Das slowakische Projekt Verrückt? Na und! der Organisation Integra bringt Schülerinnen und Schüler mit Menschen zusammen, die schon einmal psychische Probleme hatten. Während eines ganzen Schultags erfahren die Jugendlichen aus erster Hand, was es bedeutet, eine psychische Krise zu überwinden und wie man sich Hilfe holen kann. Laut der Leiterin von Integra, Jana Hurová, trägt das Projekt dazu bei, die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Problemen abzubauen und lässt betroffene Jugendliche neue Hoffnung schöpfen.

Das slowakische Projekt Verrückt? Na und! der Organisation Integra bringt Schülerinnen und Schüler mit Menschen zusammen, die schon einmal psychische Probleme hatten. Während eines ganzen Schultags erfahren die Jugendlichen aus erster Hand, was es bedeutet, eine psychische Krise zu überwinden und wie man sich Hilfe holen kann. Laut der Leiterin von Integra, Jana Hurová, trägt das Projekt dazu bei, die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Problemen abzubauen und lässt betroffene Jugendliche neue Hoffnung schöpfen.

Was war der Anstoß für Ihr Projekt?

Unsere Organisation unterstützt seit vielen Jahren Menschen mit psychischen Problemen. Durch ihre Krankheit haben sie ihren Arbeitsplatz, ihre Wohnung, ihre Freunde und manchmal auch ihre Familie verloren. Ihre ganze Welt ist zusammengebrochen. Vor fast 30 Jahren haben wir in der Slowakei begonnen, gemeindenahe Dienstleistungen im Bereich der psychischen Gesundheit anzubieten. Ziel war es, dafür zu sorgen, dass Menschen nach der Behandlung in einem psychiatrischen Krankenhaus Hilfe bekommen und in ihr normales Leben zurückkehren können. Wir haben die Entstehung von Patientenorganisationen in der Slowakei unterstützt und verschiedene Programme zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen durchgeführt. Wir kümmern uns um Menschen mit schweren psychischen Problemen, insbesondere Schizophrenie. Vielen von ihnen ist es bereits gelungen, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren und einen Sinn in ihrem Leben zu finden.

Von Anfang an haben wir neue Wege beschritten und die von uns unterstützten Menschen als Partner gesehen, um ihren Bedürfnissen bestmöglich gerecht zu werden. Bei dem Projekt Verrückt? Na und! verfolgen wir einen ähnlichen Ansatz. Viele unserer Klientinnen und Klienten haben das Gefühl etwas Nützliches zu tun, indem sie Jugendliche treffen und anhand ihrer persönlichen Erfahrung darüber sprechen, was ihnen in deren Alter fehlte und was später ihre psychischen Probleme ausgelöst hat.

Es besteht zunehmender Bedarf, die Bedeutung der psychischen Gesundheit hervorzuheben. Wissen, wie man eine persönliche Krise bewältigt, ist eine große Stärke.

Das Projekt Verrückt? Na und! haben wir in der Slowakei 2005 gemeinsam mit Partnern aus Deutschland und Tschechien gestartet. Allerdings ist es uns erst vor Kurzem gelungen, es auf eine stabilere Grundlage zu stellen und auszuweiten. Wir haben eine Coachingausbildung eingeführt, arbeiten neue Teams ein und besuchen neue Schulen.

Wie wurde Ihr Projekt aufgenommen? Haben Sie Rückmeldungen von den Menschen erhalten, denen Sie geholfen haben?  (Können Sie gegebenenfalls ein Beispiel nennen?)

Es beeindruckt junge Menschen immer sehr, wenn sie die Möglichkeit haben, jemanden zu treffen, der eine psychische Krise überwunden hat und den sie alles fragen können. So lernen sie, dass sich immer Hilfe findet, falls sie selbst Probleme haben sollten. Die Tatsache, dass es sich um einen ganzen Schultag handelt und die Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet, wird immer positiv wahrgenommen.

Menschen, die persönliche Erfahrungen mit psychischen Problemen haben, können Jugendlichen den Mut geben, ihre eigenen anzugehen. In fast jeder Klasse hat jemand solche Probleme. Diesen Schülerinnen und Schülern ein bisschen Hoffnung zu geben, ist unschätzbar wertvoll. Das Erzählen ihrer Geschichte bietet Betroffenen die Möglichkeit, sich besser zu fühlen. Dabei entscheiden sie selbst, wie viel sie von ihrem Leben preisgeben wollen. Indem sie sich mitteilen, fühlen sie sich nützlich und verstanden.

Wir erhalten viel Feedback, wie z. B. von Schülerinnen und Schülern, die uns erklärten, dass sie in der Regel nicht die Möglichkeit haben, Menschen mit psychischen Problemen zu treffen, oder dass wir lernen sollten, solche Menschen zu akzeptieren und sie nicht dafür zu verurteilen, anders zu sein.

Auch von an dem Projekt beteiligten Personen mit psychischen Problemen gibt es Rückmeldungen. Eine Person vertraute uns an:

„Das Projekt gibt mir den Mut, zu mir zu stehen. Ich will endlich leben! Mit Schülerinnen und Schülern zu sprechen, ist schwer, aber auch eine dankbare Aufgabe. Sie sind sehr offen und haben kaum Angst vor sozialen Kontakten. Das Schönste für mich ist, festzustellen, dass uns viel mehr verbindet als trennt und ich nicht als ‘verrückt’ wahrgenommen werde. Es ist toll, dass ich Menschen dabei helfen kann, endlich offen über psychische Probleme zu sprechen und sich nicht mehr schämen oder verstecken zu müssen.“

Was uns anspornt, sind die Jugendlichen. Nach jedem unserer Projekttage hören wir, wie wichtig das Projekt Verrückt? Na und! für sie ist und dass es fortgesetzt werden sollte, damit alle jungen Menschen in der Slowakei sich bewusst werden können, wie wertvoll ihre psychische Gesundheit ist.

Planen Sie bereits neue Projekte?

Wir wünschen uns, dass alle Jugendlichen die Möglichkeit bekommen, an einem solchen Projekttag teilzunehmen, und dass wir das Projekt auf andere Regionen der Slowakei ausdehnen können. Ansonsten besteht es bereits in Deutschland (wo es konzipiert wurde), Tschechien und Österreich. Dieses Jahr haben wir auch die ersten Teams in der Ukraine geschult.

Für wie wichtig halten Sie es, offen über psychische Probleme zu sprechen? Was ist die Botschaft Ihres Projekts?

Wir wollen vermitteln, dass psychische Probleme keine Schande sind. Eine Schande wäre es allerdings, nichts für die eigene Gesundheit zu tun. Denn es gibt keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit.

Der Hauptgedanke hinter dem Projekt Verrückt? Na und! ist also, rechtzeitig die Bedeutung der psychischen Gesundheit hervorzuheben und gleichzeitig das Verständnis für Menschen mit psychischen Problemen zu fördern.

Wir haben festgestellt, dass Vorbeugen viel besser ist als Heilen. Und auch wirksamer. Wir machen Mut, motivieren und sind optimistisch. Es findet sich immer Hilfe. Manchmal reicht es, jemanden zum Reden zu haben. Für seine Träume zu kämpfen, ist nie einfach, aber es lohnt sich.

Die Datenlage zur psychischen Gesundheit in der EU gibt wahrlich keinerlei Anlass, sich entspannt zurückzulehnen, sie sollte uns vielmehr aufrütteln. Der EWSA spricht sich sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene für stärkere Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit aus. Außerdem fordert er verbindliche Rechtsvorschriften zur Prävention psychosozialer Risiken am Arbeitsplatz. Mit dem Preis der Zivilgesellschaft zum Thema psychische Gesundheit würdigt der EWSA die anhaltenden Bemühungen der Zivilgesellschaft um die Verbesserung des Wohlbefindens der Menschen in Europa.

Die Datenlage zur psychischen Gesundheit in der EU gibt wahrlich keinerlei Anlass, sich entspannt zurückzulehnen, sie sollte uns vielmehr aufrütteln. Der EWSA spricht sich sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene für stärkere Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit aus. Außerdem fordert er verbindliche Rechtsvorschriften zur Prävention psychosozialer Risiken am Arbeitsplatz. Mit dem Preis der Zivilgesellschaft zum Thema psychische Gesundheit würdigt der EWSA die anhaltenden Bemühungen der Zivilgesellschaft um die Verbesserung des Wohlbefindens der Menschen in Europa.

  1. Angesichts des europaweit verzeichneten sprunghaften Anstiegs psychischer Erkrankungen wie Angststörungen und Depressionen im Zuge der COVID-Pandemie hat der EWSA beschlossen, seinen prestigeträchtigen Preis der Zivilgesellschaft dem Thema der psychischen Gesundheit zu widmen. Nach Angaben der OECD hat sich die Zahl junger Menschen mit Angstsymptomen in mehreren europäischen Ländern mehr als verdoppelt. Auch Essstörungen treten seit der Pandemie insbesondere bei Jugendlichen früher auf. Schon vor COVID-19 waren mindestens 84 Millionen Menschen, d. h. ca. 17 % der Bevölkerung, in der EU von psychischen Problemen betroffen.
  2. Circa 4 % der Todesfälle in der EU sind jedes Jahr auf psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen zurückzuführen. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen sind enorm: Die direkten und indirekten Kosten belaufen sich auf ungefähr 4 % des BIP. Mehr als ein Drittel dieser Kosten sind auf niedrigere Beschäftigungsquoten und eine geringere Arbeitsproduktivität zurückzuführen.
  3. 2020 gaben laut Eurostat 44,6 % der erwerbstätigen Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren in der EU an, bei der Arbeit mit Risikofaktoren für ihr psychisches Wohlbefinden konfrontiert zu sein. Als häufigsten Risikofaktor für das psychische Wohlbefinden am Arbeitsplatz nannten fast 20 % der Erwerbstätigen in der EU Arbeitsüberlastung oder Zeitdruck.
  4. Das psychische Wohlbefinden steht auf der politischen Agenda der EU ganz oben. Dementsprechend hat die Kommission im Juni 2023 eine umfassende Herangehensweise für den Bereich der psychischen Gesundheit angenommen. Dieser neue Ansatz, den die EU mit Mitteln in Höhe von 1,23 Mrd. Euro fördert, zielt darauf ab, die psychische Gesundheit in allen Politikbereichen der EU zu fördern, und beruht auf drei Leitprinzipien: i) angemessene und wirksame Prävention, ii) Zugang zu hochwertiger und bezahlbarer psychischer Gesundheitsversorgung und Behandlung und iii) Wiedereingliederung in die Gesellschaft nach der Genesung. Die psychische Gesundheit hat auch für den EWSA politische Priorität und ist ein zentraler Punkt seiner Arbeit.
  5. Nicht weniger als 105 Projekte aus der ganzen EU wurden für den Preis der Zivilgesellschaft vorgeschlagen. Das Themenspektrum ist weit gefächert: von Projekten zur Prävention psychosozialer Risiken am Arbeitsplatz oder zur Bewältigung von Problemen wie Drogenmissbrauch und Onlinesucht bis hin zur Bekämpfung der Stigmatisierung psychischer Probleme und zur Förderung der gemeindenahen Unterstützung. Der EWSA hofft, dass er durch die prominente Würdigung dieses wichtigen Engagements nichtstaatlicher Akteure andere inspirieren kann, diesem Beispiel zu folgen. (sg)

Mit dem EWSA-Preis der Zivilgesellschaft werden gemeinnützige Projekte ausgezeichnet, die von Einzelpersonen, Organisationen der Zivilgesellschaft und Unternehmen durchgeführt werden. Der Preis ist jedes Jahr einem anderen wichtigen Thema aus dem Arbeitsbereich des EWSA gewidmet. Mit dem 14. Preis der Zivilgesellschaft zum Thema psychische Gesundheit werden die irische Stiftung „Third Age“ und ihr Netzwerk für soziales Engagement „AgeWell“ ausgezeichnet, die sich gegen Einsamkeit im Alter engagieren.

Mit dem EWSA-Preis der Zivilgesellschaft werden gemeinnützige Projekte ausgezeichnet, die von Einzelpersonen, Organisationen der Zivilgesellschaft und Unternehmen durchgeführt werden. Der Preis ist jedes Jahr einem anderen wichtigen Thema aus dem Arbeitsbereich des EWSA gewidmet. Mit dem 14. Preis der Zivilgesellschaft zum Thema psychische Gesundheit werden die irische Stiftung „Third Age“ und ihr Netzwerk für soziales Engagement „AgeWell“ ausgezeichnet, die sich gegen Einsamkeit im Alter engagieren.

Am 7. März zeichnete der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) fünf gemeinnützige Organisationen für ihren herausragenden Beitrag zur Bekämpfung psychischer Erkrankungen aus, die in der EU dramatisch zugenommen haben.

Das Preisgeld in Höhe von 50 000 Euro wurde unter fünf ausgezeichneten Projekten aufgeteilt.

Die irische Wohltätigkeitsstiftung Third Age erhielt den ersten Preis, der mit 14 000 Euro dotiert ist.

Die vier weiteren Preisträger in folgender Reihenfolge erhielten jeweils 9 000 Euro:

  • 2. Platz: Vereinigung Pro Lapinlahti, FINNLAND, für ihr Gemeinschaftszentrum Lapinlahden Lähde
  • 3. Platz: Integra, SLOWAKEI, für ihre Initiative „Crazy? So what!“
  • 4. Platz: Stiftung Lilinkoti, FINNLAND, für ihre Spiele The World of Recovery
  • 5. Platz: Organisation Animenta, ITALIEN, für ihr Projekt Telling Stories for Good

GEWINNER DES ERSTEN PREISES

Mit AgeWell, ihrem Netzwerk für soziales Engagement, hilft die irische Wohltätigkeitsstiftung Third Age älteren Menschen, die isoliert, gebrechlich und schutzbedürftig sind. Im Rahmen dieses einzigartigen gemeindenahen Diensts helfen Menschen über 50 gefährdeten und bedürftigen älteren Menschen. AgeWell bietet durch eine Kombination aus Hausbesuchen und einem Fragebogen zur psychischen Gesundheit auf dem Smartphone somit Gesellschaft und emotionale Unterstützung und trägt zur frühzeitigen Erkennung von Gesundheitsrisiken bei.

WEITERE AUSGEZEICHNETE PROJEKTE

Der zweite Platz geht an die finnische Vereinigung Pro Lapinlahti und ihr Gemeinschaftszentrum Lapinlahden Lähde („Der Frühling von Lapinlahti“). Das Zentrum, das im Rahmen der Renovierung des Krankenhauses von Helsinki in Lapinlahti errichtet wurde, organisiert verschiedene Workshops und Veranstaltungen rund um die psychische Gesundheit und zieht jedes Jahr 50 000 Besucher an. Das Zentrum ist eine „diagnosefreie Zone“, jeder darf sein, wie er ist, niemand wird abgestempelt oder aufgrund einer Diagnose stigmatisiert. Es geht darum, die Menschen zu stärken und nicht zu bevormunden.

Auf dem dritten Platz steht die slowakische Organisation Integra mit ihrer Initiative „Crazy? So what!“, die Stereotype durchbrechen will, indem sie bei jungen Menschen ein auf Mitgefühl basierendes Verständnis der psychischen Gesundheit fördert. Integra veranschaulicht, was es bedeutet, unter psychischen Störungen zu leiden, und zeigt Wege zur Genesung auf.

Die finnische Stiftung Lilinkoti erhielt den vierten Platz. Sie will psychische Gesundheit mit ihren innovativen und kreativen Spielen „The World of Recovery“ fördern. Die Spiele unterstützen die psychische Gesundheit durch Ziele, die ein gesundes Selbstbild, persönliche Autonomie und ein aktives und sinnvolles Leben anregen. Das erste Spiel ist ein gewaltfreies Handyspiel, bei dem zweiten Spiel handelt es sich um ein preisgekröntes Rollenspiel-Brettspiel. Die Zielgruppe der kostenlosen Spiele sind Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen und ehemalige Drogenabhängige sowie Fachleute.

Das Projekt „Telling Stories for Good“ der gemeinnützigen Organisation Animenta gewann den fünften Platz. Mit dem Projekt schreibt Animenta stereotype Narrative zu Essstörungen um. Allein in Italien leiden mehr als vier Millionen Menschen darunter, zwei Millionen der Betroffenen sind Jugendliche. Die Präventions- und Sensibilisierungsprogramme von Animenta werden von Freiwilligen im Internet und in Schulen in ganz Italien durchgeführt.

Der EWSA hat das Verfahren für den diesjährigen Preis im Juli 2023 eingeleitet. Indem der EWSA seinen Preis dem Thema psychische Gesundheit gewidmet hat, wollte er die Schlüsselrolle der Zivilgesellschaft bei der Behandlung und Prävention von Problemen im Bereich der psychischen Gesundheit würdigen. Die Preisträger wurden aus über 100 Bewerbungen aus 23 Mitgliedstaaten ausgewählt.

Bei früheren Ausgaben des Preises standen junge Menschen und die Hilfe für die Ukraine, der Klimaschutz, die Gleichstellung der Geschlechter, die Stärkung der Rolle von Frauen und die Migration im Mittelpunkt. 2020 verlieh der EWSA anstelle des Preises der Zivilgesellschaft einmalig einen Sonderpreis der zivilgesellschaftlichen Solidarität bei der Bekämpfung von COVID-19. (ll)

Der Tag der Europäischen Bürgerinitiative 2024 hat deutlich vor Augen geführt, wo die Möglichkeiten und Grenzen der Europäischen Bürgerinitiative (EBI) liegen. Natürlich wurde gewürdigt, wie durch frühere Initiativen für Anliegen sensibilisiert und eine öffentliche Debatte angestoßen werden konnte. Doch im Rahmen der Diskussionsrunden kam auch die Enttäuschung darüber zur Sprache, dass die EU-Organe auf Anliegen nicht angemessen reagieren und diese nicht konsequent weiterverfolgen.

Der Tag der Europäischen Bürgerinitiative 2024 hat deutlich vor Augen geführt, wo die Möglichkeiten und Grenzen der Europäischen Bürgerinitiative (EBI) liegen. Natürlich wurde gewürdigt, wie durch frühere Initiativen für Anliegen sensibilisiert und eine öffentliche Debatte angestoßen werden konnte. Doch im Rahmen der Diskussionsrunden kam auch die Enttäuschung darüber zur Sprache, dass die EU-Organe auf Anliegen nicht angemessen reagieren und diese nicht konsequent weiterverfolgen.

Wichtigste Anregungen vom Tag der Europäischen Bürgerinitiative:

  • Mehr als ein Zettelkasten für Vorschläge:  Erfolgreiche Europäische Bürgerinitiativen sollten automatisch substanzielle Maßnahmen der Kommission nach sich ziehen. Dazu gehören auch konkrete Antworten sowie gegebenenfalls Legislativvorschläge. Dadurch hätten die Bürgerinitiativen direkten Einfluss auf das EU-Recht und würden zu einem zielführenden Dialog zwischen Bürgern und Institutionen beitragen.
  • Stärkere Partnerschaften: Zusammenarbeit ist entscheidend. Die strategische Zusammenarbeit zwischen Organisatoren, Zivilgesellschaft, Medien und öffentlichen Partnern ist die Voraussetzung dafür, dass Bürger sich mehr Gehör verschaffen können.
  • Kontinuierliche Verbesserungen: Der Rahmen der EBI wird ständig weiterentwickelt. Durch Erschließung bewährter Verfahren und Förderung des Wissensaustauschs zwischen Interessenträgern kann das EBI-Verfahren verbessert und noch mehr Bürgerinnen und Bürger die aktive Teilnahme ermöglicht werden.

Die Bürgerinnen und Bürger können die EU in Form einer Europäischen Bürgerinitiative auffordern, tätig zu werden und ein neues Gesetz zu einem bestimmten Thema vorzuschlagen. Wenn eine Initiative eine Million Unterschriften erhalten hat, entscheidet die Kommission, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. (gb)

Das Krankenhaus Lapinlahti war Finnlands erstes psychiatrisches Krankenhaus und ist ein Symbol für die psychiatrische Versorgung des Landes. Im Jahr 2013 konnte es auf eine 170-jährige Geschichte zurückblicken, aber es stand leer und war in Vergessenheit geraten. Dann kam eine Gruppe von Aktivisten im Bereich der psychischen Gesundheit und krempelte die Ärmel hoch. Sie wollten aus dem heruntergekommen geschichtsträchtigen Ort ein offenes Zentrum für psychische Gesundheit, Kultur und Kunst machen. Siru Valleala vom Verein Pro Lapinlahti, der das Zentrum betreibt, berichtete uns, dass Lapinlahden Lähde jetzt in erster Linie ein inklusiver Ort ist, an dem kein Platz für Stigmatisierung und Vorurteile ist. Alle sollen sich dort willkommen fühlen.

Das Krankenhaus Lapinlahti war Finnlands erstes psychiatrisches Krankenhaus und ist ein Symbol für die psychiatrische Versorgung des Landes. Im Jahr 2013 konnte es auf eine 170-jährige Geschichte zurückblicken, aber es stand leer und war in Vergessenheit geraten. Dann kam eine Gruppe von Aktivisten im Bereich der psychischen Gesundheit und krempelte die Ärmel hoch. Sie wollten aus dem heruntergekommen geschichtsträchtigen Ort ein offenes Zentrum für psychische Gesundheit, Kultur und Kunst machen. Siru Valleala vom Verein Pro Lapinlahti, der das Zentrum betreibt, berichtete uns, dass Lapinlahden Lähde jetzt in erster Linie ein inklusiver Ort ist, an dem kein Platz für Stigmatisierung und Vorurteile ist. Alle sollen sich dort willkommen fühlen.

Was war der Anstoß für Ihr Projekt bzw. Ihre Initiative?

Das Krankenhaus Lapinlahti ist das erste psychiatrische Krankenhaus Finnlands und stammt aus dem Jahr 1841. Doch 2013 stand es leer. Die Stadt Helsinki hatte keine Pläne, wie es damit weitergehen sollte. Die historische Stätte, die inmitten eines schönen Parks liegt, war dem Vergessen und dem Verfall preisgegeben. Diese traurige Situation war einer Gruppe von Aktivisten im Bereich der psychischen Gesundheit ein Ansporn, ihre Visionen und Träume für den Ort zu verwirklichen. Sie wollten das Krankenhaus Lapinlahti und seinen Park in ein offenes Zentrum für psychische Gesundheit, Kultur und Kunst verwandeln.

Das war der Anfang dessen, was heute als Lapinlahden Lähde („die Quelle Lapinlahti“) bekannt ist.  Die Aktivitäten hatten ihren Ausgang in der historischen und architektonischen Bedeutung des Gebiets im Herzen der Lapinlahti-Bucht, hinter der 170 Jahre Arbeit zum Wohle der psychischen Gesundheit stehen. Der Schwerpunkt wurde von der Behandlung von Krankheiten auf die Förderung des Wohlergehens in allen Schichten der Gesellschaft verlagert. Lapinlahden Lähde ist heute ein lebendiges Vorbild im kontinuierlichen Kampf gegen die Stigmatisierung und steht für einen Paradigmenwechsel hin zur Förderung des Positiven.

In der Vergangenheit war Lapinlahti ein Ort, an dem die Psychiatrie große Fortschritte gemacht hat und ein Ort, an dem psychiatrische Behandlungen kontinuierlich weiterentwickelt wurden. Nun aber wollten die Aktivisten der 1988 gegründeten Vereinigung für psychische Gesundheit „Pro Lapinlahti“ (zur damaligen Zeit wurde Lapinlahti noch aktiv als Krankenhaus genutzt) ein innovatives Zentrum zur Förderung der psychischen Gesundheit aufbauen, das auf den gesamten Wissensschatz des 21. Jahrhunderts zugreift. Es sollte ein Ort erschaffen werden, der den konkreten Paradigmenwechsel von der Behandlung psychischer Erkrankungen zur Förderung des psychischen Wohlbefindens verkörpert.

Wie wurde Ihr Projekt aufgenommen? Haben Sie Rückmeldungen von den Menschen erhalten, denen Sie geholfen haben?  Können Sie uns ein Beispiel geben?

Anfangs wagten sich die Menschen kaum durch das Eingangstor. Das Gebiet war, als es noch als psychiatrisches Krankenhaus diente, 170 Jahre lang für die Öffentlichkeit geschlossen. Trotz Interesse und Neugierde wollten die Leute nicht so recht glauben, dass sie dort willkommen sind und sich umschauen können. Doch dann kamen die Menschen allmählich zu den Aktivitäten und Veranstaltungen und fingen an, begeistert mitzuhelfen und sie weiterzuentwickeln. Es wurde Freiwilligenarbeit geleistet, und Ideen wurden ausgetauscht. Künstler und Darsteller kamen mit Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen nach Lapinlahden Lähde. Heute finden dort jährlich mehr als 400 Veranstaltungen statt, und es sind zwischen 50 bis 60 Kunstausstellungen zu sehen. Lapinlahti ist für alle Helsinkier zu einem offenen Lebensraum geworden, in dem das psychische Wohlbefinden gefördert und tagtäglich etwas gegen Einsamkeit und soziale Ausgrenzung unternommen wird.

„Als ich an dieser Initiative mitwirkte, fühlte ich mich sehr froh, dabei sein und helfen zu können, diesem Ort wieder neues Leben zu geben. Die Schwere ist wie weggeblasen.“ (Cresswell-Smith et al 2022)

Heute hat man im Krankenhaus Lapinlahti das Gefühl, geborgen zu sein und dazuzugehören. An diesem Ort fühlt man sich stets willkommen, ganz gleich, wie es einem gerade geht oder in welcher Lebenssituation man sich befindet. Lapinlahtis Vergangenheit als psychiatrisches Krankenhaus ist sinnstiftend. Hier darf man verletzbar sein; der Umgang mit psychischen Problemen ist offen und völlig einzigartig. Wir bauen auf einem starken Gemeinschaftsgefühl auf, jeder kann in einem sicheren Umfeld seine eigenen Stärken erkunden. Stigmatisierung und Diskriminierung haben hier nichts zu suchen. Wir in Lapinlahden Lähde sind stolz darauf, alle einzubeziehen.

Lapinlahtis Programm wurde gemeinsam mit dem Eigentümer, der Stadt Helsinki, entwickelt und bildet das Fundament für den gesamten Betrieb. Derzeit werden weitreichende politische Entscheidungen über die künftige Eigenverantwortung des Komplexes getroffen. Wir hoffen, dass der Erfolg der derzeitigen Maßnahmen in vollem Umfang berücksichtigt wird.

Wie werden Sie das Geld verwenden, um die Gemeinschaft weiter zu unterstützen? Planen Sie bereits neue Projekte?

Wir werden unsere Aktivitäten weiter ausbauen, damit noch mehr Menschen daran teilnehmen und davon profitieren können. Wir haben kürzlich ein spannendes Projekt für Menschen ins Leben gerufen, die sich in der Rekonvaleszenz psychischer Leiden befinden. Es zielt darauf ab, kulturelle Aktivitäten anzubieten und sogar ein Recht darauf zu schaffen. Insbesondere soll den Menschen dabei geholfen werden, herauszufinden, wie sie sich kulturell ausdrücken können und was für sie in Bezug auf die Kultur des psychischen Wohlbefindens und die Kunst funktioniert. Das großzügige Preisgeld, mit dem unsere Tätigkeit belohnt wurde, werden wir dafür verwenden.

Welche kollektiven Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach erforderlich, um die häufig mit psychischen Problemen einhergehende Stigmatisierung zu verringern? Kann Kunst helfen, Menschen mit psychischen Problemen zu stärken?      

Wir müssen Aktivitäten anbieten, die Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründen zusammenbringen. Man muss auf Tätigkeiten aufbauen, die nicht vom Gesundheitszustand oder den Lebensumständen abhängen. Das ermöglicht einzigartige menschliche Begegnungen und sinnvolle Verbindungen zwischen Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund. Die Erforschung der psychischen Gesundheit mit andersartigen Mitteln, darunter mithilfe der Kunst, hat das Bewusstsein und Verständnis geschärft. Kunst bietet außergewöhnliche Möglichkeiten, Menschen zusammenzubringen, und eröffnet neue Wege, sogar um mit schmerzhaften Problemen umzugehen. Kunst schafft Ausdrucksmöglichkeiten und Chancen für Menschen, gesehen und gehört zu werden. Im Gehört-Werden liegt eine Macht, die das Leben eines Menschen und seine Selbstwahrnehmung verändern kann.

MFR: Änderungen der Beträge für bestimmte Programme und Fonds

Document Type
PAC

EuroHPC-Initiative

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PAC

Der Bereich der psychischen Gesundheit weist ein großes Potenzial für Innovationen und Neuansätze auf. Davon ausgehend entwickelte die finnische Lilinkoti-Stiftung das Spiel The World of Recovery (TWoR), einmal als Online-Version und einmal als Brettspiel. Beides sind Rollenspiele, bei denen die Spieler in eine bestimmte Rolle schlüpfen. In einer futuristischen Welt der Hoffnung ebnen die Rollen dem Spieler den Weg zur Genesung. Zielgruppe sind neben Menschen, die sich von psychischen Problemen und Drogenmissbrauch erholen, auch Leute vom Fach. Reetta Sedergren und Venla Leimu als Vertreterinnen von Lilinkoti sehen in Spielen ein enormes Potenzial zur Verbesserung der psychischen Gesundheit, das jedoch noch weitgehend ungenutzt ist. 

Der Bereich der psychischen Gesundheit weist ein großes Potenzial für Innovationen und Neuansätze auf. Davon ausgehend entwickelte die finnische Lilinkoti-Stiftung das Spiel The World of Recovery (TWoR), einmal als Online-Version und einmal als Brettspiel. Beides sind Rollenspiele, bei denen die Spieler in einen bestimmte Rolle schlüpfen. In einer futuristischen Welt der Hoffnung ebnen die Rollen dem Spieler den Weg zur Genesung. Die Zielgruppe sind neben Menschen, die sich von psychischen Problemen und Drogenmissbrauch erholen, auch Leute vom Fach. Reetta Sedergren und Venla Leimu als Vertreterinnen von Lilinkoti sehen in Spielen ein enormes Potenzial zur Verbesserung der psychischen Gesundheit, das jedoch noch weitgehend ungenutzt ist. 

Was gab den Anstoß für Ihr Projekt? 

Vor einigen Jahren fiel uns bei Lilinkoti auf, dass es ein großes Potenzial für Innovationen und neue Ansätze im Bereich der psychischen Gesundheit gibt. Die zunehmende Ausrichtung auf die Genesungsprozesse war schon ein großer Fortschritt auf diesem Gebiet, allerdings fehlte es an modernen, innovativen Instrumenten. Unsere Organisation arbeitet bereits seit Jahrzehnten mit Menschen, die sich von psychischen Leiden erholen. Für unsere Arbeit schwebte uns ein modernes Instrument zur Förderung der psychischen Gesundheit vor, ein digitales Spiel, bei dem man in Rollen schlüpft. 

Wie wurde Ihr Projekt aufgenommen? Haben Sie Feedback von Menschen, denen Sie geholfen haben?   

Die Spielvarianten von World of Recovery wurden zusammen mit Patienten, die sich von einer psychischen Erkrankung erholen, und mit Fachleuten entwickelt. So bekamen wir während des gesamten Prozesses der Spielgestaltung Feedback, das zum Endergebnis beigetragen hat. 

Wir haben von den Spielern beider Spiele anonyme und persönliche Rückmeldungen bekommen, die durchweg positiv waren. Mehr als 90 % der Befragten gaben an, dass das Handyspiel ihr Wohlbefinden gesteigert und ihnen geholfen hat, aktiv zu werden. Zum Rollenspiel sagten sie, dass es ihre sozialen Kompetenzen verbessert hat.  

Die schönsten Rückmeldungen waren vielleicht das Lachen und die Gespräche über Gefühle, Probleme und Stärken und die Tatsache, dass die Spiele Menschen unabhängig von ihrer Rolle und ihrem Hintergrund zusammengebracht haben. 

Welchen Rat haben Sie für andere Organisationen, die ihre Arbeit und ihre Programme ähnlich erfolgreich gestalten wollen? 

Wenn man bei Innovationen vorweggeht, hat das viele Vorteile. Es ist wirklich inspirierend, und man schafft etwas Neues. Machen Sie mit und lassen Sie sich nicht einengen! Folgen Sie Ihrem Instinkt und seien Sie offen für alle Meinungen. Holen Sie bei der Gestaltung vor allem Betroffene und Experten mit ins Boot. Wenn Sie Spiele machen, müssen Sie bereit sein, Widerstände der Fachleute zu überwinden. Denn im Bereich der psychischen Gesundheit gelten Spiele im Allgemeinen als suchterzeugend oder schädlich. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen! Seien Sie mutig und kreativ, wagen Sie zu träumen. 

Welches Potenzial haben Computer- und Videospiele bei der Verbesserung der psychischen Gesundheit? Sollten sie Ihrer Meinung nach bei der Behandlung von psychischen Problemen stärker eingesetzt werden? 

Computer- und Videospiele – und insbesondere Rollenspiele – haben ein enormes Potenzial zur Verbesserung der psychischen Gesundheit. Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Problemen. Deshalb brauchen wir neue und vielfältige Ansätze, um die psychische Gesundheit zu verbessern. Es ist schade, dass das Potenzial von Spielen bislang kaum genutzt wurde. Dies liegt nicht etwa an mangelndem Interesse, sondern an der fehlenden Finanzierung. Gute Spiele zur Verbesserung der psychischen Gesundheit zu entwickeln braucht Zeit, und einfach ist es auch nicht. Wir brauchen mehr Mittel, mehr gemeinsam entwickelte Projekte und mehr Fachkräfte aus den Bereichen psychische Gesundheit und Spiele, die sich dieser Aufgabe widmen. Und wir brauchen Forschung. Ganz viel Forschung!