Seit Dezember veröffentlichen wir in der Rubrik „Ich gehe wählen. Du auch?“ Stimmen zu den Europawahlen. Unser Gast ist diesmal die polnische Soziologin und Politikwissenschaftlerin Małgorzata Molęda-Zdziech, die die Entwicklungen in Polen kommentiert.

Seit Dezember veröffentlichen wir in der Rubrik „Ich gehe wählen. Du auch?“ Stimmen zu den Europawahlen. Unser Gast ist diesmal die polnische Soziologin und Politikwissenschaftlerin Małgorzata Molęda-Zdziech, die die Entwicklungen in Polen kommentiert.

Sie ist Leiterin des Fachbereichs Politikwissenschaften der Warschauer Wirtschaftsuniversität und Beauftragte des Rektors für die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union. In ihrem Beitrag erläutert sie, wie wichtig die polnische Zivilgesellschaft für den Ausgang der polnischen Parlamentswahl im Oktober 2023 war. Sie verweist auch auf eine der Prioritäten des künftigen polnischen EU-Ratsvorsitzes, nämlich die Rolle der Zivilgesellschaft beim Schutz der Rechtsstaatlichkeit. (ehp)

Jacques Delors ist nach einem langen und ergebnisreichen Leben verstorben, das nachwirken wird. Binnenmarkt, Schengen-Raum, Erasmus, Euro, Kohäsionsfonds – diese Kapitel der heutigen Europäischen Union hat er unmittelbar mitgeschrieben. Hinter dem europäischen Aufbauwerk steht die Ethik des Handelns.

Jacques Delors ist nach einem langen und ergebnisreichen Leben verstorben, das nachwirken wird. Binnenmarkt, Schengen-Raum, Erasmus, Euro, Kohäsionsfonds – diese Kapitel der heutigen Europäischen Union hat er unmittelbar mitgeschrieben. Hinter dem europäischen Aufbauwerk steht die Ethik des Handelns.

Jacques Delors hat dem öffentlichen Engagement eine besondere Bedeutung verliehen. Bei seiner Arbeit in Vereinen und Gewerkschaften und später in der Politik hat sich dieser Aktivist, wie er sich gerne bescheiden nannte, insbesondere durch das personalistische Gedankengut von Emmanuel Mounier inspirieren lassen. Privat im christlichen Glauben verankert sah er in jedem Menschen ein in ein soziales Netz eingebundenes, einzigartiges Wesen und wusste, dass weitreichende Maßnahmen nur durch die Mobilisierung dieses Netzes möglich waren.

Aus Besorgnis über den wachsenden Individualismus vertraute der Sozialdemokrat Delors auf das gesellschaftliche Engagement, bei dem jeder seinen Teil zum Gemeinwohl beiträgt. Sein Name bleibt untrennbar mit dem Dialog, der Mitbestimmung, dem Kollegialprinzip und anderen Formen kollektiven Handelns verbunden, die er förderte und forderte. Deshalb hat er dem Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und dem Ausschuss der Regionen, zu dessen Errichtung er beitrug, so große Bedeutung beigemessen. Er respektierte die Vertretungsorganisationen und glaubte an einen auf Kompromisse ausgerichteten ehrlichen sozialen Dialog.

Das hat er auf europäischer Ebene vorgelebt und dort auf den Dialog mit den Religionen ausgeweitet. Aber Delors war kein Heilsbringer. Der Autodidakt sah sich nicht als Selfmademan, sondern als jemand, dessen Identität durch die anderen und mit ihnen zusammen über das Handeln geprägt ist. Delors entwickelte sein Denken anhand der Reaktionen auf dieses Handeln stets weiter. Er hatte seine Grundsätze und war tief im Glauben verwurzelt, aber nicht in einer versteinerten Ideologie gefangen. Er hatte einen klaren Blick auf die Wirklichkeit, konnte Situationen schnell einordnen und respektierte nationale Traditionen – so gelang ihm der jeweils mögliche Schritt nach vorn.

Bei ihm stand die Realität über der Idee, für die er allerdings den Weg zu bahnen wusste, wenn die Umstände es erforderten. Dadurch war er in der Lage, das Vorhaben einer einheitlichen Währung wiederaufzugreifen und die nach dem Mauerfall unvermeidliche Wiedervereinigung Deutschlands von Anfang an zu unterstützen. Natürlich entspricht die Welt von heute mit ihren derzeitigen Konflikten nicht mehr dem Europa Delors‘. Seine Errungenschaften, wie der Binnenmarkt, müssen angesichts der Bedrohungen durch andere Mächte angepasst und ergänzt werden. Aber sie bilden das Fundament für das heutige Handeln. Die Spitzenpolitiker der EU täten gut daran, sich seine inklusive und weitsichtige Herangehensweise an die Realität zu eigen zu machen und Prinzipientreue mit Kompromissbereitschaft zu kombinieren, um gemeinsam Fortschritte zu erzielen.

Sebastien Maillard, Sonderberater und von 2017–2023 Leiter des Jacques-Delors-Instituts

Mit Jacques Delors verstarb am 27. Dezember 2023 der bedeutendste und erfolgreichste Präsident der Europäischen Kommission, der Europa mit Zukunftsvisionen und Weitblick entscheidend prägte. Er wird – wie einst Jean Monnet und Robert Schuman – als einer der Gründerväter des geeinten Europas in die Geschichte eingehen.

Mit Jacques Delors verstarb am 27. Dezember 2023 der bedeutendste und erfolgreichste Präsident der Europäischen Kommission, der Europa mit Zukunftsvisionen und Weitblick entscheidend prägte. Er wird – wie einst Jean Monnet und Robert Schuman – als einer der Gründerväter des geeinten Europas in die Geschichte eingehen.

Vor ihm war der Kommissionspräsident kaum mehr als ein EU-Verwaltungsbeamter. Delors war es, der dieses Amt aufwerten und ihm den – dann von allen anerkannten – Status eines Staats- oder Regierungschefs verleihen konnte. In seiner zehnjährigen Amtszeit von 1985 bis 1995 hat er den europäischen Einigungsprozess energisch und entschlossen vorangetrieben, nicht zuletzt auch dank der Unterstützung des deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl und des französischen Präsidenten François Mitterrand. Er belebte das Amt sofort mit dem Ziel, den gemeinsamen Markt, der noch auf der Zollunion beruhte, bis 1992 zu einem echten Binnenmarkt auszubauen. Noch während der Verwirklichung des Binnenmarktes schob er als nächstes Großprojekt die Währungsunion an und betrieb parallel dazu auch die Erweiterung der Zuständigkeiten der Europäischen Gemeinschaft, die mit dem Vertrag von Maastricht zur Europäischen Union wurde.

Er ging auch als erster das demokratische Defizit der Europäischen Gemeinschaft an, schlug dazu größere Befugnisse für das Europäische Parlament vor und erreichte diese auch: zunächst mit dem (in der Einheitlichen Europäischen Akte) vorgesehenen Verfahren der Zusammenarbeit und danach (im Zuge der Maastricht-Reform) mit dem Mitentscheidungsverfahren. Dadurch erhielt das Europäische Parlament endlich die Rolle eines echten Mitgesetzgebers in den Bereichen, in denen der Rat mit qualifizierter Mehrheit beschließt.

Ausgangspunkt auf dem Weg zum strategischen Ziel des Binnenmarkts waren zwei Dokumente: der Bericht über die Kosten des Verzichts auf EU-politisches Handeln, in dem die wirtschaftlichen Vorteile der Beseitigung der verbleibenden internen regulatorischen Hindernisse aufgezeigt wurden, und ein erstes „Weißbuch“, in dem alle zur Beseitigung dieser Hindernisse erforderlichen (rund 200) Legislativmaßnahmen aufgelistet wurden.

Delors wies von Anfang an darauf hin, dass als wesentliche Voraussetzung für die Verwirklichung des Vorhabens die Beschlussfassungsverfahren und die europäischen Institutionen gestärkt werden müssen. Deshalb initiierte er die Einheitliche Europäische Akte als erste echte Reform der aus dem Jahr 1957 stammenden Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Gemeinschaften (Gemeinsamer Markt und Euratom) und überzeugte die Mitgliedstaaten, diese Reform anzunehmen (1987).

Jacques Delors spielte zudem eine wesentliche Rolle bei der Neuausrichtung des gemeinschaftlichen Finanzrahmens. Mit dem „Delors-Paket I“ (1988-1992) wurde der EU-Haushalt auf 1,20 % und mit dem „Delors-Paket II“ (1993-1999) schließlich auf 1,27 % des BIP aller Mitgliedstaaten aufgestockt. Dabei wurden als notwendiges Gegenstück zur Vereinheitlichung des Binnenmarktes die Mittel für den „wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt“ (Regional- und Strukturpolitik) erheblich erhöht. Noch wichtiger jedoch war die mit den beiden Delors-Paketen vollzogene Umstrukturierung des EU-Haushaltsrahmens, der von einem Jahresetat zu einem mittelfristigen (siebenjährigen) Haushalt ausgeweitet wurde.

Dadurch konnten die sich jedes Jahr wiederholenden mühsamen Haushaltsverhandlungen zwischen den Mitgliedstaaten vermieden werden, die die europäischen Institutionen monatelang lähmten. Als weiteres zentrales Element führte er die Berücksichtigung der sozialen Dimension in der europäischen Politik ein (so initiierte er unter anderem den „sozialen Dialog“ zwischen Unternehmen, Gewerkschaften und europäischen Institutionen). Sein soziales Programm, das auch die Vereinheitlichung der Instrumente zum Schutz der Arbeitgeber bei Krisen und zur Bekämpfung der Verlagerung von Produktionsstätten vorsah, blieb jedoch eines seiner unvollendeten Vorhaben.

Seine größte Niederlage erlitt er jedoch mit seinem zweiten Weißbuch "Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung", das 1993 im großen Stil als letztes Großprojekt seiner Amtszeit aufgelegt wurde. Es handelte sich um einen (mit 20 Mrd. EUR über 20 Jahre dotierten) Vorschlag zur Konjunkturbelebung und Wirtschaftsförderung, der unter anderem durch die Emission gemeinsamer Schuldtitel (8 Mrd. EUR Euro pro Jahr) sowie Beiträge aus dem EU-Haushalt und Darlehen der Europäischen Investitionsbank finanziert werden sollte. Damit sollten der Aufbau der Verkehrs- und Telekommunikationsinfrastruktur und eine Reihe weiterer wirtschaftlicher und sozialer Initiativen unterstützt werden (er nahm also im Wesentlichen vorweg, was mehr als 20 Jahre später mit „NextGenerationEU“ als Reaktion auf die Pandemie erfolgen sollte).

Der Plan wurde zunächst vom Europäischen Rat gutgeheißen, dann jedoch von den Finanzministern kritisiert und fallen gelassen. Zum Ende seiner zehnjährigen Amtszeit verblasste Delors‘ Stern, es kam vielerorts Kritik auf, in der man ihm exzessiven Ehrgeiz, Zentralismus und Jakobinertum sowie Überregulierung vorwarf. Allerdings wurden später einige seiner Ideen wieder aufgegriffen, so die „transeuropäischen Netze“ oder das SURE-Instrument zur Unterstützung bei der Minderung von Arbeitslosigkeitsrisiken während der COVID-19-Krise.

In der Rubrik „Zur Sache“ erläutert EWSA-Mitglied Sandra Parthie, Vorsitzende der Fachgruppe Binnenmarkt, Produktion, Verbrauch und Berichterstatterin für die Stellungnahme, die Vorschläge des Ausschusses zur neuen EU-Strategie für den Binnenmarkt, die auf der Januar-Plenartagung angenommen werden sollen.

In der Rubrik „Zur Sache“ erläutert EWSA-Mitglied Sandra Parthie, Vorsitzende der Fachgruppe Binnenmarkt, Produktion, Verbrauch und Berichterstatterin für die Stellungnahme, die Vorschläge des Ausschusses zur neuen EU-Strategie für den Binnenmarkt, die auf der Januar-Plenartagung angenommen werden sollen.

14./15. Februar 2024

EWSA-Plenartagung

4.–7. März 2024

Woche der Zivilgesellschaft

14./15. Februar 2024

EWSA-Plenartagung

4.–7. März 2024

Woche der Zivilgesellschaft

Am 27. Dezember 2023 ist Jacques Delors verstorben. Er war von 1985 bis 1995 Präsident der Europäischen Kommission und von 1981 bis 1985 Finanzminister unter François Mitterrand. Sebastien Maillard, früherer Direktor und derzeitiger Sonderberater des Delors-Instituts in Paris sowie ehemaliger EU-Korrespondent in Brüssel, würdigt ihn in einem Nachruf.

Am 27. Dezember 2023 ist Jacques Delors verstorben. Er war von 1985 bis 1995 Präsident der Europäischen Kommission und von 1981 bis 1985 Finanzminister unter François Mitterrand.

Sebastien Maillard, früherer Direktor und derzeitiger Sonderberater des Delors-Instituts in Paris sowie ehemaliger EU-Korrespondent in Brüssel, würdigt ihn in einem Nachruf.

Auch Lorenzo Consoli, einer der bekanntesten Journalisten Europas, hat für EWSA info über Präsident Delors geschrieben.

Lorenzo Consoli, italienischer Journalist und seit 1991 Europakorrespondent ist als einer der erfahrensten Experten für europäische Politik insbesondere für die italienische Presseagentur Askanews tätig. Er war von 2006 bis 2010 Vorsitzender des Internationalen Presseverbands in Brüssel (API) und Gastdozent im Rahmen des Programms Executive Master in European Journalism and Communication am IHECS in Brüssel. (ehp)

Bewältigung der Auswirkungen von Klimawandel und Umweltzerstörung auf Frieden, Sicherheit und Verteidigung

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Grenzübergreifende Energieinfrastrukturplanung

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Überarbeitung der Pflanzenschutzpolitik der Union

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