ES IST SCHÖN, MIT JEMANDEM ZU REDEN, DER SO GUT ZUHÖREN KANN!

Der deutsche Beratungsdienst Krisenchat.de wurde im Mai 2020 ins Leben gerufen, um während der COVID‑19‑Pandemie für unter 25-Jährige mit psychischen Problemen da zu sein und mit ihnen über Themen wie Angst, Einsamkeit, Missbrauch, Depression und Suizidgedanken zu reden. Bis heute hat Krisenchat vielen Jugendlichen geholfen. Mitbegründer und Geschäftsführer Kai Lanz teilte uns das Rezept für Erfolg mit: kostenlose Beratung rund um die Uhr über WhatsApp oder SMS – Kommunikationskanäle, die bei Jugendlichen beliebt sind und die sie einem Telefongespräch vorziehen.

Was war der Anstoß für Ihr Projekt bzw. Ihre Initiative?

Während des ersten Corona-Lockdowns kam es vermehrt zu Berichten über häusliche Gewalt, über negative Auswirkungen fehlender Sozialkontakte auf die Psyche und generell über das Auftreten von Ängsten. Da jedoch die Versorgungslandschaft in Deutschland, was diese Problematik anging, gerade nicht auf die Bedürfnisse junger Menschen ausgerichtet ist, nahmen wir uns vor, ein Beratungsangebot zu schaffen, das die junge Zielgruppe in dem Medium abholt, in dem sie sich sowieso schon aufhält - dem Chat.

Wie wurde Ihr Projekt aufgenommen? Haben Sie Rückmeldungen von den Menschen erhalten, denen Sie geholfen haben? (Können Sie uns gegebenenfalls ein Beispiel nennen?)

Mit über 17 000 Beratungen innerhalb weniger Monate spricht die Nachfrage nach unserem kostenlosen, täglich rund um die Uhr verfügbaren Angebot schon für die positive Rezeption des Projekts bei der Zielgruppe. Die Zufriedenheit bei den Chat-Beratungen ist dabei auch sehr hoch, und wir erhalten öfter Feedbacks wie z.B.: "Es ist schön, mit jemandem zu reden, der so gut zuhören kann.",  "Danke, dass Sie so für mich da sind" oder "Mich beruhigt es, zu wissen, dass einfach jemand da ist, wenn ich mal Hilfe brauche."

Wie werden Sie das Preisgeld verwenden, um Ihre Zielgruppe weiter zu unterstützen? Planen Sie bereits neue Projekte?

Wir werden das Preisgeld für den Ausbau unserer Beratungskapazitäten verwenden. Gerade bei schwierigen Fällen, in denen es z.B. um Kindeswohlgefährdung oder Suizidalität geht, stoßen ehrenamtliche Berater und Beraterinnen auch mal an ihrer Belastungsgrenze. Gerade für die Begleitung solcher Fälle benötigen wir Vollzeitpsychologinnen und -psychologen, die sich dem Wohlergehen dieser Gruppe widmen können. Das Preisgeld leistet dabei einen tollen Beitrag, um dies zu ermöglichen.

Welchen Rat haben Sie für andere Organisationen, damit deren Arbeit und Programme ähnlich erfolgreich werden?

Neben einem dynamischen Team, das sich gut ergänzt und vor allem auch keine direkte Kommunikation scheut, würden wir Durchhaltevermögen empfehlen. Auch wenn die Dinge anfangs nicht zu klappen scheinen, lohnt es sich, dranzubleiben und bissig zu sein. Essenziell ist es außerdem, Menschen für das Projekt zu begeistern!