In dieser Ausgabe

  • Nicht mehr unsichtbar: Wie die Olympischen Spiele von Seoul und London Geschichte schrieben, von Pietro Barbieri
  • Mein Blick auf die Olympischen Spiele, von Pyrros Dimas
  • The Revived – Ukraine mit erstem virtuellen Olympiateam
  • Kinder mit Behinderungen: Wir können alles, nur manchmal ein klein wenig anders

In dieser Ausgabe

  • Nicht mehr unsichtbar: Wie die Olympischen Spiele von Seoul und London Geschichte schrieben, von Pietro Barbieri
  • Mein Blick auf die Olympischen Spiele, von Pyrros Dimas
  • The Revived – Ukraine mit erstem virtuellen Olympiateam
  • Kinder mit Behinderungen: Wir können alles, nur manchmal ein klein wenig anders

von Pietro Barbieri

Seinen Ursprung hat der Sport für Menschen mit Behinderungen in der Nachkriegszeit, als er für Rehabilitationszwecke eingesetzt wurde. Die Physiotherapie wurde dadurch interessanter und angenehmer. Spiel und Spaß verhalfen Menschen mit einer angeborenen bzw. durch ein traumatisches Ereignis verursachten Beeinträchtigung wieder zu mehr Lebensfreude.

von Pietro Barbieri

Seinen Ursprung hat der Sport für Menschen mit Behinderungen in der Nachkriegszeit, als er für Rehabilitationszwecke eingesetzt wurde. Die Physiotherapie wurde dadurch interessanter und angenehmer. Spiel und Spaß verhalfen Menschen mit einer angeborenen bzw. durch ein traumatisches Ereignis verursachten Beeinträchtigung wieder zu mehr Lebensfreude.

Dabei wurden zwei spezifische Ziele verfolgt: Zum einen sollten die Menschen körperlich autonomer werden und zum anderen ging es darum, ihnen zu einer echten und stabilen Identität zu verhelfen. Rückblickend könnte man sagen, dass hier ein Übergang von Rehabilitation hin zur Selbstbefähigung stattgefunden hatte. Es ging also um die Befähigung von Menschen, die sich handlungsunfähig fühlten bzw. ihre Handlungsfähigkeit verloren hatten. Um Macht über sich selbst und die eigenen Entscheidungen – den Kern der Menschenrechte.

Von Bedeutung ist dabei in der Regel das soziale Image: Wie nehmen uns die anderen wahr? Die persönliche Heilung von Menschen steht in direktem Zusammenhang mit der Gemeinschaft, in der sie leben. Durch den Sport können wir unsere Grundrechte geltend machen und unsere Würde wahren.

Der Weg dahin war jedoch lang und steinig: Die heldenhaften Pioniere der 1960er Jahre waren ihrer Zeit weit voraus und haben den langen Weg bis heute geprägt. Die Paralympioniken mussten für die Anerkennung ihrer sportlichen Leistungen kämpfen.

Eine Veranstaltung ist dabei besonders in die Geschichte eingegangen: die Olympischen Spiele von Seoul 1988. Es war der Höhepunkt des Ringens um Anerkennung im Sport – einem Bereich, in dem die Stigmatisierung körperlicher, sensorischer und geistiger Beeinträchtigungen so stark war, dass sie ein größeres Hindernis darstellte als in der Arbeitswelt, in der Behinderung vorurteilsbehaftet und mit fehlender Produktivität gleichgesetzt war. Diese Olympischen Spiele waren historisch prägend. Das Internationale Olympische Komitee hatte nämlich beschlossen, Wettkämpfe für Sportler mit Behinderungen und Sportler ohne Behinderungen abwechselnd stattfinden zu lassen. Angesichts der organisatorischen Probleme, insbesondere mit Blick auf die Barrierefreiheit, blieb dies jedoch ein einmaliges Experiment und wurde in dieser Form nicht wiederholt. Diese Entscheidung war zwar umstritten, führte aber letztendlich zu den Paralympischen Spielen, wie wir sie heute kennen, die den Anstrengungen eines jeden paralympischen Athleten und einer jeden paralympischen Athletin die gebührende Anerkennung zollen. Wir traten damit endlich in eine Welt des Sports von allen und für alle ein. In eine neue Ära.

Ab diesem Zeitpunkt galt es, den paralympischen Sport für ein großes Publikum im Stadion oder vor dem Fernseher attraktiv zu machen. Dabei waren die Fernsehkommentatoren in Seoul 1988 noch derart unkundig, dass sie nicht einmal wussten, wer in den einzelnen Wettkämpfen als Favorit oder Favoritin galt. Wie man sich vorstellen kann, waren die Ergebnisse verheerend. Mit der Zeit haben Sportjournalistinnen und -journalisten gelernt, sich zunehmend für die Leistungen von Sportlerinnen und Sportlern mit Behinderungen zu interessieren. Dies war ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einem Paradigmenwechsel,

was uns zu einem weiteren einschneidenden Ereignis bringt: den Olympischen Spielen von London 2012. Die Organisation war tadellos und es gab insbesondere im Vereinigten Königreich eine umfassende Fernsehkampagne. Die Folge waren ausverkaufte Stadien bei allen Sportdisziplinen. Damals erlangten einige Sportlerinnen und Sportler dank des neuen journalistischen Narrativs Berühmtheit – genau wie ihre olympischen Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

Seit den 1950er Jahren hat sich die Welt verändert. Immer mehr Menschen mit Behinderung teilen das Gefühl, nicht mehr völlig unsichtbar zu sein. Es steht zu hoffen, dass sich dieses Narrativ auf alle Lebensbereiche der Menschen ausweitet, ganz im Sinne des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, in dem die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels hervorgehoben wird. Im Sport hat dieser Paradigmenwechsel trotz allem sicherlich stattgefunden.

Ein EU-Investitionsfonds für wirtschaftliche Resilienz und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit

Document Type
AS

Welche Bedeutung haben die Paralympischen Spiele und wie tragen sie und andere Sportwettbewerbe dazu bei, die Hindernisse für Menschen mit Behinderungen abzubauen? 

Welche Bedeutung haben die Paralympischen Spiele und wie tragen sie und andere Sportwettbewerbe dazu bei, die Hindernisse für Menschen mit Behinderungen abzubauen? 

EWSA-Mitglied Pietro Barbieri berichtet über die Geschichte von Sportwettbewerben für Menschen mit Behinderungen und darüber, wie die Olympischen Spiele von 1988 in Seoul und von 2012 in London die dringend erforderliche Veränderung in der Wahrnehmung von Behinderung bewirkt haben. Wir leben endlich in einer Welt, in der es Sport von allen und für alle gibt. 

Konzept für den europäischen Grünen und Sozialen Deal

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AS

Chancengleichheit und soziale Inklusion

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AS

Ein gerechter Übergang für eine nachhaltige Zukunft der Agrar- und Lebensmittelsysteme der EU

Document Type
AS

Verstärkte Folgemaßnahmen zum EU-Jugenddialog

Document Type
AS
Photo by Tomislav Štuka

Der elfjährige Jan Štuka aus Zagreb (Kroatien) leidet an Spina bifida und kann nur mithilfe von Orthesen und einer Mobilitätshilfe laufen. Das hält ihn allerdings keineswegs davon ab, ein erfolgreicher Sportler zu sein. Der Gewinner des Preises für den besten jungen kroatischen Para-Basketballspieler im Jahr 2023 nahm auch an Schwimmwettkämpfen teil und trainiert jetzt zusätzlich noch nordischen Skilauf. In seiner Freizeit spielt er mit seinen Freunden Fußball. Die Tore schießt er mit der Hand. Jan und seine Mutter Jasmina Bogdanović sprachen mit uns über die Möglichkeiten für Kinder mit Behinderungen, Sport zu treiben, und erklärten, warum es wichtig ist, diese Kinder so wenig wie möglich spüren zu lassen, dass sie anders sind.

Der elfjährige Jan Štuka aus Zagreb (Kroatien) leidet an Spina bifida und kann nur mithilfe von Orthesen und einer Mobilitätshilfe laufen. Das hält ihn allerdings keineswegs davon ab, ein erfolgreicher Sportler zu sein. Der Gewinner des Preises für den besten jungen kroatischen Para-Basketballspieler im Jahr 2023 nahm auch an Schwimmwettkämpfen teil und trainiert jetzt zusätzlich noch nordischen Skilauf. In seiner Freizeit spielt er mit seinen Freunden Fußball. Die Tore schießt er mit der Hand. Jan und seine Mutter Jasmina Bogdanović sprachen mit uns über die Möglichkeiten für Kinder mit Behinderungen, Sport zu treiben und erklärten, warum es wichtig ist, diese Kinder so wenig wie möglich spüren zu lassen, dass sie anders sind.

JAN:

Wann hast du mit Sport angefangen und welche Sportarten hast du bis jetzt gemacht?

Als ich zwei war, lernte ich in einem Schwimmkurs schwimmen. Mit vier wechselte ich zu einem Schwimmverein für Paraschwimmer, wo ich alle Schwimmtechniken lernte und an einigen Wettkämpfen teilnahm. Mit elf hörte ich auf, weil ich es ein bisschen langweilig fand.

Mit acht fing ich dann mit dem nordischen Skilauf und auch mit Rollstuhlbasketball an. Ich mache beides bis heute und es sind jetzt meine Lieblingssportarten.

Klettern habe ich auch ein paar Mal versucht, und es hat mir großen Spaß gemacht, aber ich habe leider nicht die Zeit, eine weitere Sportart zu trainieren. Einen Sommer lang habe ich auch an einem Krav-Maga-Kurs teilgenommen. Das war sehr gut und ich würde das in Zukunft gerne mal weiter machen.

Welche Auszeichnungen hast du gewonnen und welche bedeuten dir am meisten?

Ich habe mehrere Preise mit meinem Basketballverein gewonnen. Am meisten freue ich mich über den Preis für den besten jungen Para-Sportler in meiner Kategorie, der mir 2023 vom Para-Sport-Verband Zagreb verliehen wurde.

Wie sieht dein Alltag mit Training aus? Wie oft trainierst du normalerweise pro Woche?

Morgens gehe ich in die Schule. Danach erledige ich zuerst meine Hausaufgaben und treffe mich mit meinen Freunden. Abends habe ich dann Training. Bis jetzt hatte ich einmal in der Woche Trocken-Skitraining, einmal Basketball und ein bis zwei Mal Schwimmen. Ab diesem Schuljahr höre ich mit dem Schwimmen auf und trainiere dafür zwei bis drei Mal die Woche Skilaufen.

Im Winter fahre ich auch in Skilager, in Planica in Slowenien und in einige österreichische Skigebiete. Ich mag diese Camps, weil da auch meine Freunde dabei sind, so dass wir nicht nur trainieren, sondern auch Spaß miteinander haben.

Mit dem Basketballverein fahren wir manchmal zu Spielen in andere kroatische Städte. Letzten Herbst waren wir auch in Rom und spielten gegen das Basketballteam SS Lazio.

Hast Du einen Lieblingssportler oder eine Lieblingssportlerin? Möchtest du gerne eines Tages an einem wichtigen internationalen Sportwettbewerb teilnehmen?

Früher war Luka Modrić mein Lieblingssportler. Zur Zeit habe ich aber keine besonderen Vorbilder, denen ich folge.

Ich würde gerne an internationalen Sportwettbewerben teilnehmen. Basketball und Skifahren, hoffe ich.

JASMINA:

Wie viel Aufmerksamkeit wird dem Sport für Kinder mit Behinderungen in Kroatien gewidmet?

Als Mutter habe ich schon den Eindruck, dass die Aufmerksamkeit sehr groß ist. Leider werden die Eltern aber nicht ausreichend über die Möglichkeiten informiert. Dabei suchen Sportvereine händeringend nach neuen Mitgliedern. Es ist schade, dass das so ist. In größeren Städten ist die Situation natürlich viel besser.

Hat ein Kind mit einer Behinderung genügend Möglichkeiten und Anreize, um Sport zu treiben? Oder sind da eher die Eltern gefragt?

Es gibt viele Möglichkeiten und Anreize für Kinder – wenn sie und ihre Eltern denn wollen. Wie schon gesagt, wissen Eltern oft nicht ausreichend Bescheid. Einige wollen keine weiteren Verpflichtungen eingehen oder haben Angst, dass ihr Kind beim Sport verletzt wird. Diese Einstellung ist bedauerlich, denn der Sport für Menschen mit Behinderungen ist kostenlos und in meinen Augen sehr gut für die körperliche und geistige Gesundheit, von der sozialen Integration ganz zu schweigen. Ich würde nicht sagen, dass die Eltern stärker gefragt sind als bei gesunden Kindern desselben Alters. Natürlich gibt es je nach Erkrankung Ausnahmen. So muss Jan zu den Winterskilagern oder Auswärtsspielen immer noch von einem Elternteil begleitet werden. Aber mit zunehmendem Alter wird das wahrscheinlich immer seltener notwendig sein und für uns Eltern hoffentlich eine freiwillige Entscheidung. Ziel ist es, in all diesen Bereichen eigenständig zu werden. Sein regelmäßiges Training führt Jan ohne unsere Unterstützung durch.

Was würden Sie als Mutter eines Kindes mit besonderen Bedürfnissen noch hinzufügen?

Lasst sie ihre besonderen Bedürfnisse so wenig wie möglich spüren und bezieht sie dazu ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechend in den Alltag mit ein. Dann werden sie sich selbst als normale Kinder wahrnehmen, die manches zwar etwas anders, aber dennoch machen! Jan fährt ein Fahrrad mit drei Rädern, nicht mit zwei. Er schwimmt und taucht wie all seine Freunde, aber er benutzt dafür seine Beine weniger oder gar nicht. Er spielt Fußball in der Mannschaft, schießt seine Tore aber mit der Hand. „Wir können alles, nur manchmal ein klein wenig anders“ – wenn sie sich selbst so akzeptieren, dann werden sie auch von anderen so akzeptiert.

Der elfjährige Jan Štuka geht in die fünfte Klasse einer Grundschule in Zagreb. Er war Mitglied des Natator Schwimmvereins für Paraschwimmer. Er ist Mitglied des KKI Zagreb (Rollstuhlbasketball) und des Monoski Zagreb Ski Club für Menschen mit Behinderungen. Dort trainiert er regelmäßig im Rahmen des Programms Nordischer Skilauf für Menschen mit Behinderungen.

Jasmina Bogdanović verfügt über einen Abschluss der School of Design der Fakultät für Architektur der Universität Zagreb. Sie hat 20 Jahre lang für verschiedene Marketingagenturen gearbeitet. Zur Zeit arbeitet sie in Teilzeit und im Homeoffice für ein kleineres Grafikstudio, so dass sie Jan zu den Skilagern und anderen Sportveranstaltungen begleiten kann. Sie ist leidenschaftliche Radfahrerin und fährt überall mit dem Fahrrad hin.

Fast 500 ukrainische Sportlerinnen und Sportler sind im russischen Angriffskrieg gegen ihr Land ums Leben gekommen. Ihr Traum von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen oder anderen künftigen Sportereignissen ist für immer verloren. Um ihr Andenken lebendig zu halten, erzählt die ukrainische NGO BRAND UKRAINE die tragische Geschichte sechs verstorbener Sportler, indem sie sie mit künstlicher Intelligenz für einen kurzen Moment zurück ins Leben holt. Der Film wurde bei den Olympischen Spielen in Paris gezeigt. Wir haben mit Tim Makarov gesprochen, der bei BRAND UKRAINE für den Bereich Digital & Content verantwortlich ist. Im Grunde, so Makarov, soll der Film die Menschen innehalten und über den Wert des menschlichen Lebens nachdenken lassen.

Fast 500 ukrainische Sportlerinnen und Sportler sind im russischen Angriffskrieg gegen ihr Land ums Leben gekommen. Ihr Traum von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen oder anderen künftigen Sportereignissen ist für immer verloren. Um ihr Andenken lebendig zu halten, erzählt die ukrainische NGO BRAND UKRAINE die tragische Geschichte sechs verstorbener Sportler, indem sie sie mit künstlicher Intelligenz für einen kurzen Moment zurück ins Leben holt. Der Film wurde bei den Olympischen Spielen in Paris aufgeführt. Wir haben mit Tim Makarov gesprochen, der bei BRAND UKRAINE für den Bereich Digital & Content verantwortlich ist. Im Grunde, so Makarov, sollte der Film die Menschen innehalten und über den Wert des menschlichen Lebens nachdenken lassen.

Wie ist die Idee für das Projekt entstanden?

Die Idee stammt von der Berliner Agentur BBDO. Von dort kam das Rahmenkonzept, die Idee, einen Film zu machen, der das tragische Schicksal der ukrainischen Sportler zeigt, denen nun die Olympiateilnahme für immer verwehrt bleiben wird. Mit diesem Vorschlag kamen sie zu uns. Wir haben den Gedanken weitergesponnen und mehr Partner einbezogen: das Ministerium für Jugend und Sport und das Außenministerium der Ukraine, das Büro des ukrainischen Präsidenten... An der endgültigen Gestaltung des Film haben wir gemeinsam gearbeitet, der technische Teil blieb bei BBDO. Wir haben eine Kommunikationsstrategie erstellt, die Content Distribution übernommen und uns um die rechtlichen Fragen gekümmert. Das Projekt wurde im „Volia Space“, dem Olympia-Quartier der ukrainischen Mannschaft in Paris gezeigt. Dazu haben wir Influencer eingeladen.

Wie schwer war es, die Geschichten zusammenzutragen und das Video zu drehen? Wie habt ihr es technisch geschafft, die Protagonisten so lebensecht auftreten zu lassen?

Die Idee war an sich ganz einfach und klar: wir wollten die Geschichte ukrainischer Sportler erzählen, die auf tragische Weise ums Leben gekommen sind, und dazu für die Verstorbenen digitale Avatare generieren. Und das ist uns wirklich gelungen. Wir haben Tonaufnahmen, Archivfotos und Videomaterial verwendet, alles digitalisiert und dann mit KI bearbeitet. Die digitale Kopie der Personen sollte lebensecht sein; das Ganze sollte so auf unheimliche Weise gleichzeitig sehr real und sehr irreal wirken. Das war uns wichtig. Denn die Geschichten dieser Sportler sind an sich schon sehr ergreifend, aber dank KI geht das Ergebnis wirklich allen unter die Haut. Ich muss aber ehrlich zugeben, dass das Projekt auch sehr gewagt ist. Wir hatten erst Angst, dass man uns nicht verstehen würde, dass das Publikum vor allem auf das Unheimliche – die lebensechte Präsenz toter Sportler – reagieren und dadurch die Nacktheit, die Wehrlosigkeit, den Schmerz und die Verzweiflung in den Worten der Verstorbenen gar nicht wahrnehmen würde. Der Grundgedanke des Projekts ist sehr einfach: Menschen, die ihr Land wirklich lieben, die ihr Leben leben und etwas erreichen wollen, werden zu Gefangenen der Umstände, die ihre Träume und Pläne durchkreuzen und sie schließlich das Leben kosten. Sie dürfen nicht vergessen werden. Jede Handlung hat ihren Preis, und dieser Preis bemisst sich oft in Menschenleben und Schicksalen.

Für die Angehörigen der toten Sportler war es sicher sehr schmerzhaft, sich an dem Projekt zu beteiligen und die Videos zu sehen. Welches Feedback haben Sie am Ende von ihnen bekommen?

Ohne das Einverständnis der nächsten Angehörigen hätte das Projekt natürlich nie realisiert werden können. Das ist ein sehr wichtiger Punkt: Wir haben ihnen genau gezeigt, erklärt und vorgeführt, was wir vorhaben. In der Vorauswahlrunde hatten wir noch mehrere Dutzend weitere Geschichten auf unserer Liste. Aber am Ende haben wir uns nur auf sechs geeinigt. Dorthin zu kommen, kostete Wochen schwieriger Verhandlungen. Aber als wir den Eltern dann das Endergebnis zeigten, standen ihnen Tränen in den Augen. ,Danke, ihr habt etwas Außergewöhnliches geschafft', haben sie uns gesagt. ,Es wird uns helfen, die Erinnerung an unser Kind zu bewahren.' Soweit ich weiß, bereut keiner von ihnen seine Teilnahme an dem Projekt. Im Übrigen bekam das Projekt erst grünes Licht, als alle nötigen rechtlichen Unterlagen unterschrieben waren. Als dann alles für die Olympiade fertig war, sind wir mit den sechs außergewöhnlichen Schicksalen zwei Wochen lang auf Tour gewesen. Aber mit einem derartigen Erfolg hatten wir nicht gerechnet! Die Reaktionen auf das Projekt haben alle unsere Erwartungen übertroffen. Gleichzeitig ist es wiederum nicht überraschend, weil gerade wahre Geschichten in dieser modernen Welt der globalen Kommunikation komplexe und widersprüchliche Gefühle wecken.

Was ist die zentrale Botschaft des Projekts? Was, hoffen Sie, nimmt das Publikum mit nach Hause?

Bei Brand Ukraine haben wir uns der Aufgabe verschrieben, der Welt zu zeigen, was der russische Angriffskrieg für die Ukraine und den Lebensalltag der Ukrainer in Wirklichkeit bedeutet. Dazu erzählen wir Geschichten von Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass der Schmerz, der Stolz, die Entschlossenheit, die Erfolge und Niederlagen unseres starken, tapferen Volkes, also das, was uns menschlich macht, so am besten vermittelt werden können. Denn das ist unsere Aufgabe. Wir erzählen nicht nur von der Ukraine, wir wollen das Land für die ganze Welt liebenswert machen. Wir wollen mit unserer Arbeit erreichen, dass es bald mehr so starke Projekte gibt, die die Menschen berühren, die sie innehalten und über den Wert des menschlichen Lebens nachdenken lassen.

Die Videos und Fotos können hier oder auf Instagram abgerufen werden:

https://www.instagram.com/p/C-Dd7B7tueo/

https://www.instagram.com/p/C-SkUtONRJR/

https://www.instagram.com/p/C-VHXOdtdps/

https://www.instagram.com/p/C-YG_wHtNke/

https://www.instagram.com/p/C-ajpwSN7A6/

https://www.instagram.com/p/C-dWm1vNzDW/

Tim Makarov ist bei BRAND UKRAINE für das Team Content & Digital verantwortlich. Er hat in den letzten 20 Jahren in den Bereichen Journalismus, Marketing und digitale Kommunikation gearbeitet. Er sieht seine Berufung darin, Geschichten zu erzählen und Projekte zu realisieren, die die Welt zu einem besseren Ort machen.