Für unsere Rubrik „Eine Frage an...“ haben wir Florian Marin, EWSA-Mitglied und Berichterstatter für die EWSA-Stellungnahme „Wälder in der EU – neuer EU-Rahmen für Waldmonitoring und Strategiepläne“, gebeten, uns die Forderungen des EWSA an diesen Rahmen angesichts der Bedeutung der Wälder für die Verwirklichung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele der EU zu erläutern.

Für unsere Rubrik „Eine Frage an...“ haben wir Florian Marin, EWSA-Mitglied und Berichterstatter für die EWSA-Stellungnahme „Wälder in der EU – neuer EU-Rahmen für Waldmonitoring und Strategiepläne“, gebeten, uns die Forderungen des EWSA an diesen Rahmen angesichts der Bedeutung der Wälder für die Verwirklichung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele der EU zu erläutern.

Unser Gastautor ist EWSA-Mitglied Christian Moos, der auch Berichterstatter für die Stellungnahme zu dem Paket zur Verteidigung der Demokratie ist. Er listet für uns die Gründe auf, warum der EWSA den Vorschlag der Kommission nicht unterstützt. Das Paket hatte für einige Aufregung gesorgt, als es im Dezember 2023 endlich veröffentlich wurde.

Unser Gastautor ist EWSA-Mitglied Christian Moos, der auch Berichterstatter für die Stellungnahme zu dem Paket zur Verteidigung der Demokratie ist. Er listet für uns die Gründe auf, warum der EWSA den Vorschlag der Kommission nicht unterstützt. Das Paket hatte für einige Aufregung gesorgt, als es im Dezember 2023 endlich veröffentlich wurde.

von Konstantina Manoli

Die Wahrnehmung des Stimmrechts ist zweifellos ein effektives Instrument der Meinungsäußerung und politischen Einflussnahme. Wir alle stimmen ja generell bei Wahlen für die Kandidaten, die uns, unsere Überzeugungen und unsere Wertesysteme unserer Ansicht nach am besten vertreten. Gleichwohl ist den meisten und insbesondere uns jungen Menschen oftmals nicht bewusst, welche Macht wir durch unsere Stimmabgabe ausüben.

von Konstantina Manoli

Die Wahrnehmung des Stimmrechts ist zweifellos ein effektives Instrument der Meinungsäußerung und politischen Einflussnahme. Wir alle stimmen ja generell bei Wahlen für die unserer Ansicht nach besten Kandidaten, um uns, unsere Überzeugungen und unsere Wertesysteme zu vertreten. Gleichwohl ist den meisten und insbesondere uns jungen Menschen oftmals nicht bewusst, welche Macht wir durch unsere Stimmabgabe ausüben.

Wir bekunden leidenschaftlich, dass wir die Welt verändern und eine bessere Zukunft für uns alle und für die nächsten Generationen gestalten wollen. Irgendwo auf halber Strecke geben wir jedoch auf: Wir haben den Eindruck, dass unsere Meinungen, unsere Werte und unsere Ideale nichts mehr gelten oder dass wir machtlos sind.

Als junge Frau aus Griechenland kenne ich dieses Gefühl nur zu gut. Ich kenne die Enttäuschung, wenn unsere Stimme ungehört bleibt, wenn unsere Rechte missachtet werden, und die Hilflosigkeit, wenn wir offenbar nichts mehr tun können. Manchmal läuft es trotz aller Anstrengungen nicht wie geplant. Wenn uns dann nur das hohle Echo unserer vergeblichen Bemühungen bleibt, vergessen wir oftmals eine grundlegende Wahrheit: Unsere Macht liegt in unserer Stimme! Wie sagte Barack Obama einmal: Jede Stimme zählt!

Leider ist dies wohl nicht nur meine persönliche Erfahrung als Griechin, junger Mensch oder Frau. Tatsächlich kennen viele Menschen unabhängig von Alter, ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, Religion oder persönlicher Situation dieses Gefühl.

Wählen ist unsere kollektive Stimme zur Gestaltung der Zukunft, die wir uns wünschen. Wenn wir die Dinge selbst in die Hand nehmen, können wir dafür sorgen, dass unsere Träume und Werte in die Entscheidungen zur Gestaltung unserer Gesellschaft einfließen. Wir müssen wählen gehen: Unsere Stimme öffnet die Tür zu einer Zukunft, die junge Menschen selbstbestimmt gestalten.

Wir sollten uns an die weisen Worte von John Lewis erinnern: „Wenn nicht wir, wer dann? Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Von Florian Marin

Nach Ansicht des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses sollte der neue EU-Rahmen für Waldmonitoring nachhaltig, kosteneffizient und praktisch handhabbar sein. Er sollte zudem zeitnah, sicher, dynamisch, inklusiv und partizipativ sein, um eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis sowie eine bessere Planung und faktenbasierte Politikgestaltung zu ermöglichen.

Von Florian Marin

Nach Ansicht des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses sollte der neue EU-Rahmen für Waldmonitoring nachhaltig, kosteneffizient und praktisch handhabbar sein. Er sollte zudem zeitnah, sicher, dynamisch, inklusiv und partizipativ sein, um eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis sowie eine bessere Planung und faktenbasierte Politikgestaltung zu ermöglichen.

Es ist äußerst wichtig, für Komplementarität zu sorgen und eine Doppelerhebung von Daten zu vermeiden, die bereits aufgrund bestehender Rechtsvorschriften, beispielsweise zu Klima- und Luftpolitik sowie biologischer Vielfalt und im Zuge der Gemeinsamen Agrarpolitik, erhoben werden.

Angesichts des Klimawandels werden neben Daten zur Entwicklung des ländlichen Raums, zur Kreislaufwirtschaft und zur Wissenschaft langfristige Daten benötigt. Insbesondere bei der Erhebung von Ergänzungsdaten in allen EU-Mitgliedstaaten ist Interoperabilität zu gewährleisten und sicherzustellen, dass die Erhebung mit derselben Granularität, Technologie und Häufigkeit erfolgt. Stets sollte auf die Verringerung des Verwaltungsaufwands und die Vermeidung übermäßiger Bürokratie, z. B. bei mehrfacher Datenerhebung und -berichterstattung, geachtet werden. Walddaten zu wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Aspekten müssen gleich gewichtet werden.

Die Bedeutung der Achtung des privaten Eigentumsrechts und des Eigentums an Daten, insbesondere im Rahmen des Subsidiaritätsprinzips, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Bei der forstwirtschaftlichen Dateninfrastruktur muss das öffentliche Interesse im Vordergrund stehen.

In jedem EU-Mitgliedstaat, der Nutzen aus Wäldern zieht, sollte ein langfristiger Waldplan bestehen, der andere Wald- und Holzstrategien ergänzt und mit den Nachhaltigkeitszielen übereinstimmt. Neben der Berücksichtigung des Partnerschaftsprinzips und der Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Ausarbeitung und Umsetzung langfristiger Waldpläne gilt es, soziale und wirtschaftliche Aspekte unter Berücksichtigung der vielfältigen Werte der Wälder in die Struktur der Waldpläne einzubeziehen.

Die Rolle des Ständigen Forstausschusses, dem einschlägige Akteure der Zivilgesellschaft angehören sollten, muss gestärkt werden.

von Christian Moos

Die Sorge vor bösartigem Einfluss aus feindlich gesinnten Staaten wie Russland ist mehr als berechtigt. Günstige Kredite für rechtsextreme Parteien, Aufsichtsratsposten für abgehalfterte Spitzenpolitiker, lukrative Aufträge für windige Unternehmer und auch die Finanzierung angeblicher Nichtregierungsorganisationen sind und waren keine Einzelfälle.

von Christian Moos

Die Sorge vor bösartigem Einfluss aus feindlich gesinnten Staaten wie Russland ist mehr als berechtigt. Günstige Kredite für rechtsextreme Parteien, Aufsichtsratsposten für abgehalfterte Spitzenpolitiker, lukrative Aufträge für windige Unternehmer und auch die Finanzierung angeblicher Nichtregierungsorganisationen sind und waren keine Einzelfälle.

Deshalb ist es richtig, dass wir mit Blick auf die Europawahlen sehr wachsam sein müssen. Trotz mancher guten Empfehlungen an die Mitgliedstaaten kommt das Paket zur Verteidigung der Demokratie aber viel zu spät. Die Kommission hatte es erst spät auf den Weg gebracht und dann im Frühsommer 2023 um mehr als ein halbes Jahr verschoben, weil die Kritik an dem Rechtsetzungsvorschlag, den das Paket beinhalten sollte, sehr laut und vor allem einhellig war.

Das im Dezember veröffentlichte Paket bestätigte dann aber die schlimmsten Befürchtungen. Die vorgeschlagene Richtlinie würde Nichtregierungsorganisationen, die Gelder von Regierungen aus Drittstaaten wie etwa den USA erhalten, stigmatisieren. Allein schon der Vorschlag dient autoritären Regierungen als Rechtfertigung, die mit ihren „foreign agents laws“ jede demokratische Opposition mundtot zu machen versuchen.

Abgesehen davon sind die Definitionen der Richtlinie unscharf und die Schlupflöcher für die tatsächlichen Agenten Moskaus riesengroß. Warum, so fragen sich die Vertreter der organisierten europäischen Zivilgesellschaft, sieht die Kommission kein allgemeines, alle Interessenvertreter erfassendes Transparenzregister vor, das kompatibel mit den bereits auf nationaler Ebene bestehenden Gesetzen wäre und für alle Akteure eine rechtsklare und rechtssichere Grundlage schafft?

Die Kommission sollte diesen Richtlinienentwurf zurückziehen und ihre Nachfolgerin 2025 einen umfassenderen Ansatz wählen, der den Feinden der Demokratie nicht in die Hände spielt.

Unser Überraschungsgast ist Bruno Kaufmann. Er ist Botschafter der Europäischen Bürgerinitiative, die Bürgern ein einzigartiges Instrument an die Hand gibt, mit dessen Hilfe sie im Idealfall neue EU-Rechtsvorschriften vorschlagen können. Er erläutert, warum die Europäische Bürgerinitiative so wichtig ist und, wenn sie Erfolg hat, einmal als eine der bemerkenswertesten demokratischen Errungenschaften seit der Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts im 20. Jahrhundert gelten könnte.

Unser Überraschungsgast ist Bruno Kaufmann. Er ist Botschafter der Europäischen Bürgerinitiative, die Bürgern ein einzigartiges Instrument an die Hand gibt, mit dessen Hilfe sie im Idealfall neue EU-Rechtsvorschriften vorschlagen können. Er erläutert, warum die Europäische Bürgerinitiative so wichtig ist und, wenn sie Erfolg hat, einmal als eine der bemerkenswertesten demokratischen Errungenschaften seit der Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts im 20. Jahrhundert gelten könnte.

Bruno Kaufmann ist ein schwedisch-schweizerischer Politikwissenschaftler und Journalist. Seine Publikationen zur modernen direkten und repräsentativen Demokratie wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Er berichtet für den internationalen Dienst SWI swissinfo.ch der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRF) als globaler Demokratiekorrespondent aus Nordeuropa. Bruno ist Mitgründer und Vorstandsmitglied von Organisationen zur Förderung der Demokratie, wie dem Initiative and Referendum Institute Europe, Democracy International und dem Globalen Forum für moderne direkte Demokratie. Er ist Direktor für internationale Zusammenarbeit der Schweizer Demokratie Stiftung.

Mehr als 100 junge Menschen aus der EU, den Kandidatenländern und dem Vereinigten Königreich kamen zur Jugendplenartagung Your Europe, Your Say! (YEYS) zusammen, um sich über ihre Visionen und Empfehlungen für die Zukunft der Europäischen Union auszutauschen. Da bald die Europawahlen anstehen, geht es bei YEYS 2024 in erster Linie darum, wie Desinteresse angegangen und die Beteiligung junger Menschen gefördert werden können.

Mehr als 100 junge Menschen aus der EU, den Kandidatenländern und dem Vereinigten Königreich kamen zur Jugendplenartagung Your Europe, Your Say! (YEYS) zusammen, um sich über ihre Visionen und Empfehlungen für die Zukunft der Europäischen Union auszutauschen. Da bald die Europawahlen anstehen, geht es bei YEYS 2024 in erster Linie darum, wie Desinteresse angegangen und die Beteiligung junger Menschen gefördert werden können.

Wichtigste Empfehlungen:

  1. Einführung einer Jugendquote für die Wahlen zum Europäischen Parlament.
  2. Erlass einer Richtlinie, die Menschenrechte und Umwelterwägungen in Lieferketten und Unternehmenstätigkeiten vorschreibt.
  3. Schaffung eines Rechtsrahmens für soziale Medien, um Polarisierung und Desinformation zu bekämpfen.
  4. Entwicklung einer standardisierten Strategie für sexuelle und reproduktive Rechte.
  5. Umsetzung besonderer Steuerleitlinien für klimaschädliche Waren – mit den Erlösen sollen klimafreundliche Initiativen finanziert werden.

Diese Vorschläge werden den EU-Institutionen und politischen Entscheidungsträgern vorgelegt. Außerdem werden sie in der Woche der Zivilgesellschaft thematisiert und in eine Entschließung des EWSA zur bevorstehenden Europawahl einfließen.(gb)

Ob es nun um den Zustand der Demokratie im Allgemeinen oder die Europäische Bürgerinitiative (EBI) im Besonderen geht – es sieht nicht gut aus.

Ob es nun um den Zustand der Demokratie im Allgemeinen oder die Europäische Bürgerinitiative (EBI) im Besonderen geht – es sieht nicht gut aus.

Am 7. März hat „Varieties of Democracy“ seinen aktuellen Bericht über den Zustand der Demokratie in der Welt vorgelegt. Demnach ist der Anteil der Menschen, die in einer Demokratie leben, inzwischen auf den Stand von vor fast 40 Jahren zurückgegangen. Zwar sind dieses Jahr weltweit mehr Wahlberechtigte als je zuvor aufgefordert, an Wahlen teilzunehmen, doch finden diese Wahlen oftmals in Ländern statt, die sich zunehmend zu Autokratien entwickeln.

Ähnliche Bedenken wurden auch während der ersten Woche der Zivilgesellschaft geäußert, die Anfang März vom Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss ausgerichtet wurde. Hier galten die Bedenken der Europäischen Bürgerinitiative (EBI). Die EBI ist das weltweit erste transnationale Instrument der direkten Demokratie. Vertretern der Zivilgesellschaft, der Medien, der Wissenschaft und der EBI-Verwaltung zufolge ist die Initiative „zu kompliziert“, „zu unattraktiv“, „ineffizient“ sowie „kaum bekannt“ und findet „kaum Vertrauen“ – um nur einige der wenig schmeichelhaften Reaktionen zu zitieren.

Aus meiner Sicht sind diese äußerst kritischen Bewertungen nicht nur erschreckend zutreffend, die Kritik fällt eigentlich auch zu zurückhaltend und sparsam aus. Die weltweit vorherrschende Staats- und Regierungsform sollte schließlich die Demokratie sein! Doch dazu müssten Bürger und Wahlberechtigte weltweit bei weitem mehr erstreiten, als ihnen derzeit zugestanden wird. 

Es gilt nicht nur, sich gegen die Angst, die heutigen Diktatoren und deren feige Gefolgschaft zur Wehr zu setzen. Der Vorstoß muss viel stärker sein. Eine Möglichkeit wäre es, die Europäische Bürgerinitiative weiterzuentwickeln.

Denn was hat die EBI zu bieten? Drei Dinge: Ein Recht, ein Instrument und eine Handhabe, die es so in der Geschichte oder in der Welt noch nie gab. Die EBI ist komplex und umfassend angelegt, digital, direktdemokratisch, transnational, mit einer entsprechenden Infrastruktur ausgestattet und wird intensiv genutzt. 

Seit der EBI-Mechanismus 2012 ins Leben gerufen wurde, werden immer neue Europäische Bürgerinitiativen initiiert und umgesetzt und nachgebessert. Das beweist, dass der demokratische Handlungsspielraum selbst unter widrigsten Umständen ausgeweitet und konsolidiert werden kann.

Es steht zu hoffen, dass aus dem „verwöhnten Kind“ im nächsten Jahr, also im zarten Alter von 13 Jahren, ein „rebellischer Teenager“ wird, der Europa und der Welt endlich zeigt, wozu er fähig ist. Wir brauchen diese neue, ungebändigte Kraft, um die verkrusteten Denkmuster der Nationalstaaten und bürokratisierten Strukturen der Europäischen Union aufzubrechen und ihnen neues Leben einzuhauchen. 

Um es ganz offen zu sagen: Es bringt nichts, die demokratischen Formen des Miteinanders immer wieder neu zu erfinden und das für innovativ zu halten. Stattdessen sollten wir uns der EBI zuwenden, damit sie schließlich, mit 16 Jahren oder zumindest am Ende dieses Jahrzehnts mit 18 Jahren „erwachsen“ wird.  

Was das bedeutet? Bis 2028 oder 2030 müssen zwei wichtige Dinge geschehen: Zum Ersten muss die EBI dieselben Befugnisse zur Festlegung der Agenda wie das Europäische Parlament erhalten. Mit anderen Worten: EU-Bürger sollten genau wie gewählte Mitglieder des Europäischen Parlaments Rechtsvorschriften und andere Regierungsmaßnahmen vorschlagen können.

Zum Zweiten sollten EU-Bürger bis zum Ende dieses Jahrzehnts zu grundsätzlichen Fragen nicht nur Rechtsvorschriften auf den Weg bringen, sondern auch europaweite Volksabstimmungen (Referenden) erwirken können. Die Idee eines europaweiten Referendums ist nicht neu, doch dank der Einrichtung der EBI und ihrer ersten Jahre ist die Zeit nun reif dafür.

Wenn es ausgehend von der EBI gelingt, eine solche Zukunft aufzubauen, dann werden die Menschen einmal rückblickend erkennen, dass sie der Europäischen Bürgerinitiative eine der bemerkenswertesten demokratischen Errungenschaften seit der Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts im 20. Jahrhundert zu verdanken haben.

Das slowakische Projekt Verrückt? Na und! der Organisation Integra bringt Schülerinnen und Schüler mit Menschen zusammen, die schon einmal psychische Probleme hatten. Während eines ganzen Schultags erfahren die Jugendlichen aus erster Hand, was es bedeutet, eine psychische Krise zu überwinden und wie man sich Hilfe holen kann. Laut der Leiterin von Integra, Jana Hurová, trägt das Projekt dazu bei, die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Problemen abzubauen und lässt betroffene Jugendliche neue Hoffnung schöpfen.

Das slowakische Projekt Verrückt? Na und! der Organisation Integra bringt Schülerinnen und Schüler mit Menschen zusammen, die schon einmal psychische Probleme hatten. Während eines ganzen Schultags erfahren die Jugendlichen aus erster Hand, was es bedeutet, eine psychische Krise zu überwinden und wie man sich Hilfe holen kann. Laut der Leiterin von Integra, Jana Hurová, trägt das Projekt dazu bei, die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Problemen abzubauen und lässt betroffene Jugendliche neue Hoffnung schöpfen.

Was war der Anstoß für Ihr Projekt?

Unsere Organisation unterstützt seit vielen Jahren Menschen mit psychischen Problemen. Durch ihre Krankheit haben sie ihren Arbeitsplatz, ihre Wohnung, ihre Freunde und manchmal auch ihre Familie verloren. Ihre ganze Welt ist zusammengebrochen. Vor fast 30 Jahren haben wir in der Slowakei begonnen, gemeindenahe Dienstleistungen im Bereich der psychischen Gesundheit anzubieten. Ziel war es, dafür zu sorgen, dass Menschen nach der Behandlung in einem psychiatrischen Krankenhaus Hilfe bekommen und in ihr normales Leben zurückkehren können. Wir haben die Entstehung von Patientenorganisationen in der Slowakei unterstützt und verschiedene Programme zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen durchgeführt. Wir kümmern uns um Menschen mit schweren psychischen Problemen, insbesondere Schizophrenie. Vielen von ihnen ist es bereits gelungen, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren und einen Sinn in ihrem Leben zu finden.

Von Anfang an haben wir neue Wege beschritten und die von uns unterstützten Menschen als Partner gesehen, um ihren Bedürfnissen bestmöglich gerecht zu werden. Bei dem Projekt Verrückt? Na und! verfolgen wir einen ähnlichen Ansatz. Viele unserer Klientinnen und Klienten haben das Gefühl etwas Nützliches zu tun, indem sie Jugendliche treffen und anhand ihrer persönlichen Erfahrung darüber sprechen, was ihnen in deren Alter fehlte und was später ihre psychischen Probleme ausgelöst hat.

Es besteht zunehmender Bedarf, die Bedeutung der psychischen Gesundheit hervorzuheben. Wissen, wie man eine persönliche Krise bewältigt, ist eine große Stärke.

Das Projekt Verrückt? Na und! haben wir in der Slowakei 2005 gemeinsam mit Partnern aus Deutschland und Tschechien gestartet. Allerdings ist es uns erst vor Kurzem gelungen, es auf eine stabilere Grundlage zu stellen und auszuweiten. Wir haben eine Coachingausbildung eingeführt, arbeiten neue Teams ein und besuchen neue Schulen.

Wie wurde Ihr Projekt aufgenommen? Haben Sie Rückmeldungen von den Menschen erhalten, denen Sie geholfen haben?  (Können Sie gegebenenfalls ein Beispiel nennen?)

Es beeindruckt junge Menschen immer sehr, wenn sie die Möglichkeit haben, jemanden zu treffen, der eine psychische Krise überwunden hat und den sie alles fragen können. So lernen sie, dass sich immer Hilfe findet, falls sie selbst Probleme haben sollten. Die Tatsache, dass es sich um einen ganzen Schultag handelt und die Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet, wird immer positiv wahrgenommen.

Menschen, die persönliche Erfahrungen mit psychischen Problemen haben, können Jugendlichen den Mut geben, ihre eigenen anzugehen. In fast jeder Klasse hat jemand solche Probleme. Diesen Schülerinnen und Schülern ein bisschen Hoffnung zu geben, ist unschätzbar wertvoll. Das Erzählen ihrer Geschichte bietet Betroffenen die Möglichkeit, sich besser zu fühlen. Dabei entscheiden sie selbst, wie viel sie von ihrem Leben preisgeben wollen. Indem sie sich mitteilen, fühlen sie sich nützlich und verstanden.

Wir erhalten viel Feedback, wie z. B. von Schülerinnen und Schülern, die uns erklärten, dass sie in der Regel nicht die Möglichkeit haben, Menschen mit psychischen Problemen zu treffen, oder dass wir lernen sollten, solche Menschen zu akzeptieren und sie nicht dafür zu verurteilen, anders zu sein.

Auch von an dem Projekt beteiligten Personen mit psychischen Problemen gibt es Rückmeldungen. Eine Person vertraute uns an:

„Das Projekt gibt mir den Mut, zu mir zu stehen. Ich will endlich leben! Mit Schülerinnen und Schülern zu sprechen, ist schwer, aber auch eine dankbare Aufgabe. Sie sind sehr offen und haben kaum Angst vor sozialen Kontakten. Das Schönste für mich ist, festzustellen, dass uns viel mehr verbindet als trennt und ich nicht als ‘verrückt’ wahrgenommen werde. Es ist toll, dass ich Menschen dabei helfen kann, endlich offen über psychische Probleme zu sprechen und sich nicht mehr schämen oder verstecken zu müssen.“

Was uns anspornt, sind die Jugendlichen. Nach jedem unserer Projekttage hören wir, wie wichtig das Projekt Verrückt? Na und! für sie ist und dass es fortgesetzt werden sollte, damit alle jungen Menschen in der Slowakei sich bewusst werden können, wie wertvoll ihre psychische Gesundheit ist.

Planen Sie bereits neue Projekte?

Wir wünschen uns, dass alle Jugendlichen die Möglichkeit bekommen, an einem solchen Projekttag teilzunehmen, und dass wir das Projekt auf andere Regionen der Slowakei ausdehnen können. Ansonsten besteht es bereits in Deutschland (wo es konzipiert wurde), Tschechien und Österreich. Dieses Jahr haben wir auch die ersten Teams in der Ukraine geschult.

Für wie wichtig halten Sie es, offen über psychische Probleme zu sprechen? Was ist die Botschaft Ihres Projekts?

Wir wollen vermitteln, dass psychische Probleme keine Schande sind. Eine Schande wäre es allerdings, nichts für die eigene Gesundheit zu tun. Denn es gibt keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit.

Der Hauptgedanke hinter dem Projekt Verrückt? Na und! ist also, rechtzeitig die Bedeutung der psychischen Gesundheit hervorzuheben und gleichzeitig das Verständnis für Menschen mit psychischen Problemen zu fördern.

Wir haben festgestellt, dass Vorbeugen viel besser ist als Heilen. Und auch wirksamer. Wir machen Mut, motivieren und sind optimistisch. Es findet sich immer Hilfe. Manchmal reicht es, jemanden zum Reden zu haben. Für seine Träume zu kämpfen, ist nie einfach, aber es lohnt sich.