Die Datenlage zur psychischen Gesundheit in der EU gibt wahrlich keinerlei Anlass, sich entspannt zurückzulehnen, sie sollte uns vielmehr aufrütteln. Der EWSA spricht sich sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene für stärkere Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit aus. Außerdem fordert er verbindliche Rechtsvorschriften zur Prävention psychosozialer Risiken am Arbeitsplatz. Mit dem Preis der Zivilgesellschaft zum Thema psychische Gesundheit würdigt der EWSA die anhaltenden Bemühungen der Zivilgesellschaft um die Verbesserung des Wohlbefindens der Menschen in Europa.

Die Datenlage zur psychischen Gesundheit in der EU gibt wahrlich keinerlei Anlass, sich entspannt zurückzulehnen, sie sollte uns vielmehr aufrütteln. Der EWSA spricht sich sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene für stärkere Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit aus. Außerdem fordert er verbindliche Rechtsvorschriften zur Prävention psychosozialer Risiken am Arbeitsplatz. Mit dem Preis der Zivilgesellschaft zum Thema psychische Gesundheit würdigt der EWSA die anhaltenden Bemühungen der Zivilgesellschaft um die Verbesserung des Wohlbefindens der Menschen in Europa.

  1. Angesichts des europaweit verzeichneten sprunghaften Anstiegs psychischer Erkrankungen wie Angststörungen und Depressionen im Zuge der COVID-Pandemie hat der EWSA beschlossen, seinen prestigeträchtigen Preis der Zivilgesellschaft dem Thema der psychischen Gesundheit zu widmen. Nach Angaben der OECD hat sich die Zahl junger Menschen mit Angstsymptomen in mehreren europäischen Ländern mehr als verdoppelt. Auch Essstörungen treten seit der Pandemie insbesondere bei Jugendlichen früher auf. Schon vor COVID-19 waren mindestens 84 Millionen Menschen, d. h. ca. 17 % der Bevölkerung, in der EU von psychischen Problemen betroffen.
  2. Circa 4 % der Todesfälle in der EU sind jedes Jahr auf psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen zurückzuführen. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen sind enorm: Die direkten und indirekten Kosten belaufen sich auf ungefähr 4 % des BIP. Mehr als ein Drittel dieser Kosten sind auf niedrigere Beschäftigungsquoten und eine geringere Arbeitsproduktivität zurückzuführen.
  3. 2020 gaben laut Eurostat 44,6 % der erwerbstätigen Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren in der EU an, bei der Arbeit mit Risikofaktoren für ihr psychisches Wohlbefinden konfrontiert zu sein. Als häufigsten Risikofaktor für das psychische Wohlbefinden am Arbeitsplatz nannten fast 20 % der Erwerbstätigen in der EU Arbeitsüberlastung oder Zeitdruck.
  4. Das psychische Wohlbefinden steht auf der politischen Agenda der EU ganz oben. Dementsprechend hat die Kommission im Juni 2023 eine umfassende Herangehensweise für den Bereich der psychischen Gesundheit angenommen. Dieser neue Ansatz, den die EU mit Mitteln in Höhe von 1,23 Mrd. Euro fördert, zielt darauf ab, die psychische Gesundheit in allen Politikbereichen der EU zu fördern, und beruht auf drei Leitprinzipien: i) angemessene und wirksame Prävention, ii) Zugang zu hochwertiger und bezahlbarer psychischer Gesundheitsversorgung und Behandlung und iii) Wiedereingliederung in die Gesellschaft nach der Genesung. Die psychische Gesundheit hat auch für den EWSA politische Priorität und ist ein zentraler Punkt seiner Arbeit.
  5. Nicht weniger als 105 Projekte aus der ganzen EU wurden für den Preis der Zivilgesellschaft vorgeschlagen. Das Themenspektrum ist weit gefächert: von Projekten zur Prävention psychosozialer Risiken am Arbeitsplatz oder zur Bewältigung von Problemen wie Drogenmissbrauch und Onlinesucht bis hin zur Bekämpfung der Stigmatisierung psychischer Probleme und zur Förderung der gemeindenahen Unterstützung. Der EWSA hofft, dass er durch die prominente Würdigung dieses wichtigen Engagements nichtstaatlicher Akteure andere inspirieren kann, diesem Beispiel zu folgen. (sg)

Mit dem EWSA-Preis der Zivilgesellschaft werden gemeinnützige Projekte ausgezeichnet, die von Einzelpersonen, Organisationen der Zivilgesellschaft und Unternehmen durchgeführt werden. Der Preis ist jedes Jahr einem anderen wichtigen Thema aus dem Arbeitsbereich des EWSA gewidmet. Mit dem 14. Preis der Zivilgesellschaft zum Thema psychische Gesundheit werden die irische Stiftung „Third Age“ und ihr Netzwerk für soziales Engagement „AgeWell“ ausgezeichnet, die sich gegen Einsamkeit im Alter engagieren.

Mit dem EWSA-Preis der Zivilgesellschaft werden gemeinnützige Projekte ausgezeichnet, die von Einzelpersonen, Organisationen der Zivilgesellschaft und Unternehmen durchgeführt werden. Der Preis ist jedes Jahr einem anderen wichtigen Thema aus dem Arbeitsbereich des EWSA gewidmet. Mit dem 14. Preis der Zivilgesellschaft zum Thema psychische Gesundheit werden die irische Stiftung „Third Age“ und ihr Netzwerk für soziales Engagement „AgeWell“ ausgezeichnet, die sich gegen Einsamkeit im Alter engagieren.

Am 7. März zeichnete der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) fünf gemeinnützige Organisationen für ihren herausragenden Beitrag zur Bekämpfung psychischer Erkrankungen aus, die in der EU dramatisch zugenommen haben.

Das Preisgeld in Höhe von 50 000 Euro wurde unter fünf ausgezeichneten Projekten aufgeteilt.

Die irische Wohltätigkeitsstiftung Third Age erhielt den ersten Preis, der mit 14 000 Euro dotiert ist.

Die vier weiteren Preisträger in folgender Reihenfolge erhielten jeweils 9 000 Euro:

  • 2. Platz: Vereinigung Pro Lapinlahti, FINNLAND, für ihr Gemeinschaftszentrum Lapinlahden Lähde
  • 3. Platz: Integra, SLOWAKEI, für ihre Initiative „Crazy? So what!“
  • 4. Platz: Stiftung Lilinkoti, FINNLAND, für ihre Spiele The World of Recovery
  • 5. Platz: Organisation Animenta, ITALIEN, für ihr Projekt Telling Stories for Good

GEWINNER DES ERSTEN PREISES

Mit AgeWell, ihrem Netzwerk für soziales Engagement, hilft die irische Wohltätigkeitsstiftung Third Age älteren Menschen, die isoliert, gebrechlich und schutzbedürftig sind. Im Rahmen dieses einzigartigen gemeindenahen Diensts helfen Menschen über 50 gefährdeten und bedürftigen älteren Menschen. AgeWell bietet durch eine Kombination aus Hausbesuchen und einem Fragebogen zur psychischen Gesundheit auf dem Smartphone somit Gesellschaft und emotionale Unterstützung und trägt zur frühzeitigen Erkennung von Gesundheitsrisiken bei.

WEITERE AUSGEZEICHNETE PROJEKTE

Der zweite Platz geht an die finnische Vereinigung Pro Lapinlahti und ihr Gemeinschaftszentrum Lapinlahden Lähde („Der Frühling von Lapinlahti“). Das Zentrum, das im Rahmen der Renovierung des Krankenhauses von Helsinki in Lapinlahti errichtet wurde, organisiert verschiedene Workshops und Veranstaltungen rund um die psychische Gesundheit und zieht jedes Jahr 50 000 Besucher an. Das Zentrum ist eine „diagnosefreie Zone“, jeder darf sein, wie er ist, niemand wird abgestempelt oder aufgrund einer Diagnose stigmatisiert. Es geht darum, die Menschen zu stärken und nicht zu bevormunden.

Auf dem dritten Platz steht die slowakische Organisation Integra mit ihrer Initiative „Crazy? So what!“, die Stereotype durchbrechen will, indem sie bei jungen Menschen ein auf Mitgefühl basierendes Verständnis der psychischen Gesundheit fördert. Integra veranschaulicht, was es bedeutet, unter psychischen Störungen zu leiden, und zeigt Wege zur Genesung auf.

Die finnische Stiftung Lilinkoti erhielt den vierten Platz. Sie will psychische Gesundheit mit ihren innovativen und kreativen Spielen „The World of Recovery“ fördern. Die Spiele unterstützen die psychische Gesundheit durch Ziele, die ein gesundes Selbstbild, persönliche Autonomie und ein aktives und sinnvolles Leben anregen. Das erste Spiel ist ein gewaltfreies Handyspiel, bei dem zweiten Spiel handelt es sich um ein preisgekröntes Rollenspiel-Brettspiel. Die Zielgruppe der kostenlosen Spiele sind Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen und ehemalige Drogenabhängige sowie Fachleute.

Das Projekt „Telling Stories for Good“ der gemeinnützigen Organisation Animenta gewann den fünften Platz. Mit dem Projekt schreibt Animenta stereotype Narrative zu Essstörungen um. Allein in Italien leiden mehr als vier Millionen Menschen darunter, zwei Millionen der Betroffenen sind Jugendliche. Die Präventions- und Sensibilisierungsprogramme von Animenta werden von Freiwilligen im Internet und in Schulen in ganz Italien durchgeführt.

Der EWSA hat das Verfahren für den diesjährigen Preis im Juli 2023 eingeleitet. Indem der EWSA seinen Preis dem Thema psychische Gesundheit gewidmet hat, wollte er die Schlüsselrolle der Zivilgesellschaft bei der Behandlung und Prävention von Problemen im Bereich der psychischen Gesundheit würdigen. Die Preisträger wurden aus über 100 Bewerbungen aus 23 Mitgliedstaaten ausgewählt.

Bei früheren Ausgaben des Preises standen junge Menschen und die Hilfe für die Ukraine, der Klimaschutz, die Gleichstellung der Geschlechter, die Stärkung der Rolle von Frauen und die Migration im Mittelpunkt. 2020 verlieh der EWSA anstelle des Preises der Zivilgesellschaft einmalig einen Sonderpreis der zivilgesellschaftlichen Solidarität bei der Bekämpfung von COVID-19. (ll)

Der Tag der Europäischen Bürgerinitiative 2024 hat deutlich vor Augen geführt, wo die Möglichkeiten und Grenzen der Europäischen Bürgerinitiative (EBI) liegen. Natürlich wurde gewürdigt, wie durch frühere Initiativen für Anliegen sensibilisiert und eine öffentliche Debatte angestoßen werden konnte. Doch im Rahmen der Diskussionsrunden kam auch die Enttäuschung darüber zur Sprache, dass die EU-Organe auf Anliegen nicht angemessen reagieren und diese nicht konsequent weiterverfolgen.

Der Tag der Europäischen Bürgerinitiative 2024 hat deutlich vor Augen geführt, wo die Möglichkeiten und Grenzen der Europäischen Bürgerinitiative (EBI) liegen. Natürlich wurde gewürdigt, wie durch frühere Initiativen für Anliegen sensibilisiert und eine öffentliche Debatte angestoßen werden konnte. Doch im Rahmen der Diskussionsrunden kam auch die Enttäuschung darüber zur Sprache, dass die EU-Organe auf Anliegen nicht angemessen reagieren und diese nicht konsequent weiterverfolgen.

Wichtigste Anregungen vom Tag der Europäischen Bürgerinitiative:

  • Mehr als ein Zettelkasten für Vorschläge:  Erfolgreiche Europäische Bürgerinitiativen sollten automatisch substanzielle Maßnahmen der Kommission nach sich ziehen. Dazu gehören auch konkrete Antworten sowie gegebenenfalls Legislativvorschläge. Dadurch hätten die Bürgerinitiativen direkten Einfluss auf das EU-Recht und würden zu einem zielführenden Dialog zwischen Bürgern und Institutionen beitragen.
  • Stärkere Partnerschaften: Zusammenarbeit ist entscheidend. Die strategische Zusammenarbeit zwischen Organisatoren, Zivilgesellschaft, Medien und öffentlichen Partnern ist die Voraussetzung dafür, dass Bürger sich mehr Gehör verschaffen können.
  • Kontinuierliche Verbesserungen: Der Rahmen der EBI wird ständig weiterentwickelt. Durch Erschließung bewährter Verfahren und Förderung des Wissensaustauschs zwischen Interessenträgern kann das EBI-Verfahren verbessert und noch mehr Bürgerinnen und Bürger die aktive Teilnahme ermöglicht werden.

Die Bürgerinnen und Bürger können die EU in Form einer Europäischen Bürgerinitiative auffordern, tätig zu werden und ein neues Gesetz zu einem bestimmten Thema vorzuschlagen. Wenn eine Initiative eine Million Unterschriften erhalten hat, entscheidet die Kommission, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. (gb)

Das Krankenhaus Lapinlahti war Finnlands erstes psychiatrisches Krankenhaus und ist ein Symbol für die psychiatrische Versorgung des Landes. Im Jahr 2013 konnte es auf eine 170-jährige Geschichte zurückblicken, aber es stand leer und war in Vergessenheit geraten. Dann kam eine Gruppe von Aktivisten im Bereich der psychischen Gesundheit und krempelte die Ärmel hoch. Sie wollten aus dem heruntergekommen geschichtsträchtigen Ort ein offenes Zentrum für psychische Gesundheit, Kultur und Kunst machen. Siru Valleala vom Verein Pro Lapinlahti, der das Zentrum betreibt, berichtete uns, dass Lapinlahden Lähde jetzt in erster Linie ein inklusiver Ort ist, an dem kein Platz für Stigmatisierung und Vorurteile ist. Alle sollen sich dort willkommen fühlen.

Das Krankenhaus Lapinlahti war Finnlands erstes psychiatrisches Krankenhaus und ist ein Symbol für die psychiatrische Versorgung des Landes. Im Jahr 2013 konnte es auf eine 170-jährige Geschichte zurückblicken, aber es stand leer und war in Vergessenheit geraten. Dann kam eine Gruppe von Aktivisten im Bereich der psychischen Gesundheit und krempelte die Ärmel hoch. Sie wollten aus dem heruntergekommen geschichtsträchtigen Ort ein offenes Zentrum für psychische Gesundheit, Kultur und Kunst machen. Siru Valleala vom Verein Pro Lapinlahti, der das Zentrum betreibt, berichtete uns, dass Lapinlahden Lähde jetzt in erster Linie ein inklusiver Ort ist, an dem kein Platz für Stigmatisierung und Vorurteile ist. Alle sollen sich dort willkommen fühlen.

Was war der Anstoß für Ihr Projekt bzw. Ihre Initiative?

Das Krankenhaus Lapinlahti ist das erste psychiatrische Krankenhaus Finnlands und stammt aus dem Jahr 1841. Doch 2013 stand es leer. Die Stadt Helsinki hatte keine Pläne, wie es damit weitergehen sollte. Die historische Stätte, die inmitten eines schönen Parks liegt, war dem Vergessen und dem Verfall preisgegeben. Diese traurige Situation war einer Gruppe von Aktivisten im Bereich der psychischen Gesundheit ein Ansporn, ihre Visionen und Träume für den Ort zu verwirklichen. Sie wollten das Krankenhaus Lapinlahti und seinen Park in ein offenes Zentrum für psychische Gesundheit, Kultur und Kunst verwandeln.

Das war der Anfang dessen, was heute als Lapinlahden Lähde („die Quelle Lapinlahti“) bekannt ist.  Die Aktivitäten hatten ihren Ausgang in der historischen und architektonischen Bedeutung des Gebiets im Herzen der Lapinlahti-Bucht, hinter der 170 Jahre Arbeit zum Wohle der psychischen Gesundheit stehen. Der Schwerpunkt wurde von der Behandlung von Krankheiten auf die Förderung des Wohlergehens in allen Schichten der Gesellschaft verlagert. Lapinlahden Lähde ist heute ein lebendiges Vorbild im kontinuierlichen Kampf gegen die Stigmatisierung und steht für einen Paradigmenwechsel hin zur Förderung des Positiven.

In der Vergangenheit war Lapinlahti ein Ort, an dem die Psychiatrie große Fortschritte gemacht hat und ein Ort, an dem psychiatrische Behandlungen kontinuierlich weiterentwickelt wurden. Nun aber wollten die Aktivisten der 1988 gegründeten Vereinigung für psychische Gesundheit „Pro Lapinlahti“ (zur damaligen Zeit wurde Lapinlahti noch aktiv als Krankenhaus genutzt) ein innovatives Zentrum zur Förderung der psychischen Gesundheit aufbauen, das auf den gesamten Wissensschatz des 21. Jahrhunderts zugreift. Es sollte ein Ort erschaffen werden, der den konkreten Paradigmenwechsel von der Behandlung psychischer Erkrankungen zur Förderung des psychischen Wohlbefindens verkörpert.

Wie wurde Ihr Projekt aufgenommen? Haben Sie Rückmeldungen von den Menschen erhalten, denen Sie geholfen haben?  Können Sie uns ein Beispiel geben?

Anfangs wagten sich die Menschen kaum durch das Eingangstor. Das Gebiet war, als es noch als psychiatrisches Krankenhaus diente, 170 Jahre lang für die Öffentlichkeit geschlossen. Trotz Interesse und Neugierde wollten die Leute nicht so recht glauben, dass sie dort willkommen sind und sich umschauen können. Doch dann kamen die Menschen allmählich zu den Aktivitäten und Veranstaltungen und fingen an, begeistert mitzuhelfen und sie weiterzuentwickeln. Es wurde Freiwilligenarbeit geleistet, und Ideen wurden ausgetauscht. Künstler und Darsteller kamen mit Ausstellungen und kulturellen Veranstaltungen nach Lapinlahden Lähde. Heute finden dort jährlich mehr als 400 Veranstaltungen statt, und es sind zwischen 50 bis 60 Kunstausstellungen zu sehen. Lapinlahti ist für alle Helsinkier zu einem offenen Lebensraum geworden, in dem das psychische Wohlbefinden gefördert und tagtäglich etwas gegen Einsamkeit und soziale Ausgrenzung unternommen wird.

„Als ich an dieser Initiative mitwirkte, fühlte ich mich sehr froh, dabei sein und helfen zu können, diesem Ort wieder neues Leben zu geben. Die Schwere ist wie weggeblasen.“ (Cresswell-Smith et al 2022)

Heute hat man im Krankenhaus Lapinlahti das Gefühl, geborgen zu sein und dazuzugehören. An diesem Ort fühlt man sich stets willkommen, ganz gleich, wie es einem gerade geht oder in welcher Lebenssituation man sich befindet. Lapinlahtis Vergangenheit als psychiatrisches Krankenhaus ist sinnstiftend. Hier darf man verletzbar sein; der Umgang mit psychischen Problemen ist offen und völlig einzigartig. Wir bauen auf einem starken Gemeinschaftsgefühl auf, jeder kann in einem sicheren Umfeld seine eigenen Stärken erkunden. Stigmatisierung und Diskriminierung haben hier nichts zu suchen. Wir in Lapinlahden Lähde sind stolz darauf, alle einzubeziehen.

Lapinlahtis Programm wurde gemeinsam mit dem Eigentümer, der Stadt Helsinki, entwickelt und bildet das Fundament für den gesamten Betrieb. Derzeit werden weitreichende politische Entscheidungen über die künftige Eigenverantwortung des Komplexes getroffen. Wir hoffen, dass der Erfolg der derzeitigen Maßnahmen in vollem Umfang berücksichtigt wird.

Wie werden Sie das Geld verwenden, um die Gemeinschaft weiter zu unterstützen? Planen Sie bereits neue Projekte?

Wir werden unsere Aktivitäten weiter ausbauen, damit noch mehr Menschen daran teilnehmen und davon profitieren können. Wir haben kürzlich ein spannendes Projekt für Menschen ins Leben gerufen, die sich in der Rekonvaleszenz psychischer Leiden befinden. Es zielt darauf ab, kulturelle Aktivitäten anzubieten und sogar ein Recht darauf zu schaffen. Insbesondere soll den Menschen dabei geholfen werden, herauszufinden, wie sie sich kulturell ausdrücken können und was für sie in Bezug auf die Kultur des psychischen Wohlbefindens und die Kunst funktioniert. Das großzügige Preisgeld, mit dem unsere Tätigkeit belohnt wurde, werden wir dafür verwenden.

Welche kollektiven Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach erforderlich, um die häufig mit psychischen Problemen einhergehende Stigmatisierung zu verringern? Kann Kunst helfen, Menschen mit psychischen Problemen zu stärken?      

Wir müssen Aktivitäten anbieten, die Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründen zusammenbringen. Man muss auf Tätigkeiten aufbauen, die nicht vom Gesundheitszustand oder den Lebensumständen abhängen. Das ermöglicht einzigartige menschliche Begegnungen und sinnvolle Verbindungen zwischen Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund. Die Erforschung der psychischen Gesundheit mit andersartigen Mitteln, darunter mithilfe der Kunst, hat das Bewusstsein und Verständnis geschärft. Kunst bietet außergewöhnliche Möglichkeiten, Menschen zusammenzubringen, und eröffnet neue Wege, sogar um mit schmerzhaften Problemen umzugehen. Kunst schafft Ausdrucksmöglichkeiten und Chancen für Menschen, gesehen und gehört zu werden. Im Gehört-Werden liegt eine Macht, die das Leben eines Menschen und seine Selbstwahrnehmung verändern kann.

MFR: Änderungen der Beträge für bestimmte Programme und Fonds

Document Type
PAC

EuroHPC-Initiative

Document Type
PAC

Der Bereich der psychischen Gesundheit weist ein großes Potenzial für Innovationen und Neuansätze auf. Davon ausgehend entwickelte die finnische Lilinkoti-Stiftung das Spiel The World of Recovery (TWoR), einmal als Online-Version und einmal als Brettspiel. Beides sind Rollenspiele, bei denen die Spieler in eine bestimmte Rolle schlüpfen. In einer futuristischen Welt der Hoffnung ebnen die Rollen dem Spieler den Weg zur Genesung. Zielgruppe sind neben Menschen, die sich von psychischen Problemen und Drogenmissbrauch erholen, auch Leute vom Fach. Reetta Sedergren und Venla Leimu als Vertreterinnen von Lilinkoti sehen in Spielen ein enormes Potenzial zur Verbesserung der psychischen Gesundheit, das jedoch noch weitgehend ungenutzt ist. 

Der Bereich der psychischen Gesundheit weist ein großes Potenzial für Innovationen und Neuansätze auf. Davon ausgehend entwickelte die finnische Lilinkoti-Stiftung das Spiel The World of Recovery (TWoR), einmal als Online-Version und einmal als Brettspiel. Beides sind Rollenspiele, bei denen die Spieler in einen bestimmte Rolle schlüpfen. In einer futuristischen Welt der Hoffnung ebnen die Rollen dem Spieler den Weg zur Genesung. Die Zielgruppe sind neben Menschen, die sich von psychischen Problemen und Drogenmissbrauch erholen, auch Leute vom Fach. Reetta Sedergren und Venla Leimu als Vertreterinnen von Lilinkoti sehen in Spielen ein enormes Potenzial zur Verbesserung der psychischen Gesundheit, das jedoch noch weitgehend ungenutzt ist. 

Was gab den Anstoß für Ihr Projekt? 

Vor einigen Jahren fiel uns bei Lilinkoti auf, dass es ein großes Potenzial für Innovationen und neue Ansätze im Bereich der psychischen Gesundheit gibt. Die zunehmende Ausrichtung auf die Genesungsprozesse war schon ein großer Fortschritt auf diesem Gebiet, allerdings fehlte es an modernen, innovativen Instrumenten. Unsere Organisation arbeitet bereits seit Jahrzehnten mit Menschen, die sich von psychischen Leiden erholen. Für unsere Arbeit schwebte uns ein modernes Instrument zur Förderung der psychischen Gesundheit vor, ein digitales Spiel, bei dem man in Rollen schlüpft. 

Wie wurde Ihr Projekt aufgenommen? Haben Sie Feedback von Menschen, denen Sie geholfen haben?   

Die Spielvarianten von World of Recovery wurden zusammen mit Patienten, die sich von einer psychischen Erkrankung erholen, und mit Fachleuten entwickelt. So bekamen wir während des gesamten Prozesses der Spielgestaltung Feedback, das zum Endergebnis beigetragen hat. 

Wir haben von den Spielern beider Spiele anonyme und persönliche Rückmeldungen bekommen, die durchweg positiv waren. Mehr als 90 % der Befragten gaben an, dass das Handyspiel ihr Wohlbefinden gesteigert und ihnen geholfen hat, aktiv zu werden. Zum Rollenspiel sagten sie, dass es ihre sozialen Kompetenzen verbessert hat.  

Die schönsten Rückmeldungen waren vielleicht das Lachen und die Gespräche über Gefühle, Probleme und Stärken und die Tatsache, dass die Spiele Menschen unabhängig von ihrer Rolle und ihrem Hintergrund zusammengebracht haben. 

Welchen Rat haben Sie für andere Organisationen, die ihre Arbeit und ihre Programme ähnlich erfolgreich gestalten wollen? 

Wenn man bei Innovationen vorweggeht, hat das viele Vorteile. Es ist wirklich inspirierend, und man schafft etwas Neues. Machen Sie mit und lassen Sie sich nicht einengen! Folgen Sie Ihrem Instinkt und seien Sie offen für alle Meinungen. Holen Sie bei der Gestaltung vor allem Betroffene und Experten mit ins Boot. Wenn Sie Spiele machen, müssen Sie bereit sein, Widerstände der Fachleute zu überwinden. Denn im Bereich der psychischen Gesundheit gelten Spiele im Allgemeinen als suchterzeugend oder schädlich. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen! Seien Sie mutig und kreativ, wagen Sie zu träumen. 

Welches Potenzial haben Computer- und Videospiele bei der Verbesserung der psychischen Gesundheit? Sollten sie Ihrer Meinung nach bei der Behandlung von psychischen Problemen stärker eingesetzt werden? 

Computer- und Videospiele – und insbesondere Rollenspiele – haben ein enormes Potenzial zur Verbesserung der psychischen Gesundheit. Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Problemen. Deshalb brauchen wir neue und vielfältige Ansätze, um die psychische Gesundheit zu verbessern. Es ist schade, dass das Potenzial von Spielen bislang kaum genutzt wurde. Dies liegt nicht etwa an mangelndem Interesse, sondern an der fehlenden Finanzierung. Gute Spiele zur Verbesserung der psychischen Gesundheit zu entwickeln braucht Zeit, und einfach ist es auch nicht. Wir brauchen mehr Mittel, mehr gemeinsam entwickelte Projekte und mehr Fachkräfte aus den Bereichen psychische Gesundheit und Spiele, die sich dieser Aufgabe widmen. Und wir brauchen Forschung. Ganz viel Forschung! 

Windenergiepaket

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AS

Über 55 Millionen Menschen, darunter viele Jugendliche, sind weltweit an Essstörungen erkrankt, die ihre psychische und physische Gesundheit beeinträchtigen. Viele Betroffene fühlen sich stigmatisiert und suchen deshalb keine Hilfe. Die italienische Organisation Animenta möchte mit ihrem Projekt „Telling Stories for Good“ Stereotypen abbauen, die frühzeitige Erkennung einer Essstörung fördern und Unterstützung anbieten. Seit 2021 hat sie in Italien über 10 000 Schülerinnen und Schüler erreicht. Wir haben mit der Gründerin und Vorsitzenden Aurora Caporossi gesprochen.

Über 55 Millionen Menschen, darunter viele Jugendliche, sind weltweit an Essstörungen erkrankt, die ihre psychische und physische Gesundheit beeinträchtigen. Viele Betroffene fühlen sich stigmatisiert und suchen deshalb keine Hilfe. Die italienische Organisation Animenta möchte mit ihrem Projekt „Telling Stories for Good“ Stereotypen abbauen, eine frühzeitige Erkennung fördern und Unterstützung anbieten. Seit 2021 hat sie in Italien über 10 000 Schülerinnen und Schüler erreicht. Wir haben mit der Gründerin und Vorsitzenden Aurora Caporossi gesprochen.

Was war der Anstoß für Ihr Projekt?

Animenta wurde gegründet, um allen an einer Essstörung Erkrankten, aber auch ihrem jeweiligen Umfeld die dringend notwendige Stimme zu geben. Wir möchten für einen angemessenen Zugang zur Behandlung von Essstörungen für alle sorgen. Diese sind nämlich sehr wohl heilbar, wenn die Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe erhalten.

Wie wurde Ihr Projekt aufgenommen? Haben Sie Rückmeldungen von den Menschen erhalten, denen Sie geholfen haben?  Können Sie uns ein Beispiel nennen?

„Bei Animenta fühlte ich mich willkommen. Dort habe ich erkannt, dass ich an einer Essstörung leide, auch wenn ich kein Untergewicht habe.“ Diese Nachricht hat uns vor einigen Monaten erreicht und zeigt, wie wichtig und sinnvoll unsere Arbeit für die Betroffenen ist. Animenta wurde mit Interesse, aber auch mit der Hoffnung aufgenommen, dass wir einen Wandel herbeiführen können.

Wie werden Sie das Geld verwenden, um weiterhin den Betroffenen zu helfen? Planen Sie bereits neue Projekte?

Wir möchten verstärkt in unsere Projekte an Schulen investieren, um unsere Wirkung zu steigern. Ebenso werden wir mit dem Geld Selbsthilfegruppen für Menschen mit Essstörungen gründen. Weitere Projekte sind die „Animenta-Camps“: Die Teilnehmenden verbringen sechs Tage in der Natur und können so ihre Beziehung zu sich selbst, zu ihrem Körper und zu Lebensmitteln neu entdecken.

Was würden Sie anderen Organisationen raten, damit ihre Arbeit und Programme ähnlich erfolgreich werden?

Hört zuerst den Betroffenen zu, um zu begreifen, was sie durchmachen. Bittet um Feedback und verteilt Fragebögen, um ihre Bedürfnisse zu ermitteln. Vor allem aber: Berichtet vor Ort über eure ganz persönlichen Erfahrungen und was ihr selbst verändern möchtet. Ganz wichtig ist auch die Vernetzung mit anderen, um ein effizientes und effektives Unterstützungssystem zu schaffen.

Werden Essstörungen Ihrer Meinung nach heute angemessen als schwerwiegendes Problem der psychischen Gesundheit anerkannt? Erhalten die Betroffenen die richtige Unterstützung, und wie sollte die Lage verbessert werden?

Heute wird mehr über Essstörungen gesprochen, deshalb wissen wir auch mehr darüber. Aber sie sind mit einem starken gesellschaftlichen Stigma behaftet und werden klischeehaft dargestellt. Auch heute denken manche noch, dass Essstörungen Ausdruck eines schwachen Willens oder einer persönlichen Laune sind. Tatsächlich sind sie jedoch eine komplexe psychische Erkrankung, die angemessen behandelt werden muss. Dies ist momentan nicht immer der Fall, denn es fehlt an Behandlungszentren. Vielen Betroffenen bleibt deshalb eine Therapie verwehrt.

Über ihr Netzwerk für soziales Engagement AgeWell bekämpft die irische Wohltätigkeitsstiftung Third Age Einsamkeit im Alter. Die selbst über 50jährigen Begleitpersonen von AgeWell besuchen einmal wöchentlich ältere Menschen zu Hause und leisten ihnen nicht nur Gesellschaft, sondern achten über eine Smartphone-App mit Kontrollfunktionen auch auf deren Gesundheit und Wohlbefinden. Laut Alison Branigan von der Stiftung Third Age wurden bislang mehr als 500 Menschen in der irischen Grafschaft Meath unterstützt, von denen einige den Dienst als „Rettungsanker“ oder sogar als „Licht am Ende eines langen dunklen Tunnels“ bezeichneten.

Über ihr Netzwerk für soziales Engagement AgeWell bekämpft die irische Wohltätigkeitsstiftung Third Age Einsamkeit im Alter. Die selbst über 50jährigen Begleitpersonen von AgeWell, besuchen einmal wöchentlich ältere Menschen zu Hause und leisten ihnen nicht nur Gesellschaft, sondern achten über eine Smartphone-App mit Kontrollfunktionen auch auf deren Gesundheit und Wohlbefinden. Laut Alison Branigan von der Stiftung Third Age wurden bislang mehr als 500 Menschen in der irischen Grafschaft Meath unterstützt, von denen einige den Dienst als „Rettungsanker“ oder sogar als „Licht am Ende eines langen dunklen Tunnels“ bezeichneten.

Was war der Anstoß für Ihr Projekt?

Das Netzwerk AgeWell wurde in der Grafschaft Meath eingeführt, um die dort wachsende ältere Bevölkerung zu unterstützen, die besondere Bedürfnisse für soziale, emotionale, psychische und physische Betreuung hat. Unser Gesundheitswesen steht unter enormem Druck, unsere Bevölkerung wächst und altert, und es gibt lange Wartelisten für Dienstleistungen, einschließlich der häuslichen Betreuung. AgeWell bietet zeitgemäße und praktische Lösungen, die die bestehenden Gesundheitsdienste ergänzt und verbessert. Isolierte, einsame, gebrechliche, ans Haus gefesselte und gefährdete ältere Menschen werden unterstützt, damit sie besser und länger am Ort ihrer Wahl leben können. Dazu erhalten sie sozialen Anschluss, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden werden kontinuierlich überwacht und entstehende Probleme werden erkannt und angegangen, bevor sie akut werden. AgeWell entspricht dem Ethos unserer Organisation Third Age, die ältere Menschen direkt durch innovative Dienstleistungen und Programme unterstützt und einzigartige Möglichkeiten der Freiwilligentätigkeit schafft, in deren Rahmen ältere Menschen ihre Altersgenossinnen und -genossen und andere gesellschaftliche Gruppierungen unterstützen können. 

Wie wurde Ihr Projekt aufgenommen? Haben Sie Rückmeldungen von den Menschen erhalten, denen Sie geholfen haben?  (Können Sie uns gegebenenfalls ein Beispiel nennen?)

AgeWell hat bisher mehr als 500 ältere Menschen in der Grafschaft Meath unterstützt. Viele schätzen den sozialen Kontakt im Rahmen des Programms: sie haben zu ihren Begleitpersonen von AgeWell ein besonderes Vertrauensverhältnis aufgebaut, wodurch wir ihre Bedürfnisse und Ängste besser verstehen und sie somit besser unterstützen können.

Unsere Klientinnen und Klienten sagten uns beispielsweise: „Der Dienst ist meine Rettung“, „Ich wusste nicht, dass ich die Unterstützung brauche, bis ich sie bekam“, „Ich bin so dankbar für den Dienst und meine Begleitperson, sie ist jede Woche ein Lichtblick“, „Ich war sehr einsam, tagelang habe ich niemanden gesehen, ich freue mich wirklich auf meine Besuche“. Einem Kunden zufolge, der völlig verzweifelt war und schon mehrmals an Selbstmord gedacht hatte, kam „AgeWell genau zur richtigen Zeit – endlich sah ich Licht am Ende eines langen dunklen Tunnels“. Seiner Ansicht nach sollten alle Zugang zu diesem Dienst haben.

Unsere auch schon älteren, ehrenamtlichen Begleitpersonen meinten: „Ich liebe mein Ehrenamt“, „Es ist so schön, etwas zu bewirken“ und „Ich habe bei dieser Tätigkeit viel über die Menschen und mich selbst gelernt“.

Es ist statistisch belegbar, dass AgeWell das Wohlbefinden stärkt, die soziale, emotionale und informationstechnische Unterstützung verbessert, Isolation und Einsamkeit verringert, die Einschätzung der eigenen Gesundheit optimiert und die körperliche Aktivität erhöht.

Davon abgesehen geben Familienangehörige unserer Klientinnen und Klienten an, sich weniger Sorgen zu machen. Unsere Arbeit wird auch von Gesundheitsdienstleistern anerkannt, die ständig Personen direkt an uns verweisen.

Welchen Rat haben Sie für andere Organisationen, damit deren Arbeit und Programme ähnlich erfolgreich werden?

Sie sollten ihre Zielgruppe kennen, die Betroffenen in den Prozess einbeziehen und ein offenes Ohr für ihre Vorschläge und Bedürfnisse haben. Sie sollten ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten vertrauen sowie mutig, kreativ und beharrlich sein: eine gute Idee lässt sich auch umsetzen. Sie sollten offen für die Zusammenarbeit mit anderen sein und wissen, dass die Beteiligung öffentlicher Einrichtungen oder eines Gesundheitsdienstes in Form von Finanzmitteln und/oder Unterstützung/Werbung die Glaubwürdigkeit, die Wirkung und den Erfolg des Programms erheblich steigern kann.

Was ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Auslöser für die Verschlechterung der psychischen Gesundheit im Alter, abgesehen von physiologischen Faktoren? Können wir als Gesellschaft die psychische Gesundheit älterer Menschen verbessern?

Einsamkeit und Isolation haben schon immer zur Verschlechterung der psychischen Gesundheit im Alter beigetragen; das kann zwar im ländlichen Irland ein Problem sein, kommt aber genauso häufig in belebten Städten vor. In den letzten Jahren haben die Auswirkungen der Pandemie, die erzwungene Isolation, Abkapselung und Abschirmung sowie der Verlust sozialer Kontakte, des Zugangs zu Aktivitäten und der Freizügigkeit eine Welle von Besorgnis, Angst, Depressionen und psychischen Problemen ausgelöst. Nationale und weltweite Ereignisse, einschließlich der steigenden Lebenshaltungskosten, Kriegen und Konflikten, haben ebenfalls eine Rolle gespielt. Mit dem Alter schwindet der Freundes- und Bekanntenkreis der Menschen. Krankheiten können sie davon abhalten, auszugehen und zu reisen. Womöglich sind sie ans Haus gefesselt oder verlieren ihre Eigenständigkeit. All das kann die Wertschätzung, das Selbstwertgefühl, die Stimmung und die Zuversicht beeinträchtigen. Es ist wichtig, dass ältere Menschen nicht vergessen werden, nur weil sie vielleicht nicht sichtbar sind: wir müssen uns der Bedeutung von Gemeinschaft und sozialem Handeln bewusst sein. Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, was soziale Kontakte und soziale Medikation bewirken.