European Economic
and Social Committee
Mein Haus ist auch dein Haus
Die rumänische Initiative „SUS INIMA“ (Nur Mut!) hat bisher Zehntausenden ukrainischer Flüchtlinge bei der Suche nach einer Unterkunft, der Versorgung mit dem Lebensnotwendigen oder beim Bildungszugang geholfen. Die Organisation bietet auch psychologische Unterstützung bei der Bewältigung des Kriegstraumas. Derzeit werden die Strukturen aufgebaut, die den Flüchtlingen helfen sollen, sich in der Wirtschaft und im Rechtssystem Rumäniens zurechtzufinden. Dadurch sollen sie in die Lage versetzt werden, sich möglichst reibungslos in die rumänische Gesellschaft zu integrieren und sich wie zu Hause zu fühlen. Wir sprachen mit Lu Knobloch von „SUS INIMA“
EWSA info: Was war der Anstoß für Ihr Projekt bzw. Ihre Initiative?
SUS INIMA hat Interventions- und Krisenreaktionsprogramme entwickelt, weil auf lokaler Ebene eine Organisation nötig war, die mit öffentlichen und privaten Stellen zusammenarbeiten, dabei Transparenz gewährleisten und allen hilfswilligen Beteiligten eine passende Plattform für die gemeinsame Arbeit bieten konnte. Hinzu kommt, dass die Mehrzahl der Flüchtlinge aus der Ukraine Frauen und Kinder waren, von denen viele zum ersten Mal überhaupt im Ausland waren, d. h. sie hatten keine Erfahrung mit dem behördlichen Papierkram, mit Reiseplanung usw. Die Sprachbarriere hat das Ganze noch zusätzlich erschwert.
Wie wurde Ihr Projekt aufgenommen? Haben Sie Rückmeldungen von den Menschen erhalten, denen Sie geholfen haben? (Können Sie uns gegebenenfalls ein Beispiel nennen?)
Anfangs wurde die angebotene Hilfe eher widerstrebend angenommen. Dann aber wurden es mehr und mehr Menschen, die Hilfsmaßnahmen aller Art, Unterstützung und eine Vielzahl von Diensten, sei es Unterkunft, Beförderung, Befriedigung von Grundbedürfnissen (Lebensmittel und Initiativen zur Krisenbewältigung) dankbar entgegennahmen.
Wie werden Sie das Geld verwenden, um den Bedürftigen weiterhin zu helfen? Planen Sie bereits neue Projekte?
Das Geld soll in zwei Bereiche fließen: Erstens in die psychologische Unterstützung von Flüchtlingen, in erster Linie von Kindern, um ihnen bei der Bewältigung von Traumata zu helfen. Zweitens soll eine neue Initiative für den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt auf die Beine gestellt werden. Damit ist der Aufbau einer Infrastruktur gemeint, die Flüchtlingen mit einem Grundwissen über das Rechts- und Wirtschaftssystem Rumäniens Hilfe und Beratung bietet, damit sie einen Arbeitsplatz finden oder ein Geschäft oder einen Betrieb eröffnen können. Ziel ist die Förderung der aktiven Bürgerschaft und einer dauerhaften gesellschaftlichen Eingliederung.
Welchen Rat haben Sie für andere Organisationen, damit deren Arbeit und Programme ähnlich erfolgreich werden?
- Arbeiten Sie mit den örtlichen Behörden, Interessengruppen und NGO zusammen, anstatt gegen sie!
- Und gehen Sie bei allen Programmen und Initiativen, die Ihnen vorschweben, von den tatsächlichen Bedürfnissen der Hilfsbedürftigen aus!
Glauben Sie, dass die Solidarität mit den ukrainischen Flüchtlingen nachlassen könnte, wenn der Krieg in der Ukraine andauert? Was können und sollten zivilgesellschaftliche Organisationen dagegen tun? Könnte die EU hier eine positive Rolle spielen?
Die Solidarität ist immer noch sehr stark. Die Unterstützung, die von lokalen Gruppen kommt, ist jedoch rückläufig, weil die Ressourcen erschöpft sind. Eine Lösung ist die Fortsetzung der Unterstützung und Hilfe für die Flüchtlinge bei ihrer Integration in das lokale Umfeld, in dem sie leben. Darüber hinaus sollten die Formalitäten und Verfahren soweit wie möglich vereinfacht werden, die erforderlich sind, damit ukrainische Flüchtlinge eine Arbeitsstelle annehmen oder ein Unternehmen eröffnen und Zugang zu Bankkonten, Versicherungen und medizinischen Diensten erhalten können. Dies ist notwendig, um ihre finanzielle Abhängigkeit von externen Quellen dauerhaft zu verringern. Die Zivilgesellschaft spielt eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung und Umsetzung von Hilfseinsätzen und der Unterstützung der Flüchtlinge. Die EU kann helfen, indem sie die Vernetzung auf Ebene der Europäischen Kommission fördert und dadurch den Austausch von Know-how unterstützt und erleichtert, der allen Beteiligten, also den Helfern und den Hilfeempfängern, zugutekommen kann.