Meerestechnik: EWSA warnt erneut vor branchenspezifischen Risiken

Der EWSA weist in einer kürzlich verabschiedeten Initiativstellungnahme darauf hin, dass die meerestechnische Industrie dringend Maßnahmen und Investitionen bedarf, um international wettbewerbsfähig zu sein. Der Schwerpunkt sollte auf Aus- und Weiterbildung, der Finanzierung und dem Marktzugang liegen.

Sollte Europa es nicht schaffen, eine spezifische Industriestrategie für die Meerestechnik umzusetzen, besteht die Gefahr einer zunehmenden Abhängigkeit von Asien, wenn es um Schiffe und meerestechnische Ausrüstung geht. Viele europäische Häfen sind bereits ganz oder teilweise Eigentum chinesischer Unternehmen. Eine nachhaltige Strategie sollte eine Neubewertung dieser Eigentumsverhältnisse beinhalten.

„Der EWSA hält umgehende Maßnahmen für erforderlich, um die Resilienz Europas im Bereich der Meerestechnik zu stärken, ihre globale Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, die starke Stellung Europas beim komplexen Schiffbau zu schützen sowie die strategische meerestechnische Autonomie Europas zu sichern“, so Anastasis Yiapanis, Berichterstatter für die Stellungnahme des EWSA.

Damit die Branche wieder wettbewerbsfähig wird, sollten eine Sachverständigengruppe für den Seeverkehr und eine Europäische Industrieallianz für die Meerestechnik eingerichtet werden.

Trotz der im Jahr 2018 verabschiedeten Initiativstellungnahme des EWSA „Die Strategie LeaderSHIP 2020 als Vision für die meerestechnische Industrie“, in der eine stärkere Unterstützung dieser Branche gefordert wurde, haben es die EU und die nationalen Behörden nicht geschafft, die erforderlichen positiven Weichen zu stellen zu ergreifen.

Der EWSA äußert sich besorgt über die Hindernisse, denen europäische Unternehmen gegenüberstehen, die sich in Asien engagieren wollen. Er fordert die Europäische Kommission auf, sich stärker um die Festlegung globaler Regeln zu bemühen. So muss sie auch vorrangig gegen ausländische Subventionen und die schädigende Preisgestaltung von Schiffen vorgehen.

Die bestehenden bilateralen Freihandelsabkommen sollten aktualisiert werden, um den freien Marktzugang für EU-Seeverkehrsunternehmen zu gewährleisten. Dies muss in künftige Abkommen aufgenommen werden. Wenn internationale Verhandlungen in dieser Hinsicht keinen Erfolg haben, muss die EU einseitige Maßnahmen erwägen, um Einfluss auf ihre internationalen Mitbewerber zu nehmen.

In seiner Stellungnahme weist der EWSA auch auf die wichtige Rolle der meerestechnischen Industrie bei der Verwirklichung einer nachhaltigen blauen Wirtschaft hin.

„Der EWSA plädiert für umgehende Maßnahmen zur Ankurbelung der Binnennachfrage nach umweltfreundlichen und High-Tech-Schiffen, darunter ein EU-Programm zur Flottenerneuerung und zur Nachrüstung bestehender Schiffe im Einklang mit den Zielen des europäischen Grünen Deals“, unterstreicht Ko-Berichterstatter Christophe Tytgat.

Die Sozialpartner und die lokalen Produzenten haben vergeblich auf Anreize für die Umstellung der Branche auf umweltfreundliche Schiffe, alternative Kraftstoffe und Technologien im Sinne des Pakets „Fit für 55“ gewartet. Der EWSA begrüßt jedoch die Annahme der Partnerschaft für emissionsfreien Schiffsverkehr, deren Ziel eine emissionsfreie Schifffahrt ist.

Er plädiert für mehr finanzielle Unterstützung für den EU-Kompetenzpakt und für Kampagnen, um die Branche für alle Berufe – sowohl Ingenieure als auch z. B. Schweißer und Elektriker – attraktiver zu machen.  Nur durch umfassende Umschulungs-, Weiterbildungs- und Berufsbildungsprogramme kann sichergestellt werden, dass die meerestechnische Industrie den grünen und digitalen Wandel vollziehen kann. (ks)