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„SWANS“ und „Geschmack der Donau – Brot verbindet“: zwei deutsche Projekte in der Endauswahl für den EWSA-Preis der Zivilgesellschaft 2018

SWANS und „Geschmack der Donau – Brot verbindet“, zwei Initiativen aus Deutschland, wurden für den EWSA-Preis der Zivilgesellschaft 2018 nominiert, der in diesem Jahr unter dem Motto Europas Identitäten, Werte und Kulturerbe als einende Kraft steht. Sie sind zusammen mit drei weiteren Bewerbungen aus Griechenland, Italien und dem Vereinigten Königreich in der Endauswahl für den Preis.

Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) hat diese fünf beispielhaften Projekte aus insgesamt 150 Bewerbungen aus 27 EU-Mitgliedstaaten ausgewählt. Dieses große Interesse verdeutlicht das enorme Engagement, mit dem die Zivilgesellschaft überall in der EU Europas vielfältige Identitäten würdigt, sein reiches Kulturerbe fördert und die grundlegenden europäischen Werte als Gegenpol zu den jüngst immer lauter zu vernehmenden Stimmen bekräftigt, die das Trennende in den Vordergrund stellen und Ängste schüren.

Das Siegerprojekt und die weiteren vier ausgezeichneten Projekte werden bei einem Festakt am 13. Dezember im Rahmen der EWSA-Plenartagung in Brüssel bekanntgegeben. Auf die fünf Projekte in der Endauswahl wartet ein Preisgeld in Höhe von insgesamt 50 000 EUR, mit dem sie ihren gemeinnützigen Arbeiten weitere Impulse geben können.

Hinter der Initiative SWANS stehen Frauen, die ehrenamtlich Karriere- und Leadership-Seminare für hochtalentierte Studentinnen mit Migrationshintergrund und „Women of Color“ organisieren, um sie bei der Suche nach einem Arbeitsplatz zu unterstützen, der ihren Kompetenzen entspricht. Die Initiative gilt engagierten, hochqualifizierten Studentinnen aus dieser Zielgruppe und ist damit die erste ihrer Art in Deutschland.

SWANS will diese häufig diskriminierten Frauen ermutigen und dazu beitragen, dass sie in der Arbeitswelt stärker vertreten sind. Dazu fördert die Initiative einen inklusiveren Arbeitsmarkt, der der Vielfalt der europäischen Identitäten und Werte gerecht wird.

Das zweite deutsche Projekt in der Endauswahl ist Geschmack der Donau – Brot verbindet der gemeinnützigen Organisation „Danube-Networkers for Europe (DANET)“. Diese Initiative fördert das Lernen in späteren Lebensabschnitten und unterstützt den kultur- und generationsübergreifenden Dialog durch gemeinschaftliche Aktivitäten, die sich an alle Menschen unabhängig von Alter, ethnischer Zugehörigkeit und sozialer Herkunft richten.

Die Initiative bedient sich dabei des Themas Brot als immaterielles Kulturgut, das die Menschen in Europa in ihrer Vielfalt eint. Durch gemeinsame Brotbackaktivitäten und Veranstaltungsreihen zu diesem Thema soll das Bewusstsein für unsere gemeinsamen kulturellen Wurzeln in der Donauregion und in Europa gefördert werden.

Ein wichtiger Teil des Projekts ist die Einrichtung einer virtuellen Kulturstraße des Brotbackens entlang der Donau, die zu in Betrieb befindlichen bzw. historischen Handwerksbäckereien, öffentlichen Backöfen, Mühlen und Brottraditionen führt. Das Ergebnis der gemeinsamen Arbeiten der Teilnehmer aus allen Donauländern wird auf einer mehrsprachigen Website präsentiert.

Die anderen drei Projekte in der Endauswahl sind (in alphabetischer Reihenfolge):

Das jährliche „Balkans Beyond Borders“-Kurzfilmfestival aus Griechenland, bei dem grenzübergreifende und internationale Koproduktionen von EU-Mitgliedstaaten und Kandidatenländern des Balkanraums gezeigt werden. Ziel ist es, die kulturelle Integration der Kandidatenländer in Europa zu unterstützen und Kunst als Mittel einzusetzen, um die aus der Geschichte dieser Region heraus entstandenen Differenzen zu überwinden.

Das Ökomuseum – ein Projekt der italienischen sozialen Genossenschaft Arianuova, das in Kliniken untergebrachten Menschen mit geistiger Beeinträchtigung neue Einblicke in Kunst und Kultur verschafft. Die Teilnehmer werden zu Kultureinrichtungen und Kulturerbestätten begleitet und erhalten in der Folge Gelegenheit, ihre ästhetischen Erfahrungen in Mitmach-Werkstätten kreativ zum Ausdruck bringen. Das verringert ihr Gefühl der Isolation, beseitigt Hindernisse für ihre soziale Eingliederung und fördert letztlich das universelle Recht auf Kultur.

Die britische Organisation Safe Passage eröffnet Flüchtlingskindern sichere und legale Wege zu Orten, an denen sie ein neues Leben beginnen können. In ihrer Kampagne zum Gedenken an den Kindertransport, bei dem britische Gemeinden zahlreiche Kinder auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus aufnahmen, zieht die Organisation Parallelen zwischen der damaligen und der gegenwärtigen Situation und ergründet dabei in der Hoffnung, ein dauerhaftes Vermächtnis zum Schutz minderjähriger Flüchtlinge, in Europa zu schaffen, Fragen der europäischen Identität und Werte.

EWSA-Präsident Luca Jahier hat die Kultur bei seinem Amtsantritt im April 2018 zu einer seiner Prioritäten erklärt. „Das kulturelle Erbe und die kulturellen Werte Europas haben eine enorme, aber ungenutzte einende Kraft“, so Jahier. „Gleichzeitig macht uns die Bandbreite an Identitäten innerhalb Europas offen für Vielfalt. Diese Faktoren sind ausschlaggebend für die Überwindung unserer Differenzen und der Unzufriedenheit, die einen Nährboden für Nationalismus bietet.“

„Indem wir unser Kulturerbe wieder in den Mittelpunkt stellen“, so Präsident Jahier zum Abschluss, „können wir das erreichen, was Europa meiner Meinung nach braucht: eine zweite Renaissance“.

Für den EWSA-Preis der Zivilgesellschaft können sowohl Einzelpersonen als auch Organisationen nominiert werden. Die diesjährige zehnte Ausgabe steht im Zeichen des Europäischen Jahres des Kulturerbes. Jedes Jahr werden herausragende zivilgesellschaftliche Initiativen zu einem spezifischen Thema gewürdigt, das einem wichtigen Tätigkeitsbereich des EWSA entspricht.

Die Leitthemen früherer Ausgaben waren innovatives Unternehmertum zur Arbeitsmarktintegration benachteiligter Gruppen, Solidarität mit Migranten und Armutsbekämpfung.