Europäischer Verbrauchertag 2019 zu den größten Herausforderungen bei der Anpassung der EU-Verbraucherpolitik an die jüngeren Generationen

Werden junge Menschen von der Verbraucherpolitik angesprochen? Wie können wir sie dazu bringen, nachhaltige Entscheidungen zu treffen? Wie lassen sich neue Trends in Verbraucherpolitik umsetzen? Um diese Fragen ging es in einer lebhaften Debatte am 27. März in Brüssel. In einem voll besetzten Saal diskutierten Schüler und Studierende sowie Vertreter von Verbraucherverbänden, Unternehmen und der digitalen Branche zahlreiche Themen, von einer besseren Mobilität und weniger Lebensmittelverschwendung über die Abkehr von der Schnelllebigkeit in der Modebranche im Interesse der Nachhaltigkeit bis hin zum Verständnis der Rolle, die die IKT bei der Förderung des Wandels spielen.

Hauptziel der Veranstaltung war es, über die neuen Herausforderungen zu diskutieren, die sich im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit und den Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) – größter Einflussfaktor bei der heutigen Jugend – stellen.

EWSA-Vizepräsidentin Isabel Caño brachte anlässlich der Eröffnung des 21. Europäischen Verbrauchertags ihre Unterstützung für die massive Mobilisierung der Jugend für den Klimaschutz zum Ausdruck und betonte die enge Verflechtung von Konsum und Umwelt sowie die Bedeutung einer Verbraucherpolitik, die den Klimaschutzbestrebungen der jungen Menschen Rechnung trägt.

„Euer politischer Einfluss muss wachsen. Den jungen Menschen sollte eine wesentliche Rolle bei der Konzipierung der aktuellen und künftigen EU-Politik zukommen. Mit diesem Europäischen Verbrauchertag wollen wir betonen, dass Eure Stimme unbedingt in Brüssel gehört werden muss“, erklärte sie.

Die siebzehnjährige Youna Marette, eine der führenden Aktivistinnen der Klimaproteste in Belgien, sprach im Namen ihrer Generation: „Junge Menschen sind Konsumenten. Sie sind sich der damit zusammenhängenden großen Probleme bewusst. Es heißt immer, dass das nicht der Fall ist, aber das stimmt nicht“, sagte sie. „Ich bin in ein System hineingeboren worden, das auf grenzenlosem Wachstum und Profit basiert. Wie können wir aus diesem System ausbrechen, ohne marginalisiert zu werden? Ich denke, die Antwort hierauf ist einfach: Alles muss sich ändern, und der Wandel hat bereits begonnen.

Ein wiederkehrendes Thema des Verbrauchertages war die Frage, wie sich die Konsummuster der jüngeren Generation von denjenigen älterer Verbraucher unterscheiden. In den jüngsten Studien der Kommission und des CRÉDOC über das Konsumverhalten werden neue Trends und Herausforderungen aufgezeigt. Die „Millennials“ sind sich zwar stärker der Umweltprobleme bewusst als ältere Generationen, für die Nachhaltigkeit ein eher abstrakter Begriff war, stellen aber Preis und Komfort über die Nachhaltigkeit der Produkte, auch wenn der Grund hierfür ihre begrenzte Kaufkraft zu sein scheint.

Einer weiteren, vom CEPS durchgeführten Studie zufolge geben die „Millennials“ ihr Geld anders aus. Ein großer Posten ist die Kommunikation, die – ähnlich wie Nahrungsmittel und Wohnraum – als Grundbedürfnis angesehen wird. In dieser Generation besitzen fast alle ein Smartphone, was sich auf ihr Konsumverhalten auswirkt, denn sie tätigen einen Großteil ihrer Einkäufe online.

Um die künftigen, neuen Herausforderungen für die Verbraucherpolitik besser zu verstehen, wurden in drei parallelen Workshops drei wichtige Bereiche untersucht: Ernährung, Mobilität und Bekleidung.

In einer Debatte über den Einfluss der sozialen Medien waren sich die Teilnehmer einig, dass die sozialen Netzwerke im Leben der jungen Menschen eine zentrale Rolle spielen und dies wahrscheinlich auch so bleiben wird. Daher sollte unbedingt darüber nachgedacht werden, ob und wenn ja wie sie zu regulieren sind. Die IKT können sich als zweischneidiges Schwert erweisen: einerseits sind sie ein mächtiges, demokratisches Instrument, über das Millionen von Menschen vernetzt werden können, andererseits dienen sie dazu, sich private Daten zu verschaffen und die Nutzer durch gezielte Werbung zu mehr Konsum zu verleiten.

Einen Bericht mit den wichtigsten Erkenntnissen des Tages finden Sie hier. (dm/ss)