Your Europe, Your Say 2018: Inspiration für ein in kultureller Vielfalt geeintes Europa

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Europäische Jugendliche sprechen sich für mehr Sprachlernangebote durch Reisen, einen besseren Zugang zu europäischen Kulturstätten und die Wahrung unserer Kultur in Gestalt von nationaler Küche und Handwerk aus. So könnten junge Europäer inspiriert werden, verschiedene Kulturen zu entdecken und unser gemeinsames Kulturerbe besser zu verstehen. Formuliert wurden diese Empfehlungen für die EU-Politiker von 99 Schülerinnen und Schülern aus ganz Europa, die an der jährlich stattfindenden Jugendplenartagung Your Europe, Your Say (YEYS) 2018 teilgenommen haben. Die Veranstaltung wurde vom Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) in Brüssel ausgerichtet und fand nun zum neunten Mal statt.

Erfolgreiche Ideen für die europäische Kultur

Am 15./16. März hieß der EWSA Schülerinnen und Schüler aus 33 Sekundarschulen aus den 28 EU‑Mitgliedstaaten sowie fünf Kandidatenländern willkommen. Da 2018 das Europäische Jahr des Kulturerbes ist, ging es diesmal auch bei YEYS um Kultur. Die Veranstaltung stand unter dem Thema In Vielfalt geeint: eine jüngere Zukunft für die europäische Kultur.

Der EWSA-Vizepräsident des EWSA Gonçalo Lobo Xavier betonte, wie wichtig es sei, jungen Menschen zuzuhören und ihre Ideen zu berücksichtigen. „Dieses unglaubliche Projekt namens Europa gehört allen, wird von allen aufgebaut und alle haben eine Stimme. Genau deshalb seid ihr hier“, begrüßte Herr Lobo Xavier die Schülerinnen und Schüler zu YEYS.

In intensiven Debatten und Workshops diskutierten die Schülerinnen und Schüler darüber, wie das europäische Kulturerbe bewahrt und für junge Europäer attraktiver gemacht werden kann. Dabei ging es auch um wichtige und sehr umstrittene europäische Themen wie Gleichstellung, Sicherheit und Integration, die von kulturellen Aktivitäten profitieren könnten. Aus den zehn konkreten Empfehlungen für die EU-Politik wurden per Abstimmung die drei besten Vorschläge ausgewählt:

  1. Die Möglichkeit, andere Kulturen durch Reisen zu entdecken. Dieses Projekt sieht die Schaffung eines besonderen Schüleraustauschprogramms vor, bei dem die Schülerinnen und Schüler an Sprachunterricht teilnehmen, in Gastfamilien untergebracht werden und mehr über neue Kulturen erfahren. „Wenn man verschiedene Kulturen vor Ort kennenlernt, schätzt man sie mehr und wird stolz, Europäer zu sein“, erklärte eine Schülerin aus Zypern, die diesen Vorschlag vorstellte.
  2. Kultur bewahren, aus der Vergangenheit lernen und so eine bessere Zukunft aufbauen. Nach dieser Empfehlung soll in jedem Mitgliedstaat ein Kulinarisches Haus der Europäischen Union eröffnet werden. „Zu jedem bestellten nationalen Gericht würde es Informationen darüber geben, unter welchen historischen Umständen das Gericht entstanden ist. Das würde mehr Toleranz zwischen den Nationen schaffen“, führte eine Delegierte aus Slowenien aus. Darüber hinaus schlug die Schülergruppe vor, ein Programm zur Förderung kleiner Geschäfte für traditionelle handgefertigte Produkte ins Leben zu rufen, um die überlieferte Volkskultur zu bewahren.
  3. Mit Kultur experimentieren. Mit diesem Projekt sollen allen Bürgerinnen und Bürgern Kultur und kulturelles Erbe nähergebracht werden. Hierzu sollen Themenfestivals an wechselnden Orten stattfinden und eine Konzentration von Museen auf große Städte vermieden werden. „Das ist ein Ideal, das wir anstreben sollten, weil wir auf diese Weise reicher werden können. Es ist viel spannender, sich neuen Kulturen zu öffnen. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob die europäische Kultur derzeit konkret zugänglich ist“, äußerte sich eine Delegierte aus Frankreich.

Kultur – das Herz Europas

Die europäischen Jugendlichen hatten die Möglichkeit, die Bedeutung der Bewahrung und Förderung unseres kulturellen Erbes mit EWSA-Mitgliedern, Experten und Künstlern zu diskutieren.

„Wir können Europa nicht aufbauen, wenn wir unsere Kultur und unser Kulturerbe nicht stärker in den Mittelpunkt rücken. Viel zu lange wurde Europa hauptsächlich auf der Grundlage von Wirtschaft, Finanzen und Markt aufgebaut“, sagte Sneška Quaedvlieg-Mihailović, Generalsekretärin von Europa Nostra, einer Organisation zur Erhaltung des europäischen Kultur- und Naturerbes. „Das sind außerordentlich wichtige Werkzeuge, um Volkswirtschaften und Gesellschaften zusammenzubringen. Doch was ist das Herz und die Seele Europas? Es ist die Kultur und das Kulturerbe“, fügte sie hinzu.

Wenn Europa ein gemeinsames Kulturerbe hat, so haben seine Bürger auch eine gemeinsame Verantwortung, dieses zu erhalten, stellte Frau Quaedvlieg-Mihailović ebenfalls heraus.

EWSA-Präsident Georges Dassis wies darauf hin, dass viele Europäer heute ein privilegiertes Leben führen, und erklärte, dass dies nicht überall und nicht immer in Europa so ist und war. „Es ist wirklich wichtig, junge Menschen dazu zu ermutigen, selbst Verantwortung zu übernehmen, um zu erfahren, was erreicht wurde, aber auch, um es besser zu machen. Wir müssen zusammenarbeiten und das insbesondere mit jungen Menschen, weil ohne euch nichts passieren wird“, sagte Herr Dassis.

Der EWSA wird dafür Sorge tragen, dass die drei Vorschläge mit den meisten Stimmen in die Empfehlungen des Ausschusses für die EU-Gesetzgeber einfließen. Außerdem äußerte die Generalsekretärin von Europa Nostra, Frau Quaedvlieg-Mihailović, den Wunsch, dass diese Empfehlungen im Sommer beim Europäischen Kulturerbe-Gipfel in Berlin vorgestellt werden.

Jedes Jahr wählt der EWSA nach dem Zufallsprinzip 33 Schulen aus, von denen jede einen Mitgliedstaat oder ein Kandidatenland vertritt, und lädt sie zu dieser einzigartigen jährlich stattfindenden Jugendinitiative ein. Da YEYS sich immer größerer Beliebtheit erfreut, schlug der Vizepräsident, Herr Lobo Xavier, vor, ein Netzwerk für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer zu schaffen, die an der Jugendplenartagung teilgenommen haben bzw. teilnehmen.

Weiterführende Informationen zu YEYS: https://www.eesc.europa.eu/en/agenda/our-events/events/your-europe-your-say-2018.

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