„Grand Départ“ der Tour de France – EWSA-Debatte über saubere Mobilität mit dem Journalisten Alberto Toscano: Wir können alle zu einer gerechteren Gesellschaft beitragen

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Radfahren und menschliche Werte standen im Mittelpunkt der Debatte über saubere Mobilität, die vom Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) und seiner Fachgruppe Verkehr, Energie, Infrastrukturen, Informationsgesellschaft (TEN) am 3. Juli 2019 veranstaltet wurde.

Anlässlich des Startschusses, des „Grand Départ“, der Tour de France 2019 in Brüssel begrüßte der EWSA, das Haus der europäischen Zivilgesellschaft, den Journalisten Alberto Toscano, der die unglaubliche Geschichte des legendären italienischen Radrennfahrers Gino Bartali während des faschistischen Regimes in einem Buch festgehalten hat.

Wir haben die moralische Pflicht, nicht zu vergessen, betonte EWSA-Präsident Luca Jahier, und fügte hinzu: Dieses Buch hilft dabei, uns an unsere Geschichte zu erinnern, die als Grundlage für die Schaffung einer gerechteren und offeneren Gesellschaft dienen sollte. Außerdem zeigt es, welchen Beitrag jeder einzelne dazu leisten kann.

Ein Fahrrad für eine gerechtere Gesellschaft

Gutes tut man, aber man spricht nicht darüber. Gewisse Medaillen werden an die Seele geheftet, nicht an die Jacke, so Gino Bartali, italienischer Radrennfahrer und Protagonist eines Buches, das im Original den Titel „Gino Bartali. Una bici contro il fascismo“ (Gino Bartali – Ein Fahrrad gegen den Faschismus) trägt. Als Gegner des Mussolini-Regimes rettete Bartali während des Holocausts Hunderten von Juden in Italien das Leben, indem er vertrauliche Dokumente in seinem Fahrrad versteckte. Er war ein stiller Held, der nie darüber sprach, nicht einmal nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Frieden sollte niemals als selbstverständlich angesehen werden, betonte Luca Jahier. In diesem Buch geht es um das Engagement eines Menschen für das jüdische Volk – also für Toleranz und eine offene Gesellschaft, die das Fundament für den Frieden bilden. Heute nimmt der Antisemitismus wieder zu. Wir dürfen das nicht einfach hinnehmen.

Alberto Toscano stimmte dieser Aussage uneingeschränkt zu und betonte, dass „sich diejenigen, die Europa heute angreifen, an die Lehren aus dem Krieg erinnern sollten, denn diese sind oder waren Teil der Geschichte ihrer eigenen Familie. Natürlich ist dies kein Grund, um alles, was Europa tut, einfach zu akzeptieren. Aber es ist ein guter Grund, warum das bisher Erreichte nicht einfach zunichte gemacht werden darf.“

Radfahren – ein Beispiel für nachhaltige Mobilität

Radfahren ist ein Sport, der oft mit grundlegenden menschlichen Werten assoziiert wird. In erster Linie ist das Fahrrad aber ein umweltfreundliches Verkehrsmittel. Radfahren und grüne Mobilität allgemein stehen im Einklang mit dem Nachhaltigkeitsschwerpunkt meiner Präsidentschaft, erklärte Präsident Jahier.

Der EWSA war auf diesem Gebiet schon immer sehr aktiv, wobei er sich für eine umweltfreundliche Politik und die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ausgesprochen sowie die Bedeutung von Radfahren und Gehen für das persönliche Wohlbefinden unterstrichen hat. Als einer der ersten haben wir auf den Handlungsbedarf im Bereich der städtischen Mobilität hingewiesen und das Potenzial des Radfahrens herausgestellt, das jetzt eine unserer Prioritäten ist, erklärte Pierre Jean Coulon, Vorsitzender der Fachgruppe TEN.

Saubere Mobilität für eine nachhaltige Zukunft

Die Europäerinnen und Europäer brauchen in ihrem Alltag Zugang zu sauberen und erschwinglichen Energie- und Verkehrsdiensten, betonte Herr Coulon, der in diesem Zusammenhang auf eine doppelte Herausforderung aufmerksam machte: Zum einen sei es äußerst wichtig, dass die Menschen ihre Verhalten ändern. Durch einen Paradigmenwechsel von der individuellen hin zur gemeinschaftlichen bzw. geteilten Nutzung müssen wir das Potenzial des öffentlichen Verkehrs und neuer Mobilitätsformen wie Fahrgemeinschaften oder Elektrofahrzeuge erschließen. Zum anderen muss die Politik dieses Umdenken erleichtern, etwa durch Bürokratieabbau und finanzielle Anreize. Sein Fazit lautete: Saubere Energie und Mobilität sind die Zukunft Europas.

Diese Aspekte waren auch Gegenstand der Debatte über saubere Mobilität, an der u. a. Philippe Close, Bürgermeister von Brüssel, und Christope Najdovski, stellvertretender Bürgermeister von Paris, teilnahmen. In erster Linie ging es um konkrete Maßnahmen vor Ort, denn Städte und Regionen spielen oft eine Schlüsselrolle bei der Förderung nachhaltiger Maßnahmen und Innovationen.

Das Motto lautet: Saubere Mobilität für eine gesündere Welt und gesündere Menschen! Wir müssen den ,Durchschnittsbürgern‘ mehr Gehör verschaffen. Oder wie es der italienische Präsident Sergio Mattarella formulierte: denjenigen, die täglich für das Wohl anderer und der gesamten Gesellschaft arbeiten, stellte Präsident Jahier abschließend fest. Genau über diese Menschen sollten wir sprechen. Forza buoni!

Hintergrund

Weitere Informationen zur Arbeit der Fachgruppe TEN des EWSA finden Sie auf unserer Website.

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