Der Weg der weißen Taube‚ ein Friedensweg durch Europa

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Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) verabschiedete auf seiner Plenartagung im März eine Stellungnahme, in der er eine EU-geführte globale Strategie der Friedenskonsolidierung vorschlägt, die auch die Schaffung des Weges der weißen Taube vorsieht. Dieser Friedensweg von Nordirland nach Nikosia soll auf den Spuren des irischen Wandermönchs Columban, der im 6. Jahrhundert lebte, den Dialog und die Konfliktprävention fördern und zur Versöhnung aufrufen.

Die Europäische Union gründet auf einem Friedensauftrag, für den sie 2012 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Viele junge Generationen von Europäerinnen und Europäern konnten auf diese Weise in einem Europa ohne Krieg aufwachsen. Nun ist es an der Zeit, dass sich die EU als größtes Friedensprojekt der Moderne zum Vorreiter und Vorbild für die Friedenskonsolidierung in Europa und der Welt macht. So lautet die wichtigste Botschaft der vom EWSA verabschiedeten Initiativstellungnahme Der Weg der weißen Taube – Vorschlag einer EU-geführten globalen Strategie der Friedenskonsolidierung. Für Berichterstatterin Jane Morrice „hat die EU die moralische Verpflichtung, unabhängig von geopolitischen oder wirtschaftlichen Interessen nach Wegen zu suchen, um das Leben unschuldiger Opfer von Konflikten, vor allem von Kindern, zu schützen.“

Zu diesem Zweck fordert der EWSA die EU auf, eine neue globale Strategie der Friedenskonsolidierung zu schaffen und zu finanzieren, deren Leuchtturmprojekt die Schaffung des Weges der weißen Taube wäre. Dieser 5 000 Kilometer lange Friedensweg würde quer durch Europa von Nordirland nach Nikosia, in die Hauptstadt Zyperns, führen. Der Weg würde den Spuren des irischen Wandermönchs Columban folgen, der im 6. Jahrhundert von Irland nach Italien wanderte und von EU-Gründervater Robert Schuman als „Schutzheiliger all derer, die ein vereintes Europa aufbauen wollen“, beschrieben wurde.

Der Weg der weißen Taube würde über Columbans ursprüngliche Route hinausgehen und durch Gegenden verlaufen, die von Kriegen und Konflikten stark gezeichnet sind, wie z. B. die Westfront, Südtirol und der Balkan, und Menschen und Orte entlang des Weges miteinander verbinden. Der Vorschlag umfasst ferner die Einrichtung von Friedenszentren sowie Abstecher nach Nord-, Ost-, Mittel‑ und Südeuropa, so dass Wanderer ihre Route frei wählen und beliebig viele Stätten besichtigen können.

Ein für alle zugänglicher Kulturweg

Der Vorschlag des EWSA sieht auch ein Internetportal vor, das eine virtuelle und interaktive Erfahrung mit audiovisuellen Beiträgen aller Etappenziele schafft und als pädagogisches Instrument für die Vermittlung der Friedenskonsolidierung an Schulen EU-weit eingesetzt würde. Zu diesem Zweck regt der EWSA die Einsetzung einer EU-Taskforce „Weg der weißen Taube“ an, die Konsultationen mit lokalen und regionalen Partnern und anderen bestehenden Wegen, wie dem Western Front Way und dem von den Friends of Columbanus vorgeschlagenen Kulturweg anstoßen sollte. Diese Taskforce wäre auch für eine engere Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen, der UNESCO, der OSZE und dem Europarat sowie für die logistische Vorbereitung eines Weges von Irland nach Zypern zuständig.

Die vom EWSA vorgeschlagene Initiative umfasst die Einrichtung von europäischen Zentren für Frieden und Versöhnung in Nordirland und Nikosia sowie von Zentren des Lernens, die bedeutsame Orte entlang des Weges der weißen Taube miteinander verbinden, sowie neben der Anerkennung des Symbols der weißen Taube als „Markenzeichen“ aller Friedensprojekte der EU auch die verstärkte Verpflichtung der Friedensprojekte, auf die EU-Förderung hinzuweisen. Dazu Jane Morrice weiter: „Der Weg der weißen Taube dient durch eine Marschroute für eine EU-geführte globale Strategie der Friedenskonsolidierung nach dem Vorbild des PEACE-Programms der EU in Nordirland und den Grenzbezirken Irlands neben einem real und virtuell beschreitbaren Wanderweg als ein Signal dafür, wie wir in einer zunehmend globalisierten Welt leben, lernen und einander begegnen können.“

Zum Erreichen dieser Ziele weist der EWSA darauf hin, dass jeder Euro, der in den Frieden investiert wird, 7 Euro für die Verteidigung spart, und fordert die EU auf, die Friedenskonsolidierung in ihren Vorschlägen für den neuen EU-Haushalt (MFR 2021–27) vorrangig zu behandeln. Der neue EU-Haushalt sollte nicht nur auf die Konfliktprävention, sowie auf mehr Kohärenz und Stimmigkeit zwischen den Bereichen Binnen- und Außenhandel, Entwicklungshilfe, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik ausgerichtet sein, sondern auch (mehr) Mittel für die Kulturdiplomatie‚ den Friedensjournalismus und den interkulturellen Dialog vorsehen.

In der Stellungnahme wird auch das Erfordernis einer stärker strukturierten Einbeziehung der Zivilgesellschaft unter besonderer Berücksichtigung von Frauen und jungen Menschen auf allen Ebenen der Beschlussfassung als wesentliches Element für eine erfolgreiche Umsetzung der Strategie hervorgehoben.

Nach Ansicht des EWSA sollte im neuen Haushalt, ausgehend vom Erfolg des ERASMUS-Programms, stärker auf Informations-, Kommunikations- und Aufklärungsstrategien gesetzt werden, insbesondere auf den Einsatz sowohl der klassischen als auch der sozialen Medien, um die Bürgerinnen und Bürger auf allen Ebenen aktiv an den Bemühungen der EU um Friedenskonsolidierung zu beteiligen.

In den Worten von Jane Morrice: „Mit dem Symbol der weißen Taube als Wegweiser wäre der WhiteDoveWay nicht nur ein Symbol der Friedenskonsolidierung der EU überall auf der Welt, sondern auch eine neue Vision für die EU und ein Zeichen der Hoffnung in immer schwieriger werdenden Zeiten.“

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