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Um die Gesundheitssituation der Roma und ihren Zugang zur Gesundheitsversorgung ist es immer noch schlecht bestellt, so das Fazit einer Anhörung im EWSA

Interessenträger von europäischen Organisationen und Mitglieder des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA) kamen am 29. Oktober 2018 in Brüssel zusammen, um sich mit der aktuellen Gesundheitssituation der Roma und ihrem Zugang zur Gesundheitsversorgung zu befassen. Insbesondere gingen sie auf die Situation von Frauen und Kindern ein. Dabei wurde eine Reihe von Themen hervorgehoben, wie Diskriminierung beim Zugang zur Gesundheitsversorgung, Unterschiede in der Lebenserwartung von Roma und Nicht-Roma sowie Armut und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit. In Bezug auf Frauen und Kinder standen insbesondere Themen wie Zwangssterilisierungen, Schwangerschaft und Kinder- und Müttersterblichkeit sowie Impfung der Kinder im Vordergrund.

Die gesundheitliche Situation der Roma und ihr Zugang zur Gesundheitsversorgung sind schockierend und erschütternd, sagte Erika Koller, Vorsitzende der Ständigen Studiengruppe des EWSA Integration der Roma. Es ist beschämend, dass es das im 21. Jahrhundert noch gibt. Diskriminierung und Antiziganismus sind nach wie vor weit verbreitet, fügte sie hinzu.

Romeo Franz, Mitglied des Europäischen Parlaments, wies darauf hin, dass Antiziganismus in ganz Europa vorkomme, denn diese Vorurteile seien seit Jahrhunderten in der europäischen Kultur verwurzelt. Es gibt kein einziges Land in Europa, in dem Roma die gleichen Rechte wie andere Menschen haben, betonte er. Roma werden nie gleichberechtigt in die Politikgestaltung zur Verbesserung ihrer Situation einbezogen. Sie werden als das Problem behandelt, nicht als Menschen, mit denen man spricht. Außerdem komme das Geld aus Förderprogrammen nur selten wirklich bei den Roma an. Wir müssen gegen die Korruption vorgehen, damit die Roma die finanziellen Hilfen erhalten, die ihnen zu mehr Inklusion verhelfen sollen, setzte er hinzu.

In das gleiche Horn stieß Marius Tudor von der Europäischen Allianz für öffentliche Gesundheit, der hervorhob, dass die EU und die nationalen Regierungen sich stärker dafür ins Zeug legen sollten, die Ungleichheit bei der Gesundheitsversorgung der Roma zu beseitigen. Dies ist eine europäische Frage, die eine europäische Koordinierung erfordert. Wir dürfen uns hier nicht einigeln, bekräftigte er. Es ist wichtig, die Roma ebenso wie andere Minderheiten und benachteiligte Gruppen von der Basis her einzubeziehen, fügte er an. Das Dasein der Roma ist ein Kampf ums Überleben. Die Lebenserwartung der Roma ist um 5 bis 20 Jahre geringer als die der übrigen Bevölkerung.

Als Vertreter der „International Step by Step Association“ unterstrich Stanislav Daniel, dass die Hauptursache für Ungleichheit Antiziganismus sei und man daher sehr darauf achten müsse, keine unterschiedlichen, diskriminierenden Standards aufzustellen. Auch er schloss sich dem Aufruf an, die Roma in die Politikgestaltung einzubeziehen, und wies darauf hin, dass sozialer Schutz mit sozialer Inklusion einhergehen müsse. Mit anderen Worten: Sozialschutzmaßnahmen müssen auch wahrgenommen werden können, zum Beispiel durch Übernahme der Kosten für Beförderung und Mahlzeiten, sonst sind sie sinnlos.

Wenn Roma-Frauen eine Gesundheitseinrichtung aufsuchen, stoßen sie auf erschreckende Probleme, von der Absonderung auf der Wochenstation im Krankenhaus bis zur Trennung vom Neugeborenen. Jelena Jovanovic vom Ergo-Netzwerk hob die verschiedenen Aspekte der Thematik hervor und bezeichnete es als besonders wichtig, in künftigen Empfehlungen an die Entscheidungsträger der EU und der Mitgliedstaaten auf eine korrekte Wortwahl zu achten. Wir müssen Roma-Stereotype bekämpfen und Worthülsen vermeiden, riet sie. Dazu brauchen wir andere Narrative, mehr Wissen und mehr Beteiligung von Roma-Frauen an der Politikgestaltung.

Maria Evgenieva legte die Standpunkte der Stiftung „Trust for Social Achievement“ am Beispiel Bulgariens dar. Die Säuglingssterblichkeit sei unannehmbar hoch, und Hausbesuchsprogramme für Schwangere und Kleinkinder hätten sich als wirkungsvoll erwiesen. Sie stehen am Beginn eines Wandels in ihrem Leben“, fuhr sie fort. „Wir müssen Nein sagen zu getrennten Schulen und Diskriminierung. Wir müssen ein Umdenken der gesamten Nation herbeiführen, und dafür ist es wichtig, bei den Medien anzufangen, um Vorurteile einzudämmen.

Frau Koller verlangte ebenfalls, dass mehr getan werden müsse. In den vergangenen Jahren hat sich an der Situation der Roma nicht viel geändert. Wir müssen uns den Menschen zuwenden, rasch handeln und eine echte soziale Revolution in Gang bringen, resümierte sie.

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