Finanzmittel sollten für eine nachhaltigere europäische Wirtschaft eingesetzt werden

In einer am 5. Juni 2018 vom EWSA in Brüssel veranstalteten Anhörung zum Thema nachhaltige Finanzierung wurde erläutert, wie die Kapitalflüsse in nachhaltigere Investitionsvorhaben gelenkt werden können

Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen, von Bankenverbänden, Universitäten und EU‑Institutionen nahmen an einer Anhörung zum Thema Finanzierung eines nachhaltigen Wachstums in Europa in Brüssel teil. Robin Edme, leitender Fachreferent für grüne, verantwortungsvolle und nachhaltige Finanzierung bei der Europäischen Kommission, leitete die Debatte mit der Präsentation des Aktionsplans für nachhaltige Finanzierung ein, den die Kommission im März 2018 vorgelegt hatte. Mit den ersten konkreten Legislativvorschlägen im Rahmen des Aktionsplans werden folgende Ziele verfolgt: die Erstellung einer Klassifizierung bzw. einer gemeinsamen Einschätzung bezüglich einer Definition für nachhaltigkeitsorientierte Finanzanlagen; EU-Labels für grüne Finanzprodukte, anhand derer die Anleger kohlenstoffarme und umweltfreundliche Investitionsmöglichkeiten leichter identifizieren können; die Festlegung der Pflichten institutioneller Anleger zur Berücksichtigung der Nachhaltigkeit für ihre Investitionsentscheidungen sowie eine transparentere Gestaltung der Berichterstattung der Unternehmen in Bezug auf Aktivitäten im Bereich der Nachhaltigkeit. Konsultationen mit einem breiten Spektrum von Interessenträgern, nicht nur von Finanzakteuren, sondern auch von Sparern und der Zivilgesellschaft, sind äußerst wichtig, so Robin Edme, der auch die notwendige breite Identifizierung mit dem Projekt der nachhaltigen Finanzierung unterstrich.

Es bedarf klarer Normen und Kennzeichnungen für Finanzprodukte, erklärte Flavia Micilotta, Geschäftsführerin des Europäischen Forums für nachhaltige Investitionen (Eurosif), als sie die Bedeutung der Taxonomie erläuterte, die als EU-Klassifizierungssystem für nachhaltige Aktivitäten dienen soll. Sie betonte ferner die Notwendigkeit, Faktoren aus den Bereichen Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung in die Pflichten der Investoren aufzunehmen.

Der Berichterstatter des EWSA zu diesem Thema, Carlos Trias Pintó, betonte die wichtige Rolle der europäischen Aufsichtsbehörden bei der Überwachung und konsequenten Sicherstellung von Nachhaltigkeit. Er verwies außerdem auf die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes für mehr Nachhaltigkeit.

Wir können die Macht des Finanzwesens nutzen, um eine nachhaltige Zukunft für uns und unsere Kinder zu gestalten, so MdEP Molly Scott Cato, Berichterstatterin des Europäischen Parlaments für den Initiativbericht zu nachhaltiger Finanzierung. Sie machte darauf aufmerksam, dass eine Definition nachhaltiger Finanzprodukte mit einer schwarzen Liste Hand in Hand gehen sollte, in der die Elemente aufgeführt sind, die nicht Bestandteil nachhaltiger Finanzprodukte sein dürfen. Ihrer Meinung nach fehle dieser Aspekt im Aktionsplan der Kommission.

Wir vertreten 4 000 Banken aus 33 Ländern, so Wim Mijs, Geschäftsführer der Europäischen Bankenvereinigung (EBF), der darauf hinwies, dass nachhaltige Finanzierung eine der vier Prioritäten der EBF bildet. Herr Mijs fügte hinzu, dass „nachhaltige Finanzierung keine Nische, sondern vielmehr der neue Mainstream ist“.

Die Mitglieder des EWSA verwiesen auf die notwendige Förderung der finanziellen Allgemeinbildung in allen Altersgruppen in der EU, denn den Menschen müsse geholfen werden, zu verstehen, wie das Finanzwesen funktioniert und wie sie fundiertere Entscheidungen für nachhaltige Investitionen treffen können. Sie hoben des Weiteren die Tatsache hervor, dass das Finanzsystem für die Bürgerinnen und Bürger der EU transparenter und verständlicher werden muss. In der Debatte gab es allgemeines Einvernehmen darüber, dass Anpassungen bei den öffentlichen Maßnahmen und Anreize für private Akteure nötig sind, um das derzeitige kurzfristige Denken in der Wirtschaft durch nachhaltiges Wachstum und einen langfristigen Ansatz zu ersetzen.

Die Ergebnisse der Anhörung zu nachhaltiger Finanzierung werden in die diesbezügliche Stellungnahme einfließen, die der EWSA derzeit auf Ersuchen der Kommission erarbeitet und voraussichtlich auf seiner Plenartagung im September 2018 vorlegen wird.