EWSA fordert EU-Spitzen auf, die internationale Rolle des Euro zu stärken

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Am Vorabend des EU-Gipfels am Freitag, den 21. Juni, in Brüssel fordert der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) die EU-Spitzen in seiner soeben verabschiedeten Stellungnahme auf, größere Anstrengungen zur Stärkung der internationalen Rolle des Euro zu unternehmen. Dies sei wünschenswert, aber auch notwendig, da ein starker Euro den Wohlstand der Bürger und Unternehmen der EU mehrt, die gemeinsamen Werte wahrt und den gemeinsamen Interessen dient, betont der Ausschuss.

 

Weitere Maßnahmen zur Förderung des Wirtschaftswachstums und der Widerstandsfähigkeit sowie der Anpassungsfähigkeit der Volkswirtschaften des Euro-Währungsgebiets führten letztlich zu einer stärkeren internationalen Rolle des Euro. In seiner Stellungnahme spricht der EWSA Empfehlungen aus, die über die Vorschläge der Europäischen Kommission hinausgehen.

Philip von Brockdorff, Berichterstatter der Stellungnahme, erklärte: Ein stärkerer sozialer Zusammenhalt, wirtschaftliche Konvergenz, Wettbewerbsfähigkeit und Innovation sollten die Grundlage für eine stärkere Wirtschaft des Euroraums sein, die den Euro unterstützt. Hier müssen wir zusätzliche Anstrengungen unternehmen und die Unterschiede zwischen den und innerhalb der Mitgliedstaaten abbauen, die unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einschränken.

Insbesondere in Zeiten eines zunehmenden Protektionismus und nahezu stagnierender multilateraler Handelsgespräche muss der Euro auf internationaler Ebene eine wichtigere Rolle spielen. Dies ist von strategischer Bedeutung und unter dem Blickwinkel des Handels entscheidend für die Zukunft Europas, so der Berichterstatter.

Mitberichterstatter Dimitris Dimitriadis wies darauf hin, dass eine EU, die mit einer Stimme spreche, hier einen Beitrag leisten könne. Ein einheitlicheres Auftreten in der internationalen Diplomatie und ein aktiverer Einsatz für unsere gemeinsamen Interessen könnten die Handelschancen vergrößern, betonte er.

Die Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) und der Bankenunion ist eine weitere klare Priorität für den EWSA. In diesem Zusammenhang empfiehlt der Ausschuss, zu prüfen, wie liquidere und sicherere Euro-Vermögenswerte geschaffen werden könnten. Dies könnte der gegenwärtigen Fragmentierung des Staatsanleihemarktes des Euro-Währungsgebiets entgegenwirken, die das Vertrauen des Marktes in die einheitliche Währung untergräbt. Ein gewisses Maß an Fiskalunion sei erforderlich, da die Koordinierung zwischen der Fiskal- und der Geldpolitik im gesamten Euroraum entscheidend für die makroökonomische Stabilität und damit die Glaubwürdigkeit des Marktes ist. 

Zur Stärkung der internationalen Rolle des Euro ist es nach Auffassung des EWSA zudem erforderlich, dass

  • die EZB gemäß ihrem Mandat auch künftig für Preisstabilität sorgt und für die Vertiefung der Wirtschafts- und Währungsunion sowie der Kapitalmarktunion eintritt,
  • die Infrastruktur der Finanzmärkte gestärkt wird und solide Referenzzinssätze gewährleistet werden,
  • eine breitere Verwendung des Euro in strategischen Sektoren wie Energie und Verkehr gefördert wird,
  • zusätzliche Maßnahmen zur Unterstützung von KMU und zur Steigerung der Produktivität ergriffen werden, um die Wettbewerbsfähigkeit des Euroraums auf den internationalen Märkten zu erhöhen.

Der Ausschuss fordert die EU-Spitzen auf, bei den laufenden Diskussionen über die Vertiefung der WWU auf eine stärkere internationale Verwendung des Euro hinzuwirken, die den Bürgern und Unternehmen der EU in vielerlei Hinsicht zugutekommen wird.

Geringere Wechselkursrisiken und dementsprechend geringere Kosten für Unternehmen, mehr Preistransparenz, wodurch Unternehmen kostengünstigere Rohstoffe beziehen und Verbraucher kostengünstigere Waren erwerben können, sowie günstigere Finanzierungskonditionen für Unternehmen und Regierungen sind nur einige dieser Vorteile. Marktteilnehmer würden weltweit mehr Auswahl haben, was ihre Anfälligkeit für währungsbedingte Schocks reduzieren und zur wirtschaftlichen und politischen Stabilität beitragen würde.

Hintergrund

Der EWSA drängt die EU-Spitzen seit geraumer Zeit, die Architektur der WWU zu stärken, so auch in seinen jüngsten Stellungnahmen zur Wirtschaftspolitik des Euro-Währungsgebiets 2019 und zum Paket zur Wirtschafts- und Währungsunion.

Die soeben verabschiedete Stellungnahme „Hin zu einer stärkeren internationalen Rolle des Euro“ behandelt die entsprechende Initiative der Kommission vom Dezember 2018. Im Juli 2019 wird der EWSA zu diesem Thema noch zwei Initiativstellungnahmen vorlegen: Eine krisenfestere und nachhaltige europäische Wirtschaft und Eine neue Vision für die Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion. Alle drei Stellungnahmen sollen eine umfassende Vision für eine europäische Wirtschaftsagenda für die nächste EU-Legislaturperiode zeichnen und in die anstehenden Diskussionen der EU-Spitzen zu diesem Thema einfließen.

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