Eine Krise, die wir überwinden werden

von Milena Angelova

Die Coronapandemie ist die größte Herausforderung, der wir uns in diesem Jahrhundert bisher stellen mussten. Ich will hier nicht auf die negativen Auswirkungen eingehen, die sie auf unser Leben, unsere Grundrechte und Grundfreiheiten, die Wirtschaft und das Wohlergehen hat. Vielmehr werde ich versuchen, meinen Blick positiv und pragmatisch darauf zu richten, wie wir das Beste aus dieser Situation machen können. Wir können das gemeinsam schaffen, wenn wir zielgerichtet bleiben, als Team agieren und verantwortungsbewusst vorgehen.

Business as usual – aber effektiver!

My home is my castle – und heute sogar mehr als das: Unser Zuhause ist heute alles in einem – etwa Büro, Schule, Kommunikationszentrale, Unterhaltungsort und Restaurant. Für Familien ist das eine einzigartige Gelegenheit, zusammenzurücken und die gemeinsame Zeit zu nutzen, auch für das „Teambuilding“, damit jedes Familienmitglied möglichst alles zur Verfügung hat, um seinen täglichen Pflichten – Arbeit, Schule, Kommunikation, Sport – effektiv nachzukommen. So ist es meiner Familie beispielsweise gelungen, zwei Klassenzimmer (eines für jeden Sohn), zwei Telearbeitsbüros und ein Multimediazentrum – wo mein Mann und ich an Online-Meetings teilnehmen und Interviews für die Medien geben – und dazu noch ein improvisiertes Sportstudio einzurichten, damit wir fit bleiben, auch wenn wir das Haus nicht verlassen können. Die Jungs machen den ganzen Unterricht online – sogar ihre Karateübungen!

Den Mut nicht verlieren und schöne Momente genießen

Auch wenn der Lockdown uns alle in unseren grundlegenden Freiheiten einschränkt – zu gehen und zu reisen, wohin wir wollen, zu arbeiten und uns aktiv zu erholen – können wir doch eine positive Einstellung behalten und jeden Tag schöne Momente finden, die wir genießen. Dem Tag eine Struktur zu geben, hilft uns zweifellos, zielgerichtet und motiviert zu bleiben. Ich persönlich habe einen straffen Zeitplan, denn ich muss meine Zeit aufteilen zwischen der Betreuung der Kinder, dem Schaffen von Freiräumen für Fitness (da bin ich kompromisslos: mindestens 90 Minuten am Tag), der Arbeit für den bulgarischen Verband des Industriekapitals BICA – wir verhandeln derzeit intensiv mit der bulgarischen Regierung über Maßnahmen zur Bewältigung der Krise und zur Unterstützung der Wirtschaft und der Beschäftigung – und last but not least natürlich für den EWSA. Wenn ich nur aus der Ferne mit all meinen Kollegen kommunizieren kann, kostet es mehr Zeit und Mühe, die Diskussionen inhaltlich zu koordinieren und vorzubereiten, und selbst die einfachsten Aufgaben werden durch die räumliche Trennung erschwert. Wenn das aber gut klappt, fühlt man sich umso mehr belohnt und befriedigt.

Niemand kann sagen, wie lange die derzeitige Situation noch andauern wird und wann wir unser normales Leben wiederaufnehmen können. Doch koste es, was es wolle: Wir werden diese Pandemie gemeinsam besiegen und zu unserem früheren, ungestörten Leben zurückkehren, frei von Beschränkungen und Angst. Bis dahin krempeln wir zusammen die Ärmel hoch, machen weiter unsere tägliche Arbeit und halten unsere Routine aufrecht. Selbst dem Lockdown lassen sich gute Seiten abgewinnen, denn er ist nun einmal Teil unseres Lebens und kann uns – wenn man positiv herangeht – auch glückliche Momente bescheren.