Ein Silver Deal für Europa: EU und Mitgliedstaaten müssen hochwertige Langzeitpflege sicherstellen

In einem Bericht des EWSA wird die Situation der Pflege durch im Haushalt lebende Fachkräfte als untragbar beschrieben. Die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte grenzen oft an reine Ausbeutung, und die Pflegebedürftigen gelangen nur schwer an eine erschwingliche und hochwertige Pflege. Diese Zustände sind das Ergebnis mangelnder staatlicher Unterstützung für die Pflegebranche sowie von Desinteresse seitens der Politik.

Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) hat einen Bericht über die Zukunft der Pflege durch im Haushalt lebende Fachkräfte veröffentlicht, in dem darauf hingewiesen wird, dass sich der Staat stärker engagieren muss und dass wirksame Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene ergriffen werden müssen, um die prekäre Situation sowohl der Pflegekräfte als auch der Pflegebedürftigen in dieser boomenden Branche gesetzlich zu regeln.

Da der Bedarf an Langzeitpflege und Pflege durch im Haushalt lebende Kräfte infolge des demografischen Wandels, der Alterung der europäischen Bevölkerung und immer mehr chronischen Erkrankungen weiter zunehmen wird, muss der Staat in nächster Zeit nicht nur erheblich in die Pflege investieren und sie fördern, sondern entscheidend ist auch, dass er gesetzliche Regelungen trifft und die Pflege professionalisiert, so der Bericht.

Im Haushalt lebende Pflegekräfte sind Beschäftigte, die Pflegeleistungen für ältere bzw. behinderte Pflegebedürftige erbringen, die in Privathaushalten leben. Diese Begriffsbestimmung wird in dem Bericht herausgearbeitet, der die Ergebnisse der Länderbesuche des EWSA im Vereinigten Königreich, in Deutschland, in Italien und in Polen zusammenfasst. Diese Länder in verschiedenen Regionen der EU wurden ausgewählt, weil sie sowohl Herkunfts- als auch Zielländer für im Haushalt lebende Pflegekräfte sind.

Die Informationsreisen in die vier Länder und der Bericht waren eine Folgemaßnahme zu der 2016 verabschiedeten Stellungnahme des EWSA „Die Rechte von im Haushalt lebenden Pflegekräften“, in der erstmals in einem politischen Dokument auf EU-Ebene die Arbeitsbedingungen dieser Beschäftigten thematisiert wurden.

„Alle Menschen, mit denen wir gesprochen haben, ob nun Vertreter der Pflegekräfte, Arbeitgeber oder Pflegebedürftigen, haben auf zahlreiche strukturelle Probleme bei der Pflege durch im Haushalt lebende Fachkräfte aufmerksam gemacht. Der größte Kritikpunkt war, dass diese Branche auf der Ausbeutung von Migrantinnen und mobilen weiblichen Arbeitskräften beruht, und das ist nicht nur unethisch und beschämend, sondern auch untragbar“, erklärte EWSA-Mitglied Dr. Adam Rogalewski, der den Bericht gemeinsam mit dem in Cambridge tätigen Wissenschaftler Karol Florek verfasst hat.

Der vollständige Bericht kann hier abgerufen werden. (ll)