Ungeregelter Brexit bedroht die Rentabilität der Luftfahrt- und Chemieindustrie in Großbritannien und der EU

Bei einer von der Beratenden Kommission für den industriellen Wandel (CCMI) im EWSA organisierten hochrangigen Debatte über die Folgen des Brexit für die Luftfahrt und die Chemieindustrie herrschte Einigkeit darüber, dass Großbritannien weiterhin den EU-Vorschriften gerecht werden muss und für Chemikalien die REACH-Verordnung ausschlaggebend ist. Für die Luftfahrtindustrie sollten in den wichtigsten Bereichen auf Gegenseitigkeit beruhende Abkommen geschlossen und die geplante Übergangsphase auf mindestens fünf Jahre verlängert werden.

„In den wichtigsten Sektoren müssen Lösungen gefunden werden, die auf Gegenseitigkeit beruhen“, mahnte Jan Pie, Generalsekretär des Europäischen Verbands der Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie (ASD), und forderte einen längeren Übergangszeitraum. Ein ungeregelter Austritt hätte in erster Linie Auswirkungen auf die Lieferkette. Für ein Just-in-time-Liefersystem sei das reibungslose Funktieren der Lieferkette Voraussetzung. Die einzelnen Teile eines Produkts müssten vor dessen Fertigstellung häufig mehrmals den Ärmelkanal passieren. Würde auch nur ein Teil zu lange aufgehalten, käme die gesamte Lieferkette zum Stillstand. Das gleiche gelte für die Freizügigkeit der Arbeitnehmer: Die Fachkräfte müssten sich ungehindert zwischen Großbritannien und der EU bewegen können. Den Unternehmen bereiten die Unterschiede zwischen den EU- und den britischen Vorschriften die größte Sorge.

Ein geregelter Brexit ist auch für die Chemieindustrie unerlässlich, betonte Ian Cranshaw, Leiter für internationalen Handel im Verband der Chemischen Industrie (CIA). Mit einem Umsatz von 18 Mrd. GBP sowie 150 000 direkten und 500 000 indirekten Arbeitsplätzen sei die Chemieindustrie für das Vereinigte Königreich von entscheidender Bedeutung. Am dringendsten brauche die Branche Sicherheit. Der Verband der Chemischen Industrie habe bei seinen Unternehmen eine Umfrage durchgeführt, wonach kein einziges Unternehmen vom Brexit profitieren würde.

„Wir könnten daraus die Lehre ziehen, dass die Errungenschaften des Binnenmarktes und die vielen Vorteile einer EU-Mitgliedschaft für die Wirtschaft und für die Bürgerinnen und Bürger besser vermittelt werden müssen“, sagte CCMI-Vorsitzende Lucie Studničná abschließend.

Die Frage, wer denn am Ende vom Brexit profitieren würde, blieb offen. (sma)